Jeff Sussnas Keynote auf der W-JAX 2013

Wege in die IT des 21. Jahrhunderts – oder: Warum auch Apple sich stets neu erfinden muss

Hartmut Schlosser

Zur ersten Keynote betrat Jeff Sussna (Ingineering.IT) die Bühne der W-JAX 2013. Mit seinen „IT-Strategien für das 21. Jahrhundert“ führte er Sebastian Meyens Analyse der aktuellen IT als eine Branche im Wandel fort.

„Wir befinden uns mitten im Übergang von der Industriellen zur Post-Industriellen Ära“, war Sussnas Grundthese, die er mit einigen Fakten untermauerte. Lange Jahre führende Unternehmen wie Kodak werden vom Markt verdrängt, Startups wie Facebook und Google erwirtschaften Milliarden-Beträge, selbst gestandene Branchen-Riesen wie Microsoft und Apple müssen sich stets neu erfinden, um relevant zu bleiben.

Kurz: Was wir heute sehen, ist, dass Wandel zur Normalität wird und starre Unternehmen, die sich nicht ständig den geänderten Bedingungen anpassen, abgehängt werden.

Jeff Sussna auf der W-JAX 2013: Complex Adaptive Services: 21st-Century IT Strategies

Sussna bemühte die militärische Metapher der sogenannten OODA-Schleife: Wer den Zyklus von „Observe, Orient, Decide, Act“ schneller bewältigt, hat einen Vorteil über die feindliche Partei – gleich wie am Ende die Handlung ausfällt. 

Was heißt das für die IT des 21. Jahrhunderts? Laut Sussna verändern sich in der post-industriellen Zeit die unternehmerischen Grundwerte:

Es geht nicht mehr um das reine Produzieren und Bereitstellen von Produkten (Things), sondern um die Vermittlung von bzw. das Erlebnis mit den Dingen (Experience), um das Mit-Gestalten (Co-Creation), um die Beziehung zum Kunden (Relationships).  Das ständige Einholen von Feedback wird dabei wichtiger als die Planung, kontinuierliches Lernen geht über das Befolgen von Best Practices, Anpassung hat mehr Gewicht als Effizienz.

Neu ist auch – und das freute natürlich die Besucher der W-JAX -, dass IT-Systeme der Schlüssel zum Erfolg werden: Kunden können nicht mehr ohne IT angesprochen werden. Feedback kann nicht mehr ohne IT erhalten werden. Das Business ist mehr und mehr IT-getrieben.

Nun bringen diese unternehmerischen Veränderung aber auch neue Anforderungen an IT-Systeme mit sich. Die IT-Systeme waren kompliziert – jetzt werden sie komplex, sagt Sussna, da immer mehr unberechenbare Faktoren auf das System einwirken. Solche komplexen Systeme sind schwer zu modellieren, vorherzusagen und zu kontrollieren – und erzeugen somit regelmäßig Situationen, in denen Anpassungen vorgenommen, Fehler behoben, Ausfälle wett gemacht werden müssen.

IT-Systeme der post-industriellen Zeit müssen deshalb nicht Ausfall-sicher sein. Stattdessen kommt es darauf an, dass Ausfälle schnell behoben werden können. „From fail-safe to safe-to-fail“, lautete Sussnas Formel.

Am Schluss seiner Keynote richtete Sussna einen Appel an die Zuhörer: Diskussionen über Cloud, Agile, Web, etc. sind wichtig – wer jetzt jedoch zu lange zögert, läuft Gefahr, abgehängt zu werden. Befreit Euch von Widerständen, von einer zu analytischen Haltung und von reinem Auftragsempfängertum. Agiert proaktiv, kreativ, adaptiv und Kunden-orientiert.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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