Warum Ihr beim Programmieren Musik hören solltet – (und welche gut geeignet ist)

Hartmut Schlosser
©Shutterstock/Ollyy

Jetzt wird es philosophisch: Was ist die beste Musik für’s Programmieren? Was sich wie eine vorzügliche Freitagskaffeedebatte anhört, hat durchaus ernste Hintergründe. Denn wahrscheinlich kennt jeder von Euch den Zustand des Flows, in den man als Entwickler manchmal gerät – ein Zustand, in dem man alles ausblendet und zu 100% beim Code ist. Wenn es einfach läuft und man die Konzentration unbeirrt auf das Programmier-Problem fokussieren kann, bis man es erledigt hat.

Victory!

Musik und der Entwickler-Flow

Was das mit Musik zu tun hat?

Nun, psychologische Studien haben ergeben, dass man durch Musik schneller in einen Flow gerät. Bestimmte Musik zumindest. Auch hilft Musik dabei, irritierende Geräusche wie Telefone, quietschende Stühle oder das Husten des Kollegen auszublenden, die einen normalerweise aus dem Flow reißen würden.

So hat beispielsweise Entwickler Rob Walling es in einem Selbstversuch geschafft, sich mit Musik so zu konditionieren, dass er schnell in den erwünschten Flow-Zustand kommt: Er hat sich beim Programmieren stundenlang mit ein und demselbe Musik-Track berieseln lassen, bis der Flow da war. Nach dieser Konditionierung hat der Track Walling fast unmittelbar in den Flow-Zustand versetzt.

Music and Coding

Sam Howard hat dem Thema „Music and Coding“ eine Blogserie gewidmet, in der er weitere Gründe anführt, warum man als Entwickler Musik hören sollte:

  • Als Entwickler hat man es nicht immer mit kniffligen Problemen zu tun. Manchmal geht es auch darum, repetitive Aufgaben zu übernehmen, die einen eher langweilen – Testen zum Beispiel. Musik kann dann helfen, das Gehirn aktiv zu halten, anstatt völlig abzuschalten.
  • Musik kann motivierend wirken und den Entwickler in einen bestimmten Zustand versetzen. Wer epische Soundtracks hört, kommt vielleicht in die Stimmung, selbst etwas Großes zu programmieren. Wer gestresst ist, kann sich durch Debussys impressionistische Klänge beruhigen lassen. Müdigkeit wird durch schnelle Gitarren – und natürlich Kaffee – bekämpft.
  • Die Kopfhörer auf dem Ohr halten deine Kollegen davon ab, dich ständig wegen Kleinigkeiten anzuquatschen. Man sollte sich natürlich nicht immer hermetisch von der Außenwelt abriegeln. Doch Arbeitsphasen, in denen man ungestört an seinem Programmierproblem bleiben muss, gibt es immer wieder.

Bleibt die Frage nach der Art der Musik, die dem Programmieren förderlich ist.

Musik ist nicht gleich Musik

Zunächst muss klar sein: Musik kann auch eine Ablenkung bedeuten. Wer etwa Radio hört und immer seine Lieblings-Top-Ten-Hits mitträllert, hat vermutlich wenig positive Effekte durch Musik auf seine Arbeit – ganz zu schweigen von der Ablenkung durch Radio-Werbung, Nachrichten oder spannende Reportagen.

Sam Howard erwägt, inwiefern bekannte Liedtexte kontraproduktiv sein können. Das Gehirn springt zum Text über und man ist aus dem Flow. Auch Podcasts wären in diesem Sinne kritisch. Die Lösung: Einfach Musik ohne Gesang hören – oder Songs, deren Sprache man nicht bzw. nicht gut beherrscht?

Instrumentalmusik wie Klassik, Elektro, Latin Jazz, etc. eignen sich auch, um in einen Flow-Zustand zu kommen bzw. darin zu bleiben. Insbesondere sind einige Film-Soundtracks geradezu darauf ausgelegt, nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sondern die Bilder zu unterstützen – und warum nicht das Programmieren? Die Repetition zum Prinzip erhoben hat die Minimal-Musik, beispielsweise verkörpert durch Steve Reich.

Your turn!

Doch steht am Ende dann doch wieder das subjektive Empfinden. Denn zum einen wirkt Musik nicht bei jedem gleich, zum anderen kommt hier der individuelle Musik-Geschmack ins Spiel. Und damit ist die Freitagsdebatte endgültig eröffnet: Welche Musik funktioniert bei Euch gut, welche weniger gut beim Programmieren? Anregung könnt Ihr Euch bei einem Thread auf reddit holen, in dem auf die Frage „Best background music for programming?“ schon 1015 Kommantare erfolgt sind.

Welche Musik hört Ihr am liebsten beim Coden?

Aufmacherbild: Black girl listening to the music with a pair of headphones von Shutterstock / Urheberrecht: Ollyy

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
Kommentare

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22 Kommentare auf "Warum Ihr beim Programmieren Musik hören solltet – (und welche gut geeignet ist)"

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Andreas Korzinowski
Gast

Macht doch mal eine Umfrage draus! Wäre interessant wie viel Prozent bei Heavy Metall abschalten können, und wer dabei deutschen Schlager hört.

