Warum Programmieren keinen Spaß macht

Hartmut Schlosser

„I used to love programming until it became my job.“ – Das ist eine von vielen ernüchternden Aussagen zum Lebensalltag des professionellen Programmierers, die in dem Blogeintrag „Programming is not Fun“ gesammelt wurden. Einige dort erwähnten Schattenseiten des Entwicklerdaseins:

  • Die meisten Programme sind langweilig:

    Trotz der vielen interessanten Dinge, die man während des Studiums lernt, besteht der Entwickleralltag später aus so trögen Aufgaben wie Datenbank-Pflege, das Schreiben von Verbindungscode zwischen Modulen/Komponenten, das Übertragen von Daten von einem Ort zum nächsten etc.

  • Immer dieselben Aufgaben:

    Die meisten Programmierer verbringen ihre Zeit mit der Pflege existierender Programme. „Neue“ Programme sind meist nur Neuauflagen existierender Software, die an neue Betriebssysteme, Programmiersprachen, Infrastrukturen etc. angepasst werden müssen.

  • Das Fehlen eines Entwickler-spezifischen Karrierewegs:

    Programmieren wird von vielen Managern als „niedere Arbeit“ betrachtet, die von Einsteigerpersonal verrichtet werden kann. Von erfahrenen Entwicklern wird erwartet, dass sie über kurz oder lang in die Rolle des Architekten oder des Managers wechseln – wo sie dann wenig mit tatsächlichem Entwickeln zu tun haben.

  • Kunden und Manager fordern Unrealistisches:

    „Schneller, besser, billiger“ soll alles gehen. Wenn man als Entwickler sagt, wie lang es wirklich dauern, wie viel es wirklich kosten wird, bekommt man starke Widerstände zu spüren. Und wenn die unrealistischen Zeit- und Kostenpläne nicht eingehalten werden, ist man als Entwickler der Schuldtragende.

  • Isolation:

    Die meisten Entwickler arbeiten immer noch alleine – Einsamkeit, Kommunikationsdefizit, Fehlen von Austausch- und Review-Möglichkeiten können die Folge sein.

  • Keine Freizeit:

    Üblicherweise arbeiten Programmierer mehr als 40 Stunden die Woche. Erwartet wird außerdem, dass man sich in seiner „Freizeit“ weiterbildet. Richtige Freizeit kommt dabei zu kurz.

  • Fehlende Anerkennung:

    Anerkennung erhält man als Entwickler nur von Entwickler-Kollegen oder allenfalls von unmittelbar mit dem Projekt betrauten Managern. Alle anderen verstehen nicht die Schwierigkeit der gelösten Aufgabe oder kennen einen nur als „den Programmierer, der wieder einmal einen Bug in die Software gebaut hat“.

  • Gefühl der Nutzlosigkeit:

    Wie oft kommt es vor, dass das gerade mit viel Schweiß und Tränen entwickelte System spontan durch etwas anderes ersetzt wird? Als Entwickler bekommt man das Gefühl, dass die monatelange Arbeit einfach umsonst gewesen ist.

Das Fazit: Programmieren ist eine Berufung fast schon wie der Militärdienst oder das Priesteramt, dem man sein ganzes Leben widmen muss. Wer nur Spaß daran hat, gelegentlich etwas für sich zu programmieren, der läuft Gefahr, am Alltag des professionellen Entwicklers zu zerbrechen.

Spaßbremse oder Strukturproblem?

„Ich habe immer gerne programmiert – bis Programmieren zu meinem Job wurde.“ Stellt sich die Frage, ob der Blog nichts weiter ist als eine Auflistung von Spaßbremsen oder ob er Ausdruck eines Leidensdrucks ist, der durch strukturelle Probleme eines ganzen Entwickler-Berufsstands hervorgerufen wird.

Wenn man diese zweite Option ernst nimmt und einige Probleme identifiziert hat, könnte man sich im nächsten Schritt Gedanken darüber machen, wie die Misstände behoben werden können – etwa durch eine agile Entwicklungsweise, die den Menschen wieder in den Vordergrund stellt?

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Hartmut Schlosser
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