Was Entwickler motiviert – Tipp: Geld ist es nicht…

Hartmut Schlosser
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Hat Ihr Chef Sie schon einmal dadurch zu motivieren versucht, dass er Ihnen Bonus-Zahlungen versprochen hat, wenn Sie das Projekt bis zum Zeitpunkt X fertig haben? Und haben Sie es dann zum Termin X tatsächlich geschafft? Nicht so wirklich? Dann lesen Sie weiter!

Wer an solche finanzielle Anreize glaubt, den wird die wissenschaftlich belegte Erkenntnis überraschen, dass eine Leistungssteigerung über Bonus-Versprechungen nur sehr bedingt zu erzielen ist. Im Normalfall funktioniert Arbeitsmotivation ganz anders.

Was Entwickler motiviert

An verschiedenen Orten durchgeführte Studien haben gezeigt, dass nur für sehr mechanische, monotone – sagen wir ruhig: für langweile Jobs die Aussicht auf mehr Geld leistungssteigernd wirkt. Sobald aber kognitive Elemente – sprich Hirnarbeit – wesentlich zur Arbeit dazugehören, wirkt die Inaussichtstellung von Geldboni sogar leistungshemmend.

Daniel Pink berichtet von diesem Phänomen in einem wirklich sehenswerten Video, das jedem 10 Minuten wert sein sollte (siehe unten). Pink spricht von drei Faktoren, die die Arbeitsmotivation steigern und darüberhinaus noch den Effekt haben, dass die Arbeit auch wirklich Spaß macht:

  • Autonomie – statt fremdbestimmt seine tägliche Bugliste abzuarbeiten, ist selbstbestimmtes Arbeiten weitaus nachhaltiger
  • Meisterschaft – bezeichnet das Streben, in etwas besser zu werden
  • Übergeordneter Zweck – wenn die Arbeit einem inspirierenden, übergeordneten Ziel dient, wird sie als sinnstiftend empfunden

Autonomie: Kleine agile, stelbstbestimmte Teams, die beispielsweise nach dem Kanban-Prinzip arbeiten, motivieren aufgrund der Schlüsselerkenntnis: „Ich kann ja endlich tun, was ist eigentlich will, wofür ich eigentlich studiert habe, worin ich mich wohl und gut fühle.“

Meisterschaft: Gitarre spielen macht Spaß – und nicht zuletzt deshalb, weil es befriedigend ist zu sehen, wie man immer besser darin wird. Aus demselben Grund beschäftigen sich gut bezahlte Leute in ihrer Freizeit mit Apache-Projekten, Eclipse, Linux oder Wikipedia.

Einen übergeordneten Zweck zu finden, scheint in der IT-Welt schon etwas schwieriger. Doch beim genauen Hinschauen gibt es durchaus so eine Einstellung wie: Ich arbeite mit Java, weil ich den Open-Source-Geist mag. Skype will die Welt zu einem besseren Platz machen, indem es die Kommunikation vereinfacht. Und dann Steve Jobs‘ berühmte Aussage: „I want to put a Ding in the universe“ – Ich will in der Welt irgenwie etwas bewegen!

Hier das Video mit Daniel Pink (leider mit Werbeeinblendung, aber allein schon wegen der Aufmachung sehenswert):

Kreativarbeiter oder Kodieräffchen – Motiviert Sie Ihre Arbeit?

Der springende Punkt ist also, dass Motivation unter Umständen ganz anders als pekuniär zu erzielen ist. Man könnte hier sicherlich noch weitere Motivationsschrauben aufzählen, die nicht finanzieller Natur sind:

  • Gute Team-Kommunikation
  • Arbeiten an den neuesten Technologien
  • Internationales Umfeld
  • Sprechen auf Konferenzen
  • Freiraum für das Schreiben von Blog-Posts
  • etc.

Statt Innovationsbriefkästen aufzustellen und Boni für gute Ideen zu zahlen, gehen Unternehmen beispielsweise dazu über, den Entwicklern einige Stunden Arbeitszeit für beliebige Projekte zu gewähren. So kommen Ideen und Verbesserungen zum Vorschein, die sonst sehr wahrscheinlich unter den Tisch gefallen wären.

Natürlich sind solche psychologischen Betrachtungen nie absolut und bieten durchaus Raum für Diskussionen. Interessierte Leser finden in der Maslowsche Bedürfnishierarchie, bei der die Selbstverwirklichung an oberster Stelle steht, und in der Selbstbestimmungstheorie der Motivation von Edward L. Deci und Richard M. Ryan weiteres Lesefutter. Psychologische Betrachtungen für Team-Leiter stellt zudem Martin Anderson in seinem Blog-Post „Psychology for Technical Leaders“ an.

Wir wollen hier aber einmal die These von Daniel Pink zur Diskussion stellen:

Geldversprechungen wirken nur dann leistungsfördernd, wenn die Arbeit monoton, verordnet, mechanisch, wenig anspruchsvoll – kurz: nicht unbedingt erfüllend ist. Ein gutes Gehalt zu zahlen ist deshalb wichtig, um die Geldfrage ein für alle Mal ausgeräumt zu haben (schlechte Gehälter können nämlich schon die Motivation hemmen). So werden die Voraussetzung für echt motivierende Faktoren geschaffen: Autonomie, Meisterschaft und Inspiration.

Fragt sich nun, ob Ihr IT-Job zu den monotonen oder den kognitiv anspruchsvollen gehört. Wodurch lassen Sie sich motivieren?

Aufmacherbild: Motivation von Shutterstock / Urheberrecht: Dooder

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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