Perspektiven und Views

Wegweiser durch Eclipse

Lars Wunderlich

Zur besseren Orientierung auf der Oberfläche von Eclipse soll in diesem Artikel mit einem Quickstart begonnen werden. Dieser Überblick über Eclipse beinhaltet im Gegensatz zu einer Referenz nicht jede Funktion, sondern nur jene, die bei der Arbeit vorrangig wichtig erscheinen.

Nach dem Start von Eclipse fragt dieses nach einem Workspace-Verzeichnis für seine eigenen Dateien. Wir klicken die Checkbox an, um das vorgeschlagene Verzeichnis zum Defaultdirectory zu erklären, und wählen danach OK. Sollten Sie eine alte Eclipse-Version installiert haben oder die Daten mit einer anderen Eclipse-Version teilen wollen (z.B. wenn Eclipse-Metadaten in einem Source-Control-System liegen), empfiehlt sich die Wahl eines entsprechenden, anderen Verzeichnisses.

Eclipse – Die Plattform
von Oliver Widder und Kai Brüssau

Dieser Onlineartikel ist ein Auszug aus dem Buch „Eclipse – Die Plattform. Enterprise Java mit Eclipse 3.1“ von Oliver Widder und Kai Brüssau, das bei entwickler.press erschienen ist. Sie können das Buch im Onlineshop von entwickler.press erwerben.

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Eclipse begrüßt uns daraufhin mit dem Welcome-Bildschirm. Für Neueinsteiger empfiehlt sich hier grundsätzlich die Führung durch die einzelnen Tutorials, um die Oberfläche kennen zu lernen. Wir möchten allerdings gleich in medias res gehen und klicken daher im Menü WINDOW den Menüpunkt OPEN PERSPECTIVE | JAVA an, um in die Java-Perspektive zu wechseln. Gegebenenfalls müssen Sie das Welcome-Fenster auch schließen.
Aus jeder beliebigen Ansicht lässt sich über diese Menüpunkte zurück in die Java-Perspektive wechseln.

Perspektiven

Das Aussehen von Eclipse bzw. dessen Erscheinungsbild bei der Arbeit hängt im Wesentlichen von der Perspektive ab, die jeweils aktiviert ist. Eine Perspektive ist eine Sammlung von Fenstern (im Eclipse-Kontext als Views bezeichnet) und Menüpunkten, die gemeinsam ein Themengebiet behandeln. Solche Themengebiete könnten das Editieren des Sourcecodes, das Debuggen, aber auch das Installieren von weiteren Plug-ins sein.
Grundsätzlich können eigene Perspektiven wie in einer Art Baukasten zusammengestellt, angeordnet und für weitere Verwendungszwecke gespeichert werden.

Perspektiven auswählen

Zur Auswahl einer persönlichen Perspektive muss das Menü WINDOW | OPEN PERSPECTIVE geöffnet und dann die gewünschte Ansicht angeklickt werden. Für das im Folgenden betrachtete Beispiel wählten wir die Java-Perspektive. Die jeweils aktuelle Perspektive ist dabei mit einem schwarzen Kreis markiert. Weitere Perspektiven (auch jene, die gegebenenfalls von Plug-ins hinzugefügt werden) finden sich unter dem Menüpunkt WINDOW | OPEN PERSPECTIVE | OTHER.

Die so genannte Shortcut-Bar, die Leiste der Schnellzugriffe, ist am rechten oberen Rand des Eclipse-Fensters angeordnet. In ihr befinden sich alle auswählbaren und bereits einmal aktivierten Perspektiven. In der linken unteren Ecke sehen Sie Icons für alle Views, die vom Benutzer in die Leiste gelegt wurden, um schnell zugreifbar zu sein.

Die Java-Perspektive

Die Standard-Java-Perspektive ist in Abb. 1 dargestellt. Die dort erscheinenden einzelnen Fenster bezeichnen wir als Views. Sie tragen die Beschriftungen Package Explorer, Outline oder Tasks und beschreiben einen konkreten Sachverhalt oder ein Problem der aktuellen Arbeit.

Abb. 1: Java-Perspektive

  In Abb. 1 sehen wir oben die aus vielen Programmen bekannte Menüzeile. Auf die einzelnen Funktionen wollen wir hier noch nicht eingehen. Wenn bereits Erfahrungen mit Eclipse vorliegen, sollte Ihnen bekannt sein, wie man die Such- und Startfunktionen für Java-Programme aufruft und neue Klassen anlegt. Daneben finden sich hier alle wesentlichen Funktionen – die Arbeit mit Projekten, Sourcecode-Modifikationen, Suchalgorithmen, die Konfiguration der kompletten Oberfläche, das Hilfesystem und der Welcome- Bildschirm, den wir bereits sahen. Viele Funktionen aus den Menüs sind auch über entsprechende Kontextmenüs oder eine spezielle Tastenkombination, die neben dem Namen des Menüpunkts steht, verfügbar.

