Quo Vadis DevOps?

4 Erkenntnisse von der DevOpsCon 2015

Hartmut Schlosser

Die DevOpsCon 2015 ist vorüber – was bleibt? Viele Eindrücke, viele neue Impulse, viele Tipps, um die eigene Arbeitswelt ein Stück freundlicher und produktiver zu gestalten. Wir stellen vier Erkenntnisse heraus, die uns nach den zahlreichen Präsentationen und Diskussionen auf der Konferenz bemerkenswert erscheinen. Und dabei tritt das disruptive Potenzial der „Metapher DevOps“ klar zutage.

1. Bei DevOps geht es nicht um Devs und Ops

Wer DevOps bisher als reinen Zusammenschluss von Entwicklern und Betrieblern verstanden hat, liegt zwar nicht völlig daneben. Dass er mit dieser wörtlichen Auslegung aber zu kurz greift, wurde in John Willis Eröffnungskeynote deutlich. Die DevOps-Legende präsentierte „DevOps“ als Metapher für eine Bewegung, die seit den Anfängen 2009 darum bemüht ist, künstliche Hürden zwischen Mitarbeitern niederzureißen und echte menschliche Interaktionen an die Stelle von praxisfernen Unternehmensregeln zu stellen. „Wir wollten einfach Dinge tun, die wirklich funktionierten“, so Willis, der 2010 mit den Begriff CAMS als Akronym für „Culture, Automation, Measurement und Sharing“ einige der DevOps-Werte festzumachen versuchte.

In den folgenden Jahren wurde DevOps u.a. von Jeff Sussna als kybernetische Kommunikationsschleife begriffen, in der unternehmensweites Handeln auf der Basis von Feedback im Zentrum steht. In diesem Sinne sollten die Silben „Dev“ und „Ops“ als Metapher für beliebige Unternehmensbereiche verstanden werden, zwischen denen die direkte, ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe ins Stocken geraten ist.

2. Was ITler glücklich macht

Dass IT-Ingenieure nicht unbedingt durch Geld motiviert sind, zeigte sich im Abschluss-Panel des ersten Tages. Unter dem Motto „Building happier engineering teams“ diskutierten John Willis, Peter Roßbach und Erkan Yanar mit dem Publikum die Frage, was denn eigentlich die Zufriedenheit im Berufsleben ausmache. Geld, soweit war man sich einig, beruhigt zwar, ist aber nicht der eigentliche Faktor für Glückseligkeit. Ein angenehmes Arbeitsklima, Kollegen auf gleicher Wellenlänge, Arbeiten für sinnvolle Ziele, ein vorwurfsfreies Umfeld – das sind Bedingungen, die dafür sorgen, dass ITler sich in ihren Unternehmen wohl fühlen und produktiv in ihren Teams mitwirken.

Was dieses Thema auf einer DevOps-Konferenz verloren hat? Nun, darum geht es eben auch bei DevOps: Den Menschen mit seinen Eigenheiten und Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu stellen, damit bürokratische Beschränkungen abgebaut werden und das Potential der Mitarbeiter zur Geltung kommen kann.

3. Man soll auch über Elefanten sprechen

Kultur, Technologie – in diesem Spannungsfeld sehen viele die DevOps-Bewegung. Doch was genau ist mit dieser „Kultur“ gemeint? Paul J. Reed näherte sich dieser Frage in seiner Keynote, indem er den Akzent weg von der Kultur hin zur einer gemeinsamen Ästhetik verlagerte. Nun hat Ästhetik viele semantische Ebenen, gemeint wurde der Begriff aber in seiner ursprünglichen Bedeutung als aísthēsis, „Wahrnehmung“ bzw. „Empfindung“. Wenn man etwa fragt, was den Begriff DevOps definiert, so dürften Dinge wie Automatisierung, Infrastructure as Code, System-Denken, Feedback Loops, Zusammenarbeit und Empathie einen breiten Konsens finden. Ob Microservice-Architekturen, Container oder Diversität in den Team-Strukturen mit zum Kern von DevOps gehört, werden nicht unbedingt alle unterschreiben.

„Culture is not important, but Shared Aesthetic is crucial“, lautete Reeds Formel. Heißt: In einem Team ist es immer wieder wichtig sicherzustellen, dass alle (zumindest in etwa) den selben Begriff einer Sache haben, damit man nicht „aneinander vorbei redet“. Reeds Ratschlag war hier, sich immer wieder den Kontext klarzumachen, in dem eine Aktion stattfindet oder eine Aussage getätigt wird: Context is Key!

Leicht ist das nicht, denn oftmals sind die kontextuellen Bezüge implizit, d.h. den Beteiligten nicht unbedingt bewusst. Wer kennt nicht die Situation, dass man im Glauben, im Kontext einer Unternehmensvorgabe zu handeln, Dinge tut, die man eigentlich für wenig sinnvoll erachtet. Über diese impliziten Kontexte – die Elefanten im Raum, die dennoch niemand sieht – zu reden, ist laut Reed wichtig, um eine gemeinsame Ästhetik zu entwickeln.

4. DevOps zeigt Potenziale, keine Lösungen

Naturgemäß wurde auf der DevOpsCon auch viel über Tools und Technologien gesprochen: Docker, Rocket, Mesos, Kafka, Spark, etcd, Consul, Jenkins, AWS, Go, CoreOS, Kubernetes und so weiter. Und die dazugehörenden Konzepte: Continuous Delivery, Microservices, Cloud-Automation, Containerization, etc. Die Innovationswelle wird derzeit zur wahren Flut, und was damit möglich ist, zeigen bereits „Unicorn“-Unternehmen wie Netflix, Facebook, Etsy, Google, Amazon, Twitter, Airbnb, Slack… Doch klar ist auch: Es sind Möglichkeiten, die zu nutzen alles andere als trivial ist. Und dass diese Nutzungsweisen nicht immer zu verallgemeinern sind, hörte man ebenfalls häufig auf der DevOpsCon 2015. In jedem Unternehmen muss eben der Mix an Technologie und Methode gefunden werden, der zu den individuellen Anforderungen und Fähigkeiten passt.

Es hat also den Anschein, dass wir erst am Anfang eines umfassenden Wandels der IT stehen, bei dem sich naturgemäß zunächst Potentiale zeigen, um die herum sich in den nächsten Jahren 1.) noch viele technologische Lösungsversuche herausbilden, und 2.) Best Practices für die Anwendung dieser Technologien etablieren werden.

Ergo

Um diese – und viele anderen – Geschichten ging es bei der DevOpsCon 2015. Es bleibt spannend, es bleibt innovativ, es bleibt disruptiv. DevOps ist eine Bewegung in ihren Kinderschuhen, die jetzt schon eine Dynamik aufweist, der man sich kaum entziehen kann. Auch wenn „DevOps“ möglicherweise in 5,10 Jahren nicht mehr als Begriff auftauchen wird – die „Metapher DevOps“ wird zahlreiche, heute als etabliert geltende Architektur-Blueprints, Unternehmensprozesse und Software-Standards hinweg gefegt haben.

Rüsten Sie sich für den Wandel – die Chancen stehen gut, dass er auch Sie erreichen wird!

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: