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Open Source, Eclipse Foundation, EPL und das Eclipse-Ökosystem

Was ist Eclipse? Teil 3

In den letzten beiden Teilen der Serie starteten wir eine Rundreise durch das Eclipse-Universum und widmeten uns der Frage, auf die es so viele Antworten gibt: Was genau ist denn eigentlich Eclipse? Wir begannen mit der bekanntesten Antwort: Eclipse ist eine IDE. Von dort aus ging es weiter über Eclipse als Toolsplattform, danach zur Rich Client Platform, die Eclipse zur Anwendungsplattform macht, bis hin zu den Runtime-Technologien von Eclipse. Bisher haben wir die Frage vor allem technisch beantwortet. Doch Eclipse war von Anfang an mehr als ein paar Millionen Zeilen Code. Woher kommt diese Technologie, welche Rollen und Personen stehen dahinter? Und vielleicht ist es noch wichtiger zu wissen, warum alle diese Frameworks Open Source sind, was die Eclipse Foundation tut, was die EPL ist und wie man mit Open-Source-Software im Eclipse-Ökosystem Geld verdienen kann. Diesen Fragen widmen wir uns in diesem dritten und letzten Teil der Serie „Was ist Eclipse?“.

Open Source

Um die starke Verknüpfung von Eclipse mit Open Source, der Eclipse Public License (EPL) und den Aufgaben der Eclipse Foundation zu verstehen, begeben wir uns wieder einmal zu den Anfängen von Eclipse. Das Ziel von IBM war Ende der neunziger Jahre, eine gemeinsame Toolsplattform zu entwickeln, auf der aktuelle und zukünftige Produkte basieren sollten. Als Kriterium für den Erfolg der Plattform identifizierte IBM von Anfang an die Erweiterbarkeit.

Es sollte zum einen für den Benutzer der Plattform möglich sein, neue Funktionen hinzuzufügen. Zum anderen sollten Erweiterungen auch von Drittanbietern ausgeliefert werden können. Die geforderte Erweiterbarkeit schlägt sich technisch in der Modularität von Eclipse und zahlreichen Konzepten wie den Extension Points nieder. Doch die technische Möglichkeit alleine hätte nicht den heutigen Erfolg der Eclipse-Plattform bewirkt. Zu Beginn wollten insbesondere Drittanbieter nicht in die neue und unbewährte Plattform investieren. Bliebe die Plattform unter der alleinigen Kontrolle von IBM, gingen Drittanbieter von Erweiterungen eine starke Abhängigkeit zu IBM und damit ein Risiko ein. Das Risiko wäre bei Eclipse noch höher gewesen, wurde die Plattform ja quasi neu aus dem Boden gestampft. IBM sah die Lösung des Problems in der Offenlegung des Quellcodes.

Im November 2001 gründete IBM zusammen mit acht weiteren Firmen das Eclipse-Konsortium und schuf das Portal eclipse.org. Unter diesen Gründungsmitgliedern befanden sich neben Rational Software und TogetherSoft auch Konkurrenten wie WebGain und Borland. Das Konsortium verfolgte neue Prinzipien, nach denen noch heute das Eclipse-Ökosystem funktioniert. Die Plattform ist Open Source und wird von der Community kontrolliert. Die Mitglieder des Konsortiums kümmern sich um das Marketing und können auf Basis der freien Plattform kommerzielle Produkte anbieten. Die Grundidee dahinter ist, dass die Plattform Funktionen bietet, die verschiendene Hersteller in ihren Produkten benötigen, die ihnen aber für sich keine Wettbewerbsvorteile bieten. Der meist kleinere Teil der Produkte, der das tatsächliche Geschäftsmodell einer Firma ausmacht, basiert auf der Plattform und wird unter einer kommerziellen Lizenz vertrieben. Die Liste der Firmen, die zu Eclipse beitrugen, war damals sehr kurz. IBM lieferte die mit Abstand umfangreichsten Codebeiträge.

Die Eclipse Public License und die Eclipse Foundation

In den folgenden zwei Jahren nach der Gründung des Eclipse-Konsortiums 2001 kamen die ersten offenen Releases von Eclipse heraus. Insbesondere die Eclipse IDE wurde von der Entwicklergemeinde positiv aufgenommen. Ein kontinuierliches Wachstum führte zu dem heutigen Marktanteil bei den Java IDEs von über 60 Prozent (Abb. 1) [1]. Allerdings war das Feedback der Industrie auf den Aufbau des Ökosystems gemischt, da Eclipse im Wesentlichen von IBM kontrolliert war. Diese Tatsache hielt große Hersteller zurück, verstärkt in Eclipse zu investieren. Eclipse musste also unabhängiger werden. Das war die Geburtsstunde der Eclipse Foundation, einer Non-Profit-Organisation. Das Kernziel der Eclipse Foundation ist der Aufbau einer herstellerneutralen, offenen und transparenten Community rund um Eclipse. Die Foundation definiert dazu die Aufgaben ihrer durch die Mitglieder finanzierten Mitarbeiter in vier Kerndienste:

Abb. 1: Die beliebtesten Java IDEs [1]
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