Wegweiser durch Eclipse

Outline View

Auf der rechten Seite der Java-Perspektive erscheint die Outline View (Abb. 5). Sie visualisiert abhängig von der jeweils geöffneten Datei deren Inhalte strukturell. Bei Anzeige einer Java-Datei werden darin die Hauptelemente (Variablen, Methoden, Konstruktoren), deren Attribute und Abhängigkeiten zu Superklassen angezeigt.
Im Gegensatz zur Package Explorer-Ansicht kann hier die Klassenstruktur ganz individuell angezeigt werden. Dazu stehen folgende Funktionalitäten in der Outline-View als Shortcuts zur Verfügung:

  • SORT – Aktivierung/Deaktivierung der Sortierung innerhalb der Java-Elemente der Klasse
  • HIDE FIELDS – Ein-/Ausblenden von Instanz- und Klassenvariablen
  • HIDE STATIC FIELDS AND METHODS – Ein-/Ausblenden von Klassenelementen
  • HIDE NON-PUBLIC MEMBERS – Ein-/Ausblenden aller nicht öffentlichen Variablen/Methoden
  • HIDE LOCAL TYPES – Ein-/Ausblenden aller lokalen und anonymen Typen der Klasse
  • LINK TO EDITOR (IM MENÜ) – Synchronisation zwischen Editorfenster und dieser View
  • GO INTO TOPLEVEL TYPE (IM MENÜ) – öffnet die Ansicht des Baums auf Ebene der angezeigten Klasse
Hilfreich ist es, wenn alle Views einen in sich geschlossenen, konsistenten Zustand zeigen. Damit Outline View, Editor und Package Explorer dabei Bezug nehmen auf die gleichen Methoden und Klassen, aktiviert man in den beiden Views das doppelte File-Icon (link to editor). Danach führen Klicks in einem der Fenster zur Synchronisation der Ansicht mit den verbleibenden.
Tasks/Problems View

Rechts unten finden sich in Eclipse standardmäßig die Tasks, Warnings und Errors. Dabei handelt es sich stets um zu erledigende Aufgaben, allerdings mit unterschiedlicher Priorität. Im schlimmsten Fall zeigt die Problems View (siehe Abb. 6), dass ein komplettes Projekt nicht kompiliert werden konnte, weil einzelne Bibliotheken oder sogar das komplette Java Runtime Environment fehlt oder nicht an der gesuchten Stelle gefunden wurde. In einem anderen Fall werden Methoden, die als deprecated gekennzeichnet sind, aufgerufen, sodass bestimmte Klassen nicht kompiliert werden können. In der separaten Taskview (aktivierbar über das Menü WINDOW | SHOW VIEW | OTHER | BASIC | TASKS) können Hinweise angezeigt werden, was z.B. noch überarbeitet, getestet oder dokumentiert werden soll.

Abb. 6: Problems View zur Anzeige von Build-Problemen

  Wie in jeder View kann auch in diesen beiden die Darstellung gefiltert werden. Durch Klick auf das Filternsymbol (die drei nach rechts weisenden Pfeile auf der Tasks/Problems View) erscheint ein Dialog, in dem individuell bestimmt werden kann, welche Informationselemente wichtig sind.

Die Anzeige sollte sinnvollerweise eingeschränkt werden. Hierzu sollte die Menge der gleichzeitig sichtbaren Fehler (LIMIT VISIBLE ITEMS TO) auf 500 reduziert werden und der Radiobutton ON ANY RESOURCE IN SAME PROJECT gewählt werden. In diesem Fall werden pro angelegtem Eclipse-Projekt die Fehler angezeigt. Wenn externe Klassen, auf deren Sourcecode-Debugging nicht verzichtet werden soll oder kann, in eigene Eclipse-Projekte ausgelagert werden, wird das Durcheinander in der Problem- und Task-Anzeige deutlich reduziert, allerdings belastet häufiges Wechseln zwischen den Projekten dann auch die Gesamtperformance der Anwendung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, durch die Definition von so genannten Working-Sets (Arbeitsmengen) die Menge der Klassen nochmals wesentlich einzuschränken. Nur kann dies auch schnell zu Verwirrungen führen.
To be done – Arbeiten mit Tasks

Wird in einem Projekt konsequent modelliert und der Sourcecode von einem CASE-Tool generiert, werden eine Fülle von Klassen und Methoden erzeugt, deren Ausgestaltung (Implementierung und Erstellung entsprechender Dokumentation) vom Wohlwollen der Programmierer abhängt.

Abb. 7: Tasks View und TODO-Definitionen im Editorfenster

  Eclipse erlaubt die Erfassung von so genannten Tasks. Hierzu wird im linken schraffierten Bereich des Editors die rechte Maustaste gedrückt, ADD TASK gewählt und dann die noch auszuführende Aufgabe beschrieben. Die neue Task befindet sich daraufhin in der Tasks View (siehe Abb. 7). Abgeschlossene Arbeiten können später gelöscht werden.

