Warum Entwickler so viel verdienen

Astrid Wagner

Dass Googles und Facebooks Software-Architekten im Schnitt nicht schlecht verdienen, ist kein Geheimnis. So liegt der Durchschnittslohn Glassdoor zufolge bei 125.000 Dollar im Jahr und entspricht damit fast dem dreifachen Gehalt eines Lehrers in den USA. Nicht enthalten in diesem Wert sind Bonuszahlungen und Vergütungen, die zusätzlich zu den 125.000 Dollar Jahresgehalt an die Entwickler gezahlt werden. Auch Yahoo! zahlt sechstellige Beträge an seine Entwickler, denn gute Entwickler sind schwer zu finden und trotz steigendem Bedarf werden nicht genügend Fachkräfte an den Universitäten ausgebildet. So strömen trotz der hohen Löhne weder einheimische Kräfte in die Branche noch sorgen Entwickler aus Billiglohnländern wie Brasilien oder Indien mit zahlreichen talentierten Entwicklern für eine größere Konkurrenz. Doch warum ist das so?

Theoretisch kann jeder mit Zugang zu einem halbwegs gescheiten Computer programmieren, da die Entwickler-Software immer verständlicher wird und leicht zugänglich sind. Auch Internettelefonie und Instant Messaging überwinden Hürden in der Zusammenarbeit mit anderen Entwicklern und ermöglichen den Aufbau eines weltweiten Netzwerkes.

Das Problem liegt woanders, wie John Evans herausstellt. So ist neben dem nötigen Interesse Ausdauer und insbesondere Talent entscheidend für den Erfolg. Genau hieran mangelt es Evans zufolge allerdings vielen Studienanfängern. Die Zahlen amerikanischer Universitäten scheinen Evans in diesem Punkt recht zu geben, denn ganze 30 bis 60 Prozent der Studienanfänger bestehen bereits die ersten Programmierkurse nicht. Zwar können Grundkenntnisse auch in Heimarbeit erlernt werden, doch um das Programmieren wirklich zu beherrschen, ist jahrelanges Training und eine gezielte Anleitung notwendig. Eine solide Ausbildung und jahrelange Übung sind daher nicht nur wichtig, sondern unumgehbar.

Doch gerade die Hürde vom einfachen Entwickler zum C-, B- oder gar A-List-Fachmann scheint die schwerste von allen zu sein. Evans geht davon aus, dass hier insbesondere diejenigen scheitern, die sich von den hohen Löhnen in das Programmiergeschäft locken lassen haben, denn sie sind Evans zufolge nur in den wenigsten Fällen dazu bereit, die mit dem Beruf verbundene Arbeit zu investieren und neue Herausforderungen zur eigenen Weiterbildung und Weiterentwicklung zu nutzen. Stattdessen ruhen sich die meisten Entwickler dieser Sorte auf dem bisher Erreichten aus.

Auch Ehrgeiz und Talent allein reichen nicht aus. Denn häufig ist es gerade für Menschen aus ärmeren Ländern trotz des nötigen Talents kaum möglich, einen Einstieg ins Geschäft zu finden. Dies liegt unter anderem daran, dass die lukrativen Gehälter erst ab einem gewissen Level gezahlt werden und zuvor viel Arbeit investiert werden muss, die nicht mit einem entsprechenden Gehalt entlohnt wird. John Evans schlussfolgert hieraus, dass die Zahl guter Programmierer erst zunehmen wird, wenn das Armenproblem der Welt gelöst ist und jeder Entwickler unabhängig vom persönlichen Wohlstand die gleichen Chancen auf dem Markt hat.

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Astrid Wagner
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