Welche Tools und Praktiken Entwickler produktiver machen

Hartmut Schlosser

Die JRebel-Erfinder ZeroTurnaround haben ihren jährlichen Developer Productivity Report vorgestellt. Wie immer ging es in der Community-Umfrage darum herauszufinden, wie Praktiken und Tools von Entwicklerteams die Qualität und Zuverlässigkeit von Software Releases beeinflussen.

Das ist sicherlich keine leichte Frage, und wenn man sich die Ergebnisse anschaut, hat man das Gefühl, dass vorschnelle Schlussfolgerungen doch eher fehl am Platz sind. Doch schauen wir uns einige Punkte einmal an:

1006 Entwickler nahmen an der Umfrage teil.  Blickt man auf die verwendeten Tools, so scheint ein typischer Entwickler eine IDE (97%) zu nutzen, als Versionskontrollsystem Subversion (58%) oder Git (47%) einzusetzen, als Issue Tracker JIRA (57%) oder GitHub (21%) zu verwenden und Continuous Integration mit Jenkins oder Hudson zu betreiben. Bei den Tools zur Echtzeit-Kommunikation rangiert Skype mit 39% an der Spitze, gefolgt von Confluence (29%), Google Docs (26%), Google Hangout (16%) und Google+ (7%).

Bei den Entwickler-Praktiken zeigt sich, dass der Großteil der Entwickler oft (32%) oder zumindest manchmal (47%) an der Verminderung der „Technical Debt“ (also Refactorings, Performance-Verbesserungen, Buildstruktur) eines Projektes arbeiten. Wird Code-Qualität explizit überwacht – etwa mit Tools wie Sonar? 39% antworten hier mit „Nein“, 41% lösen zumindest einige Probleme. 

Einige Konklusionen von ZeroTurnaround:

  • Wird Pair Programming durchgeführt? 56% sagen: „Manchmal“. 33% sogar: „Oft“. Signifikant scheint durch Pair Programming die Software-Qualität zu steigen.
  • Die Qualität steigt, wenn Entwickler und nicht das QA Team den Code testen.
  • Qualität und Vorhersehbarkeit steigen, wenn Aufwandsschätzungen von Technikern und nicht von Managern durchgeführt werden.
  • Bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer lag die Testabdeckung unter 25%. Steigt die Testabdeckung, so steigt auch die Qualität.

Abschließend zieht der Report das Fazit: Es ist möglichweise zu einfach anzunehmen, dass gewisse Tools und Praktiken ein Unternehmen zwangsläufig zu einem besseren Unternehmen machen. Es könnte auch sein, dass gute Unternehmen sich für gewisse Praktiken entscheiden. Doch schadet es sicher auch nicht, die erfolgreichen Praktiken anderer selbst auszuprobieren. Sicher ist jedenfalls, dass Verweigerer von IDEs, Continuous Integration und Versionskontrolle Gefahr laufen, die Qualitäts- und Produktivitätsstandards anderer Unternehmen zu verfehlen.

Der Developer Productivity Report kann als PDF bei ZeroTurnaround heruntergeladen werden. Eine Kurzversion als Slideshow gibt es auch (siehe unten), genauso ein einführendes Video von ZeroTuraround-Chef Jevgeni Kabanov. 

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.