Die agile Kolumne

Welcher Entwicklertyp sind Sie?

Beantworten Sie die nachstehenden Fragen möglichst ehrlich für sich, und notieren Sie sich, wie häufig welcher Buchstabe (A, B oder C) bei Ihren Antworten steht. Dieser Buchstabe gibt den Typ an, zu dem Sie vielleicht gehören.

Fragen


Wo entwickeln Sie am liebsten?

  • Im Großraumbüro, möglichst nah an den Kollegen, den Kunden und dem Management (A)
  • Im Entwicklerraum mit zwei bis drei Kollegen aus meinem Team (A, B)
  • Bei Starbucks (B, C)< /li>
  • Zu Hause im abgedunkelten Raum – und zwar allein! (C)

Wann essen Sie normalerweise zu Mittag?

  • Das wird im Team entschieden (A)
  • Immer um 12 Uhr (A, B)
  • Ganz unterschiedlich, je nachdem, wie ich persönlich gerade im Flow bin (B, C)

Wie trinken Sie Ihren Kaffee?

  • Schwarz (A, B, C)
  • Mit Kollegen (A, B)
  • Bei Besprechungen (B, C)

Wie verbringen Sie Ihren Urlaub?

  • Da habe ich endlich mal Zeit für meine eigenen Programmierprojekte (B, C)
  • Mit dem Handy am Urlaubsort – falls in der Firma etwas anbrennt (C)
  • Entspannt (A, C)

Wie halten Sie es mit dem Testen?

  • Testen ist was für Tester, ich bin Entwickler (C)
  • Testen ist schon wichtig, aber wann haben wir schon die Zeit dafür? (B)
  • Ich schreibe Unit Tests (B, A)
  • Ich arbeite testgetrieben, also immer den Test zuerst (A)

Wie oft integrieren Sie Ihren lokalen Code?

  • Am Ende von Iterationen, oft mehrmals im Monat (C, B)
  • So oft es geht, oft mehrmals am Tag (A)
  • Ab und zu, aber das Build-System ist so kompliziert (B, C)

Was wissen Sie darüber, wo Ihr aktuelles Projekt gerade steht?

  • Ist doch nicht meine Aufgabe, für irgendwas muss auch mal der Projektleiter da sein. (C)
  • Ich würde so 90 % fertig schätzen (wie letzte Woche auch) (C)
  • Ich habe da so ein Gefühl für (B)
  • Das kann ich einfach an unserem Tracking ablesen, tagesaktuell für die aktuelle Iteration und iterationsaktuell für das aktuelle Release (A)

Wie entsteht die Architektur für Ihr System?

  • Das lege ich als Architekt vorher für alle fest (C)
  • Das legt unser Architekt vorher sehr detailliert fest (C)
  • Das besprechen wir ihm Team und legen dann grobe Architekturrichtlinien fest (A, B)
  • Das ergibt sich doch unterwegs irgendwie (B, C)
  • Welche Architektur? (C)

Wann haben Sie das letzte Mal gemeinsam im Team über Ihre Arbeit reflektiert?

  • Welches Team? Ich arbeite alleine! (C)
  • Das machen wir ab und zu sporadisch, meist wenn es große Probleme gibt (B)
  • Das machen wir nach jeder Iteration bzw. nach einem festen Takt (A)

Wie oft könnte man Ihr System aus technischer Sicht ausliefern?

  • Das manuelle Testen dauert ca. sechs Wochen, also nicht öfter. (C)
  • Im Prinzip (fast) täglich. (A)
  • Zumindest alle zwei bis drei Wochen, also z. B. nach jeder Iteration. (A, B)

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Auswertung

Vorweg: Sie gehören zu den Leuten, die an solchen Tests teilnehmen (so wie wir auch). Es gibt keine richtigen und keine falschen Typen, und man sollte das nicht als Wertung verstehen, sondern als Möglichkeit der Reflexion. Auch wenn wir diesen Test völlig unwissenschaftlich zusammengetragen haben und auch nicht alle Fragen zu 100 % ernst gemeint sind, gibt er hoffentlich den einen oder anderen Denkanstoß.

