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Warum Microsoft LinkedIn gekauft hat

Melanie Feldmann

© Shutterstock / Evan Lorne

Vergangene Woche gab Microsoft bekannt, das Karrierenetzwerk LinkedIn für 26 Milliarden US-Dollar kaufen zu wollen. Der teure Deal passt gut in Microsofts Strategie für Business-Anwendungen von Kommunikation bis Kollaboration der Anbieter erster Wahl zu sein. Auch LinkedIns Open-Source-Projekte passen dazu.

Der erste Kritikpunkt am Microsoft/LinkedIn-Deal war der hohe Preis. Viele Analysten hielten ihn schlicht für vollkommen überzogen. Microsoft will 196 US-Dollar pro Aktie zahlen. Am Tag der Verkündung lag die Aktie von LinkedIn aber lediglich bei rund 118 US-Dollar. Danach erst sprang sie auf rund 170 US-Dollar. Auf diesem Level hielt sie sich die gesamte vergangene Woche. Auf den ersten Blick also eine recht große Diskrepanz. Doch auch wenn 26 Milliarden US-Dollar eine riesen Summe ist und für Microsoft selbst der Kauf von LinkedIn der größte Deal der Firmengeschäfte ist, kann das Unternehmen eine solche Summe recht einfach stemmen. Microsofts liquide Mittel belaufen sich auf rund 100 Milliarden US-Dollar. Dementsprechend gelassen reagierten auch die Anleger auf den teuren Deal. Der Aktienkurs bewegt sich seit der Kaufankündigung mit minimalen Schwankungen um 50 US-Dollar.

Das Microsoft-Business-Paket

Der hohe Preis könnte sich lohnen, wenn Microsoft mehr macht als LinkedIn als Werbeschleuder zu missbrauchen. Natürlich sind die Millionen an Nutzerdaten hilfreich für gezielte Werbe- und Marketingaktionen. Dafür allein würde sich der hoher Kaufpreis aber nicht rechnen. Microsoft scheint viel eher dahin zu steuern, ein Ökosystem anzubieten, dass aus der Geschäftswelt nicht mehr wegzudenken sein soll. Schon mit der Akquisition von Skype wurde klar (2011), dass Microsoft mehr auf Kollaboration und Kommunikation setzt. Ein E-Mail-Client alleine reicht heute nicht mehr aus. Die steilen Wachstumsraten von beispielsweise Slack zeigen an, wohin die Kommunikation geht: Richtung Chat. 2015 kam beispielsweise auch das deutsche Unternehmen 6Wunderkinder mit ihrer Software Wunderlist hinzu. Ein Tool für To-Do-Listen, das sich ebenfalls gut in das Ökosystem eines Rund-um-Sorglos-Pakets für Geschäfts-Software einfügt. Und nun eben LinkedIn. Die Vorstellung, dass sowohl Office365 als auch Skype bald eng mit dem Karrierenetzwerk verzahnt werden, ist nicht abwegig: Bei Vorbereitung für ein Meeting in Outlook mit einem Klick den geschäftlichen Lebenslauf eines Kunden ansehen, bei Skype sind alle Kontakte automatisch mit dem Netzwerk synchronisiert. Und was Microsoft mit seinen Machine Learning Tools wahrscheinlich alles aus den LinkedIn-Daten lernen kann, kann man sich kaum vorstellen. Josh Bernoff, Vice President bei Forrester Research, bringt es auf den Punkt:

Microsoft will know everything you do at work. As a result, it will dominate with B2B sellers.

Open Source bei Microsoft?

Was bedeutet der Kauf für die Open-Source-Bemühungen von LinkedIn? Dass Microsoft die OSS-Projekte von LinkedIn stoppen wird, ist unwahrscheinlich. Immerhin geht auch das Redmonder Unternehmen immer mehr in Richtung Open Source. Deutlichstes Beispiel ist hier das Öffentlich-machen der .NET-Plattform. Außerdem soll LinkedIn unter gleicher Führung und gleichem Namen weitergeführt werden. Jeff Weiner wird CEO von LinkedIn bleiben. Er berichtet direkt an Satya Nadella, CEO von Microsoft. Auch das zeigt, dass der Kurs von LinkedIn sich nicht radikal ändern soll. Auch die Tools an sich sprechen für ein Fortführen der Open-Source-Strategie. Die Big-Data-Werkzeuge und ihr entsprechendes Know-how ist für Microsoft ebenso wertvoll wie die Daten des Netzwerks selbst. Die Tools nicht mehr zu unterstützen wäre dementsprechend kontraproduktiv.

Aufmacherbild: Linkedin.com homepage von Shutterstock / Urheberrecht: Evan Lorne

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Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
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