Für mich die ultimative Musik für den Flow ist Cafe del Mar – Chillout-Musik und monotonen immer wiederholten Textpassagen.

schneeland
Gast

In der Tat eignen sich (subjektiv) Ambient/Depressive Black Metal und Doom Metal sehr gut zum Programmieren. Wobei ich für maximale Konzentration (knifflige Optimierungsprobleme, Überlegungen zur Architektur, UI/UX Design) absolute Ruhe vorziehe – im Zweifelsfall im Homeoffice.

hschlosser
Gast

Danke für die Anregung! Umfrage folgt – demnächst auf diesem Kanal 😉

Ravetracer
Gast

Mir hilft vor allem elektronische Musik mit gleichbleibenden Rhythmen und Melodien und am besten ohne „Breaks“. Etwas schnell aber effektiv war bei mir Goa, Psychedelic Trance, weil es hypnotische Rhythmen beinhaltet.
Auch läuft es mit Acid (aus den 90ern oder ganz neue Sachen von Hardfloor etc.) sehr gut, da die Wechsel der 303-Filter meistens fließend und nicht ruckartig sind.

Weiterhin finde ich Liquid-Drum’n’Bass sehr motivierend, da auch hier die Melodien und Rhythmen keine harten Änderungen beinhalten, sondern, wie der Name schon sagt, fließend ineinander übergehen.

Gruß,
Christian

Det
Gast

Ich habe mir dazu zwei, drei Tracks aus einer CD mit Soundtrack einer Vorstellung des Planetariums Bochum zusammegestellt.

Die unbewusste Assoziation der Sounds mit dem damaligen Erlebnis der Space-Show erzeugt bei mir recht schnell den Flow.

Perfetti
Gast

Nun – mit Jazzmusik z. B. vom Tord Gustavsen Quartett oder von Nils Petter Molvaer lässt sich recht gut programmieren.

Donngal
Gast

Ich code am besten zu (Electronic) Swing. Big Bands, Einzekünstler, DJs, hauptsache es swingt.

Ralf Eggert
Gast

Also ich höre immer Musik beim Entwickeln. Mache das schon seit Jahren, nachdem ich gemerkt habe, dass es sogar meine Produktivität steigert. Ich passe die Musik dann meiner Stimmung an, aber auch der aktuellen Aufgabe, der ich mich widme. Wenn ich unter Zeitdruck bin und es schnell gehen muss, hol ich auch schon mal Green Day oder die Ärzte raus. Normal ist es oft Lounge oder Chill-Out Musik. Kann aber auch mal 80er oder Querbeet sein. Habe gemerkt, dass ich nerviges Refaktoring am besten mit Old-School Hip Hop erledigen kann… 😉

Rotor
Gast
P. Huber
Gast

Hat schon jemand mit binaural beats experimentiert?

Dachande
Gast

Psytrance funktioniert am Besten bei mir. Den Flow, den man dadurch erreicht, ähnelt schon in gewisser Weise einer Trance.

Vitalij Mik
Gast

https://www.youtube.com/watch?v=Ek5u5jl7Ads damit kann man schon sich wunderbar in trance versetzen und entwickeln

Fab
Gast
Also bei mir ist das ganz klar Deep/Tech-House. Zu den BPM zu denen ich stundenlang tanzen kann, kann ich auch stundenlang programmieren. In meinen Flow komme ich inzwischen von einer Minute zur anderen. Wenn es dann auch noch ein Set ist bei dem ich sogar anwesend war, komme ich da garnicht mehr richtig raus. Dann ist es einfach die Müdigkeit, welche oft auch schnell kommt. Darum mache ich regelmäßige Pausen, dabei merke ich aber oft, dass ich gedanklich immer noch bei dem Problem hänge. Hat also für mich ganz klar gleichzeitig Vor- und Nachteile, denn nicht nur gute und kreative… Read more »
Per S
Gast

Am liebsten höre ich als Anfänger beim programmieren Medtitationsmusik und summer-/rock-chillOut (Listen bei Spotify). Auf jeden Fall aber ohne Text!

Christian W.
Gast

Bei mir ist’s entweder 70’er Classic/Hard Rock mit einem Tick Metal dazwischen oder die Nature & Relaxation Channels von sky.fm

Peter Müller
Gast

Da gibt es nur eine Wahl: Cypress Hill

hschlosser
Gast

Hier gibt es jetzt übrigens das Quickvote zum Thema:

Welche Musik bevorzugt Ihr beim Programmieren?

http://jaxenter.de/polls/musik-beim-programmieren-175502

#vote

Stephan
Gast

Die Filmmusik von Altmeister John Williams ist meine Empfehlung, insbesondere die Soundtracks zu den Indiana Jones Filmen.
Ähnlich gut sind auch die Soundtracks zu „The Last Samurai“ von Hans Zimmer oder „Percy Jackson: Sea of Monsters“, von Andrew Lockington.
Vielleicht auch noch „The Time Machine“ von Klaus Badelt.

Alle haben wiederkehrenden Elemente durch die man auch nach einer Störung schnell wieder „zurück findet“ und sich wieder besser konzentrieren kann.

Nach dem zwanzigsten Telefonat, dass dann den allerletzten Rest des „Flows“ kaputt macht, empfehle ich dann aber doch den Titel „Louder Than Words“ von Les Friction, sinnvollerweise mit Kopfhörern auch höchster Lautstärke.

Gunther Klein
Gast

Ich höre hauptsächlich elektronische Musik, meist Mixes und Podcasts, optimalerweise ohne Kommentare. Sehr gut in dem Zusammenhang: http://musicforprogramming.net/

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Gast

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