Sollte die Taskview noch nicht angezeigt werden, lässt sie sich über WINDOW | SHOW VIEW | OTHER… | BASIC | TASKS schnell herbeizaubern.

Alternativ zu Standardkommentaren bietet Eclipse die Möglichkeit, durch Inline-Kommentare im Sourcecode solche Tasks selbst zu definieren und zu erzeugen. Diese Variante hat den Vorteil, dass die komplette Information im Sourcecode bereits enthalten ist und nicht verloren geht, wenn die Eclipse-Informationen nicht mit weitergegeben werden (z.B. zwischen Entwicklern). Dafür sind diese ToDo’s auch gleich projektweit für alle sichtbar.

Hierzu wird einfach der Begriff TODO und dahinter die Beschreibung, was zu tun ist, in den Sourcecode-Kommentar geschrieben. Beim nächsten Speichern der Datei (Strg+S) wird der Kommentar automatisch zu einer Task in der Taskliste. Dort kann er gegebenenfalls auch modifiziert werden, was sich gleich wieder auf den Sourcecode auswirkt.

Eclipse selbst bedient sich dieser Funktionalität auch gerne und erzeugt künstlich Kommentare mit dem Hinweis „To do“, wenn es beispielsweise Methoden automatisch generiert und daher Javadoc und Implementierung nicht vollständig sein können.

ToDo’s in den Sourcecode zu schreiben ist sehr angenehm und einfach und überlebt z.B. auch einen Eclipse-Absturz, bei dem hin und wieder leider auch manuell erfasste Tasks verloren gehen können. Wenn die Zahl der ToDo’s (eigene und die von Kollegen) zu unübersichtlich wird, lassen sich auch eigene persönliche definieren. Vordefiniert sind „TODO“,„FIXME“ und „XXX“.
Eigene Tasks definieren

Die Tasks bzw. die begrifflichen Definitionen, die zu einer Task führen, können in einem Projekt vollkommen frei vergeben werden. Entweder wird dies in den Preferences eingestellt oder man entscheidet sich, dass nur das einzelne Projekt auf diese Tasks reagieren soll (Kontextmenü des Eclipse-Projekts im Package Explorer PROPERTIES | JAVA COMPILER | JAVA TASK TAGS – siehe Abb. 8).

 Abb. 8: Erstellen eigener Tasks über Project-Properties

                  Neben dem TODO-Tag sind andere Tags wie „to be reviewed“ oder „to be optimized“ in ihrem jeweiligen Kontext sinnvoll. Sehr interessant ist auch immer mitanzusehen, wenn ein Projekt beispielsweise aus dem Jakarta-Umfeld importiert wird, an welchen Hotspots die dortigen Autoren noch nicht gedreht haben.
Hilfe in Eclipse

Die Hilfe ist vor allem für diejenigen interessant, die noch nie mit Eclipse gearbeitet haben. Wir haben sie bereits kurz nach der Installation von Eclipse in Form einer Reihe von Tutorials in der Welcome-Perspektive gesehen. Diese lässt sich bei Bedarf über den Menüpunkt HELP | WELCOME erneut anzeigen.

Die Standard-Eclipse-Hilfe wird über den Befehl HELP | HELP CONTENTS aktiviert. In zahlreichen Dialogen kann aber auch durch Drücken der F1-Taste eine kontextsensitive Hilfe aufgerufen werden, die einzelne Funktionen erläutert.

Eclipse unterstützt zusätzlich einen Mechanismus der sich Cheat Sheets nennt und den Benutzer durch eine Sequenz von definierten Schritten führt. Nach dem Abschluss jedes einzelnen Schritts schreitet das Cheat Sheet voran, wobei jeder Step automatisch ausgeführt oder manuell durch den Benutzer durchzuführen ist. Die Tutorials in Eclipse unterstützen diese Cheat-Sheet-Technik, um beispielsweise die Entwicklung eines Hello-World-Beispiels in Eclipse zu präsentieren (HELP | CHEAT SHEETS…). Zu diesem Mechanismus gehört auch eine Cheat Sheets View, die sich über WINDOW | SHOW VIEW | OTHER | CHEAT SHEETS | CHEAT SHEETS aktivieren lässt.

Lars Wunderlich arbeitet als Systemarchitekt und Software Engineer im Bereich der Entwicklung von Unternehmensanwendungen mithilfe der J2EE-Technologie. Er ist Co-Autor des im Software & Support-Verlag erscheinenden Eclipse-Buchs, das Eclipse 3.0 in seinen unterschiedlichen Facetten in der professionellen Softwareentwicklung ausführlich vorstellt.    
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