Was im Studium fehlt – und trotzdem wichtig ist!

Michael Thomas
© Shutterstock/romvo

Was das Software-Engineering-Studium nicht vermittelt und trotzdem wichtig ist – zumindest was das irische Institute of Technology Carlow betrifft –, darüber sinniert der frischgebackene Software Engineer Robbie Lynch in seinem Blog.

Wie bei fast allen Studiengängen, so gilt nämlich auch dort: Landet man nicht gerade in der Forschung, dürfte vieles aus dem Curriculum nach Ende des Studiums schnell in Vergessenheit geraten – während gleichzeitig die nebenbei erworbenen Kenntnisse an Gewicht gewinnen.

Und dies bedeutet, so Lynch, im Falle des Software Engineering: arbeitet man nicht an eigenen Projekten oder beschäftigt man sich nicht selbstständig mit neuen Technologien, so wird man spätestens am ersten Arbeitstag echte Probleme bekommen.

Lynchs nicht abschließende Liste der wichtigsten Fertigkeiten umfasst:

  • Die Dokumentation von Software: Jeder hat wohl schon einmal eine Bedienungsanleitung in Händen gehalten, für die die Bezeichnung „unverständlich“ noch eine gnadenlose Untertreibung wäre. Strukturierte, informative und klare Dokumentationen zu erstellen ist keine leichte Aufgabe und muss deshalb alsbald geübt werden.
  • Das Schreiben von Clean Code: Clean Code beschreibt kurz gesagt „Dokumente, Konzepte, Regeln und Verfahren, die intuitiv verständlich sind. Intuitiv verständlich ist alles, was mit wenig Aufwand in kurzer Zeit richtig verstanden werden kann“ (Wikipedia). Doch wie genau man dieses Ziel erreichen kann, darüber erfährt man Lynch zufolge nichts.
  • Das Testen und Debuggen: Selbst wenn die grundlegenden Verfahren behandelt werden, bleiben in der Regel viele Fragen offen, z.B.: „Wie baut man einen wirklich guten Test auf? Was sollte man überhaupt testen und was nicht?“ Auch beim Debugging muss man sich mitunter elementar wichtige Dinge wie die richtige Verwendung des IDE-Debuggers im Selbststudium beibringen.
  • Versionskontrollsysteme: Lynch konnte beobachten, wie manche Kommilitonen Stunde um Stunde damit verschwendeten, nur weil sie keine Ahnung von Versionskontrollsystemen à la Git hatten und deshalb alles händisch erledigen mussten.
  • Die Gründung eines Startups: Auch wenn einige Dozenten ihre Studenten ermutigen, sich mit der Existenzgründung zu beschäftigen, so werden diese im Grunde allein gelassen. Eine entsprechende Gründermentalität zu vermitteln oder auch betriebswirtschaftliche Grundzüge zu vermitteln könnte eine sinnvolle Ergänzung des Lehrplans darstellen.

Zwar existieren spätestens seit der Bologna-Reform auch in Deutschland explizit praxisorientierte Studiengänge im Bereich Software Engineering (versus den eher theoretisch orientierten alteingesessenen Informatikstudiengängen), doch auch auf diese dürften die von Lynch genannten Punkte – zumindest teilweise – zutreffen.

Aufmacherbild: The school blackboard and chalk written desktop computer von Shutterstock / Urheberrecht: romvo

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
Kommentare

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7 Kommentare auf "Was im Studium fehlt – und trotzdem wichtig ist!"

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Gernot Starke
Gast

da fehlt noch einiges mehr – beispielsweise:
* Änderungskompetenz für Software… bestehende Systeme verstehen und erweitern oder ändern.
* Teamkompetenz: Arbeiten im Team – so dass konzeptionell integre Systeme entstehen.
* professionelles Zeit- und Aufgabenmanagement – wie teile ich mir meine Zeit zielorientiert ein.
* Unterschied zwischen effektiv und effizient verstehen – und warum das Erste meistens wichtiger ist.

Andreas van Loock
Gast

Sehe ich wie Gernot…

Guido Faust
Gast

Ich kann Gernot da nur zustimmen – und noch ein paar „Kleinigkeiten“ fehlen:
* Umgang mit Versionskontrollsystemen
* CI oder CD
* Konfigurationsmanagement
* Aufwandsschätzung
* Releasenotes schreiben
* Umgang mit Ticketsystemen
* Refactoring
* Risikobewertung und -management

Gründerseminare wurden zu meiner Zeit an der BUGH Wuppertal angeboten, da konnte man teilnehmen, egal ob man konkret gründen wollte oder nicht.

Alrik
Gast

Das Selbe trifft auf die Informatikausbildung an der HTW Dresden zu!

Lisa J.
Gast
Und das ist der Punkt, wo duale Studiengänge so interessant werden… Da lernt man nämlich mindestens die Hälfte der hier bemängelten Dinge nebenher mit. Was und wie sehr hängt dabei natürlich davon ab, wo man die Ausbildung neben dem Studium absolviert, aber um für mich zu sprechen… – Dokumentieren kann ich sicher noch nicht perfekt, aber verständlich dürfte das Resultat schon sein. Was genau hier gefordert wird hängt dann ja ohnehin vom Arbeitgeber ab. (Eine Dokumentation zu schreiben wurde übrigens auch in der Abschlussprüfung der IHK verlangt und entsprechend darauf vorbereitet.) – Sauber ist mein Code durchaus. Auch hier gibt… Read more »
Dennis G
Gast

An der Uni Oldenburg gibt es dazu das Pflichtmodul „Projektgruppe“, bei dem 6-12 Studierende über 1 Jahr ein größeres Produkt selbstständig entwickeln müssen.
Das deckt aber leider keine betriebswirtschaftlichen Dinge ab. Aber als Gründeruni wird dafür auch sehr viel angeboten!

Andree
Gast

Ein Studium ist nicht dazu da, alle nötigen handwerklichen Grundlagen zu vermitteln, da dies niemals erreicht werden kann.
Was ein Studium mindestens bringen soll ist, für sich neue fachliche Themen selbständig zu erarbeiten.
Ich arbeite bereits länger als Programmierer und diese Fähigkeiten helfen mir mehr, mich ständig weiterzuentwickeln.