Jürgen Höller (SpringSource) auf der JAX 2013

Warten auf Java 8: Spring 4 ist bereit

Judith Lungstraß

Nur wenige Tage vor dem geplanten Erscheinungstermin der Developer Preview von Java 8 gab Oracle bekannt, dass diese nun doch erst ein knappes halbes Jahr später als geplant veröffentlicht werden soll. Die fertige Version kommt dann nicht wie ursprünglich angenommen im September 2013, sondern vermutlich im ersten Quartal 2014. Was bedeutet das für Projekte, die den Java-8-Support mit auf ihre Agenda geschrieben haben – wie beispielsweise Spring?

Während die Oracle-Mitarbeiter alle Hände voll zu tun hatten, Sicherheitslöcher stopften, Patch Releases an die Öffentlichkeit brachten und dadurch die Arbeit an Java 8 wohl etwas schleifen ließen (zumindest gab Mark Reinhold die „Security-Patches“ als einen der Gründe für die Verzögerungen im Projekt Lambda an), hat die restliche Entwickler-Welt nicht stillgestanden. Böse Zungen behaupten gar, dass einige Projekte schon besser auf Java 8 vorbereitet sind als Oracle selbst. Die im Dezember erschienene zwölfte Version von IntelliJ IDEA ist beispielsweise schon sehr weit, was den Java 8 Support angeht.

Und auch bei Spring hat man sich schon intensive Gedanken darüber gemacht, wie man die neuen Vorzeichen und Möglichkeiten von Java 8 einbringen möchte. Spring-Mitbegründer und -Kernentwickler Jürgen Höller kündigte auf der JAX 2013 an, dass die anstehende vierte Version des Spring Frameworks First-class Support für die Sprachkonventionen und API Features von Java 8 bereit stellen wird. Viele Spring APIs sind heiße Kandidaten für Lambda-Ausdrücke. Das längst überfällige und aus JSR-310 bekannte Date and Time API erweitert die Optionen zur Repräsentation von Datum- sowie Zeit-Typen um ausdrucksstärkere Methoden, und auch java.util Concurrency Updates sollen im 4.0 Release des Frameworks Berücksichtigung finden.

Spring-Mitbegründer Jürgen Höller über die neuste Version seines Frameworks

Schlüsseltechnologien aus Java EE 7 finden ebenfalls Eingang in Spring 4.0. Dazu gehört die mittlerweile schon seit einem ganzen Jahrzehnt erwartete Messaging-Spezifikation JMS 2.0. Leider schafft sie es Höller zufolge nicht wirklich, innovativ zu sein, sondern holt lediglich die ihr abhanden gekommenen zehn Jahre nach. Die Transaktions-Interaktionen aus JTA 1.2 gehören ebenso dazu wie das aus JPA 2.1 bekannte neue Konzept des Unsynchronized Persistence Context. Bean Validation 1.1 bietet in Spring 4.0 zum ersten Mal standardisierte Methoden, Pre- und Post-Conditions zu überprüfen. Außerdem sind Concurrency Utilities (JSR-236) und JCache (JSR-107) im anstehenden Release mit von der Partie.

Aber Spring 4.0 konzentriert sich nicht ausschließlich auf Java und die dazugehörige Enterprise Edition. So ist Groovy – Groovy 2, um genau zu sein – nun genauso wie Java ein „Bürger oberster Klasse“ und wird zur direkten, in gleichem Maße unterstützten Sprach-Alternative für klassische Spring-Anwendungen. Anknüpfend an herrschende Industrietrends und verschiedene Standardisierungsinitiativen wurden auch WebSockets zu einem der Schwerpunkte von Spring 4.0 befördert. Diese hält man jetzt nämlich endlich für ausgereift genug, um Einzug in Spring-basierte Anwendungen zu halten.

Was Oracle versäumt hat, möchte SpringSource und besonders Jürgen Höller nun besser machen: An der General Availability von Spring 4.0 im Oktober oder allerspätestens November diesen Jahres sei nicht mehr zu rütteln, versprach er zumindest den JAX-Besuchern. Und da Oracle eben nicht ganz so pünktlich war, arbeitet Spring 4.0 nicht wie geplant mit Java 8 selbst, sondern mit der bis dahin hoffentlich erschienenen Developer Preview – man tut, was man kann.

Aber zuerst ist einmal der erste Meilenstein des anstehenden Spring Major Release an der Reihe. Er basierte wiederum auf dem siebten Meilenstein des OpenJDK 8 und kann ab Anfang Mai von Entwicklern aus aller Welt ausprobiert werden.

Bis dahin dürften sie sich mit dem Framework auch bestens auskennen, liefert der Spring Day auf der JAX 2013 doch eine Fülle nützlicher Informationen. So sprach Martin Lippert über moderne Architektur mit Spring und JavaScript. Weiterhin steht eine Session über Spring Web Apps ohne XML von Mike Wiesner, ein Ratgeber zu den Vorteilen des Spring Frameworks von Michael Plöd und ein weiterer Vortrag von Jürgen Höller zum Thema modernes Komponentendesign mit Spring auf dem Tagesplan.

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Judith Lungstraß
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