Wertschöpfung durch IT?

Warum die IT nicht ohne das Business und das Business nicht ohne IT auskommen kann

Wolfgang Boelmann

Heiter bis wolkig mit Aussicht auf Kostensenkung. Glaubt man den Protagonisten auf Seiten der Cloud-Computing-Anbieter, dann wird sich ein lang gehegter Wunsch beziehungsweise Traum von der IT aus der Steckdose in Zukunft mühelos realisieren lassen. Steigt der Bedarf eines Geschäftsbereichs nach weiteren Serviceleistungen, öffnet die IT die Tore zur Cloud und lässt den Service herein. IT wird zum Torwächter.

Es hat den Anschein, dass sich die These von Nicholas G. Carr bewahrheitet, im Bereich der Informationstechnik werde sich etwas Ähnliches vollziehen wie schon zuvor im Bereich der Mechanisierung, der Elektrifizierung, der Kommunikation und des Transportwesens, nämlich dass die damit verbundenen Produkte zu einem allgemeinen Gebrauchsgut (Commodity) werden und ihre Nutzung den Unternehmen keinen ausschließlichen Wettbewerbsvorteil mehr bieten [1]. Zwar konnte inzwischen anhand verschiedener wissenschaftlicher Untersuchungen und Studien [2], [3] nachgewiesen werden, dass der Einsatz von IT spür- und nachweisbare positive Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg hat und durchaus auf der Basis grundlegender Technologieinnovationen als wichtige Einflussgröße für die Weiterentwicklung von Geschäftsstrategien gesehen werden kann, jedoch manövriert sich IT zunehmend in eine Rolle, nicht zuletzt durch den vermehrten Einsatz von Best-Practice-Rahmenwerken wie ITIL und Cobit, in der sie mehr als technikorientierter Servicedienstleister mit Status „Delivery Excellence“ [11] und nicht so sehr als Business-Enabler wahrgenommen wird.

Nun ist grundsätzlich nichts gegen den Einsatz von ITIL und Cobit einzuwenden, eine Verbesserung der Servicequalität führt schließlich unbestritten zu einer effizienteren und effektiveren Informationstechnik und damit zu einer Kostensenkung des IT-Betriebs. Auf dem Weg zur Delivery Excellence und der damit verbundenen Transparenz darf sie aber nicht vergessen, dass zwar ihr Ansehen im Unternehmen als zuverlässiger Servicepartner steigt, sie sich aber gleichzeitig der Austauschbarkeit und damit jedweder Sourcing-Gedanken preisgibt. Sie wird das Opfer ihrer eigenen Exellence-Bemühungen. So wird die Diskussion um den Wertbeitrag von IT durch sich verändernde geschäftsorientierte Rahmenbedingungen sowie insbesondere durch rapide technologische Veränderungen erneut angetrieben. Johannsen und Goeken [4]sprechen in diesem Zusammenhang von einem Business-Pull und einem Technology-Push als Triebfeder für den Veränderungsdruck (Abb. 1)

Abb. 1.: Der Business-Pull und Technology-Push nach Johannsen & Goeken
Geschrieben von
Wolfgang Boelmann
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