Neues Java-Projekt erzeugen

Zur Erstellung eines Java-Projekts wählen wir zunächst das Menü FILE | NEW | PROJECT und klicken im nachfolgenden Dialog JAVA PROJECT und den Button NEXT an. Anschließend geben wir einen Projektnamen ein (z.B. „Testprojekt“) und klicken den FINISH-Button an, um ein Java-Projekt mit Standardeinstellungen zu erzeugen.
Auf der linken Seite der Java-Perspektive erscheint im PACKAGE EXPLORER das Projekt. Über das Kontextmenü des Projekts und den Befehl FILE | NEW können Packages und Klassen zu dem Projekt hinzugefügt werden.

Package Explorer und View-Funktionen

Wie in Abb. 2 zu sehen, zeigt der Package Explorer die Projekte mit deren Packages sowie deren Elementen (Klassen, Interfaces, Methoden, Variablen etc. – hier am Beispiel eines Ausschnitts der String-Klasse). Die Icons, die zur visuellen Unterstützung der Elemente angezeigt werden, sind abhängig von der View bzw. davon, welche Plug-ins aktiviert und welche Label Decorators zugelassen sind.

Abb. 2: Package Explorer

  Viele Views verfügen über eine eigene Toolbar (wie beispielsweise Package Explorer und Outline View), die sich direkt unter der Fenster-Namenszeile befindet und zumeist das Aussehen und den Inhalt der jeweiligen View beeinflusst. Die Package Explorer View erlaubt dabei beispielsweise – wie dargestellt – die nachfolgenden Aktionen:

  • BACK – zeigt die Hierarchie, so wie sie direkt vor der aktuellen Anzeige ausgesehen hat.
  • FORWARD – zeigt die Hierarchie, wie sie direkt nach der aktuellen Anzeige ausgesehen hat.
  • UP – zeigt die Hierarchie des Elternobjekts der aktuell höchsten Resourcestufe.
  • COLLAPSE ALL – schließt die aktuelle Baumansicht, indem der Baum in sich „zusammenfällt“.
  • LINK WITH EDITOR – aktiviert die Synchronisation zwischen dieser View und dem aktiven Editorfenster.

Einzelne ausgesuchte Views besitzen zusätzlich ein eigenes Funktionsmenü, das über den kleinen nach unten weisenden schwarzen Pfeil aktiviert wird. In diesen Menüs befinden sich zumeist jene Aktionen, die es erlauben, die Anzeige dieser View weiter an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen (Ein/Ausblenden bestimmter Inhalte, Wechsel der Strukturdarstellungen, …).

Abb. 3: Fensterfunktionen

Mit einem Rechtsklick auf das Fenster-Icon können die Fensterfunktionen angezeigt werden (Abb. 3), wobei die Features (egal ob View oder nicht) stets gleichbleibend sind. Neben den klassischen Funktionen wie Minimierung (MINIMIZE), Maximierung (MAXIMIZE), Größenänderung (SIZE) oder Schließen (CLOSE) verfügen die Fenster zusätzlich über die Fähigkeit, sich mit anderen in einem so genannten Stack zusammenfassen zu lassen. Ein Stack ist dabei eine Art Blattsammlung mit Registern (siehe Abb. 4).

Abb. 4: View Stack (Package Explorer ausgewählt)

  Per Drag&Drop kann entschieden werden, auf welchem Stack eine View abgelegt werden soll (docking). Neu geöffnete Views werden automatisch einem Stack zugeordnet. Die Register der Views im Stack erscheinen am oberen Rand der jeweiligen View. Durch Klicken auf den Namen des entsprechenden Registers öffnet sich die zugehörige View. Views, die nicht mehr in den Stack passen, können über die Doppelpfeile am rechten Rand ausgewählt und über das Eingabefeld am oberen Rand sogar namentlich gesucht werden.

Als so genannte Fast Views werden View-Fenster bezeichnet, die über den Menüpunkt FAST VIEW in die Shortcut Bar auf der unteren linken Seite des Eclipse Fensters verbannt wurden. Beim Klicken auf deren Icon wird vorübergehend die entsprechende View eingeblendet. Durch Klicken in einen anderen Fensterbereich verschwindet sie wieder. Über die rechte Maustaste auf dem View-Icon kann die Fast-View-Anzeige wieder deaktiviert werden. Für die Navigation zwischen Views und ihren Funktionen finden sich entsprechende Menüpunkte und Tastatur-Shortcuts im Menü WINDOW | NAVIGATION.

Das Eclipse-Editorfenster

Im Zentrum von Eclipse befindet sich der Editor bzw. das Editorfenster. Pro geöffneter Datei existiert ein Editierfenster (siehe Abb. 5), wobei jeweils eines aktiv ist. In allen nachfolgenden Betrachtungen der Fähigkeiten des Eclipse Editors werden wir uns die Aktionen innerhalb dieses Fensters ansehen.

Abb. 5: Eclipse-Editorfenster und Outline View

Geschrieben von
Lars Wunderlich
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