Die neuen JDeveloper- und ADF-Major-Releases

Was gibt´s Neues im Oracle JDeveloper?

Martin Künkele

Vergangene Woche gab Oracle die Version 11.1.2.0 von JDeveloper und ADF (Oracle Application Development Framework) frei. In den Release Notes auf der Downloadseite (Registerkarte „overview“) werden insgesamt fünf neue „primary themes“ genannt. Ein bisschen wenig? Weiter oben ist immerhin von einem „major, feature-bearing release“ die Rede. Ein Klick auf die sich weiter unten befindlichen Links offenbart aber den ganzen Umfang der Neuversion. Insgesamt sind es über 100 neue bzw. verbesserte Features in der neuen Version (neben Fixes für über 700 von Kunden gemeldeten Bugs). Grund genug, das Releases eines genaueren Blicks zu würdigen.

Die bereits erwähnten fünf vorrangigen Themen beschreiben die Schwerpunkte. Anteilig spielt OSGi dabei die größte Rolle. Die Ausnutzung der Vorteile von OSGi für das „JDeveloper Extension Framework“ (JEF) hat zur Folge, dass Extensions nur dann geladen werden, wenn sie benötigt werden. Die Startzeit wird dadurch verkürzt. Wie groß der Anteil von JEF beim JDeveloper ist, merkt man bei dessen Start. Die erste Hälfte des Fortschrittbalkens läuft unter der Überschrift „Registering Extensions“, gefolgt von „Initializing Extensions“ über fast die gesamte restliche Zeit. Insgesamt ist die Startzeit im Vergleich zur Version 11.1.1.4 auf ein Sechstel verkürzt. Während des Starts wird das Laden der jeweiligen Extension angezeigt.

Die drei verbliebenen Themen kündigen an, dass zukünftig Maven 2 von der IDE unterstützt wird und dass IDE und ADF-Anwendungen ab jetzt JSF 2.0 befähigt sind. Schließlich wird der ADF Skin Editor avisiert, der es erlaubt, das Aussehen von ADF-Anwendungen visuell anzupassen.

Naturgemäß macht ADF circa die Hälfte der mehr als 100 Features aus. Fast jeder ADF-Bereich hat etwas zu bieten. Hier einige Beispiele:

Neu im Bereich „ADF DVT Design-time“ ist die Möglichkeit, Page Templates zu schachteln. Die Limitierung, nur ein Template verwenden zu können, ist damit Vergangenheit. Wenn man aus der Component Palette das Tag „template“ in die Seite zieht, bekommt man die Auswahl zwischen zwei Templates, die von Oracle vordefiniert sind.

Was bei JSF 2.0 möglich ist, geht jetzt auch mit „ADF DVT Runtime“: Facelets. Zur Definition der Tag-Libraries wird der „Create Facelets Tag Library Wizard“ aufgerufen. Unter Wizard darf man nicht zu viel erwarten. Die Verbesserungen bei der DVT Runtime sind umfangreich.

Änderungen bei den „ADF Business Components“ machten bislang ein Neustart des Integrated Servers notwendig, um sie im Client mitzubekommen. Mit dem „Hot Reload“ werden die Änderungen jetzt ohne Neustart wirksam, was den Entwicklungsprozess für die ADF BCs beschleunigt.

Jenseits von ADF findet man neue oder verbesserte Merkmale für das Entwickeln im Team (Team Development), für die Entwicklung von Web Services (REST) und XML-Strukturen. Entwickelt man gegen eine SQL-Server-Datenbank, kann man jetzt auch BLOB- und CLOB-Datentypen verwenden. Die IDE zeigt an vielen Stellen kleine Verbesserungen, die das Arbeiten mit dem Tool erleichtern. Beispielsweise wird das beginnende und schließende Tag in einer JSP-Datei unterlegt, wenn man eines der beiden auswählt. In der Menüleiste des Editors findet man nun einen Button „Show Block Coloring“. Drückt man diesen, werden die einzelnen Blöcke farblich gegeneinander abgehoben. Mit diesen kleinen Helfern wird die Navigation im Code wesentlich einfacher.

Im Help Center, das mit dem JDeveloper startet, findet man weitere Einzelheiten für die meisten Features, wenn man nach dem entsprechenden Stichwort sucht. Diese Unterstützung benötigt man auch, weil die Beschreibungen der Merkmale auf der eingangs beschriebenen Lokation öfter etwas kurz ausfallen. Eine ausführlichere Zusammenfassung wäre wünschenswert gewesen. Oracle fordert zum Feedback im Forum: „JDeveloper and ADF“ auf. Das wäre ein Hinweis für das nächste Major Release.

Martin Künkele ist Inhaber der Firma SMK Software Management Kommunikation GmbH. Mit seiner Firma entwickelt er Systeme für eBusiness auf der Basis der Fusion Middleware Produkte. Er arbeitet als IT-Projektmanager und Coach. Er ist ein Verfechter agiler Methoden.
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