Typ C

Wahrscheinlich sind Sie mit Herz und Blut und aus Überzeugung Entwickler. Wahrscheinlich sind Sie auch gut in dem, was Sie tun. Sie scheinen aber in einem Umfeld zu arbeiten, in dem Sie Ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen können. Das mag sich in Teilen für Sie nicht ändern lassen, aber versuchen sollten sie es trotzdem. Dazu gehört vermutlich auch, dass Sie sich mehr ins Team einbringen, sich auf Diskussionen einlassen und auch mal nachgeben und Dinge ausprobieren, die andere vorschlagen und die Ihnen nicht sofort logisch erscheinen. Sie werden feststellen: Es kommt nicht immer wirklich genau darauf an, die allerbeste Lösung zu wählen. Häufig ist es viel wichtiger, dass man im Team eine gemeinsame Lösung verfolgt.

Typ B

Wir vermuten, dass Sie ein Teamplayer sind. Sie entwickeln gerne gemeinsam mit Ihren Kollegen Lösungen. Das ist prima und eine tolle Motivation! Eventuell sollten Sie aber auf mehr als nur die gute Stimmung im Team Acht geben. Denn häufig ist es so, dass man nur dann noch besser werden kann, wenn man sich weiter anstrengt. Für viele Lernerfahrungen ist es notwendig, dass man sich durchbeißt. Es fällt nicht immer alles leicht. Nehmen Sie sich also ruhig ab und zu neuen

Herausforderungen im Team an. Etablieren Sie eine Kultur des Noch-Besser-Werden-Wollens, und feiern Sie dann gemeinsam Ihre Erfolge. Das macht Spaß und garantiert Ihnen auf Dauer ein erfolgreiches Team.

Typ A

Sie scheinen ein agiler Entwickler zu sein. Schön, dass das auch in Ihrem Umfeld möglich ist! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg! Anmerken wollen wir aber, dass auch für Sie gilt, dass man sich darauf nie ausruhen darf, dass das Lernen immer weitergeht. Auch für Sie gibt es noch viele neue Dinge zu erleben und zu erlernen. Nicht nur neue Frameworks, neue Sprachen und neue Technologien.

Und jetzt? Ein Perspektivenwechsel!

Wir haben anhand einiger Antworten versucht, zu erraten, welcher Programmiertyp Sie sind. Das mag oft nicht stimmen. Wenn Sie dies lesen, haben wir aber Ihr Interesse daran geweckt, und es ist ganz bestimmt eine gute Idee, dass Sie einmal darüber nachdenken, wie Sie sich selbst einschätzen. Vielleicht fragen Sie auch einfach mal Kollegen oder Bekannte, wie diese Sie denn einschätzen, betrachten Sie sich einmal selbst aus einer anderen Perspektive. Nicht, um einfach ein Urteil zu erhalten, sondern als konstruktive Kritik, als Möglichkeit der Weiterentwicklung. Denn nur, wenn wir mehr über uns wissen, erhalten wir auch neue Möglichkeiten, uns zu verbessern. Wir sind z. B. häufig optimistische Planer (weswegen dieser Text auch „Just-in-Time“, dem neuen Euphemismus für „auf den letzten Drücker“) entstanden ist. Weil wir dies aber wissen, hinterfragen wir unsere Planungen mehr und lassen auch weniger optimistische Kollegen überprüfen, wie realistisch unsere Pläne wirklich sind. Frohe Selbsterkenntnis noch!

Dipl.-Inform. Henning Wolf ist Geschäftsführer der it-agile GmbH in Hamburg. Er verfügt über langjährige Erfahrung aus agilen Softwareprojekten (XP, Scrum, FDD) als Entwickler, Projektleiter und Berater. Er ist Autor der Bücher „Software entwickeln mit eXtreme Programming“ und „Agile Softwareentwicklung“. Henning Wolf hilft Unternehmen und Organisationen, agile Methoden erfolgreich einzuführen.

Arne Roock arbeitet bei der it-agile GmbH in Hamburg. Als studierter Germanist interessiert er sich für informative, leicht verständliche und kooperative Kommunikation. Außerdem beschäftigt er sich seit Längerem mit den Themen Selbstorganisation und Zeitmanagement in der IT.

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