Eclipse-Mac-Integrator David Green über die Konsequenzen von Apples Abkehr von Java

Wenn kein Unternehmen einspringt, ist es das Ende von Eclipse auf dem Mac

Großes Aufsehen hat die Bemerkung in den Release Notes eines Mac-OS-Updates erhalten, in zukünftigen Versionen werde Java als „deprecated“ behandelt. Wirft Apple ihre eigene Java-Version über Bord? Was bedeutet dies für die Community? Was für die Zukunft der Java-IDEs auf dem Mac? David Green hat an der Integration der Eclipse-Entwicklungsumgebung in Mac-OS-Systeme gearbeitet und gibt im JAXenter-Interview seine Einschätzung der Lage wieder.

JAXenter: Wie es aussieht, wird Apple die Entwicklung der eigenen Java-Version für Mac OS einstellen. Was bedeutet das für die Community?

David Green: Zunächst sollte man nicht vergessen, dass es viel mehr Aktivitäten auf der Open-JDK-Mailing-Liste bsd-port-dev gibt, um den Mac-Port richtig zum Laufen zu bringen. Ich denke, für die Community ist es jetzt wichtig, dass ein anderer großer Player mit in diese Entwicklungsbemühungen einsteigt und Ressourcen investiert, um den Java-Port für OpenJDK aufrecht zu halten. Dies wird vielleicht einige Zeit in Anspruch nehmen, was insbesondere dann schmerzhaft sein dürfte, wenn Apple Java aus dem OSX 10.7 entfernen sollte (zum jetzigen Zeitpunkt gibt es allerdings keine Anzeichen dafür, dass sie dies tatsächlich tun werden). Man sollte allerdings nicht vergessen, dass auch Windows ohne Java ausgeliefert wird. Wie dem auch sei: Welche Auswirkungen diese Ankündigung auf die Java Community hat, wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen.

JAXenter: Du hast an einer Integration von Eclipse, OpenJDK und Mac-Systemen gearbeitet. Kannst du dieses Projekt kurz beschreiben?

David Green: Ich habe mich dafür interessiert, Eclipse auf SoyLatte, OpenJDK 6 und OpenJDK 7 zum Laufen zu bringen. Wir waren damals in einer Situation, dass die Plattform-Binaries, welche für das Launchen der VM und das Starten von Eclipse zuständig waren, nicht mit diesen Java-Versionen funktionierten. Ich arbeitete mit Eclipse- und OpenJDK-Teams an der Lösung dieses Problems, und wir waren schließlich in der Lage, ein Patch zu liefern, welche den Mac-spezifischen Eclipse Launcher mit OpenJDK-VMs verband. Es bleibt aber immer noch eine Menge zu tun, damit Eclipse Launcher mit diesen Java-Distributionen nahtlos zusammenarbeiten. Zum jetzigen Zeitpunkt muss eine Konfigurationsdatei erstellt werden, um eine solche VM zu nutzen.

JAXenter: Alex Blewitt hat kommentiert, dass die Apple-Ankündigung bzgl. Java das Ende für Eclipse auf dem Mac bedeuten könnte. Hat er Recht?

David Green: Damit Eclipse auf dem Mac weiterhin eine Zukunft hat, muss sich ein Unternehmen finden, das die Entwicklung übernehmen und die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellen wird. Wenn kein Unternehmen sich dazu berufen fühlt, dann bedeutet dies sicherlich das Ende. Doch das Eclipse-Ökosystem ist groß genug, sodass ich erwarte, dass verschiedene Parteien Interesse an einer Weiterführung von Eclipse auf dem Mac bekunden werden. Wahrscheinlich werden sich also ein oder auch mehrere Unternehmen finden, die das Projekt umsetzen. Wie dies funktionieren könnte, zeigt beispielsweise Adobe, die die Führung bei der Entwicklung des Cocoa-Port von SWT übernommen haben.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch

David Green ist Vice President of Engineering bei Tasktop Technologies. Zuvor war er als CTO von MAKE Technologies tätig, wo er sich vor allem mit MDD-Ansätzen in Zusammenhang mit Legacy-Systemen beschäftigte. David Green ist Eclipse-Committer und Entwickler des Mylyn-Wiki-Framework WikiText, einem Framework zur Integration von Wiki-Systemen in die Eclipse-Plattform. In seinem Blog http://greensopinion.blogspot.com äußert er sich regelmäßig über aktuelle Themen wie Applikationsentwicklung für iPhone und Android.
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