JAX Blog: Tag 1

"Wait… that is possible on the web?"

Marc Teufel

Es ist JAX-Zeit, und ganz viele Leute tummeln sich wieder in der Rheingoldhalle. Es sind spürbar mehr Teilnehmer geworden, denn ganz deutlich fällt auf: Nicht nur die Räume, in denen die diesjährigen Hype-Themen wie JavaFX und HTML behandelt werden, waren und sind voll – auch die meisten anderen Räume sind sehr gut gefüllt, die Anzahl der leer bleibenden Stühle geht in jedem Fall sichtbar zurück. Da glaubt man Sebastian Meyen gerne, wenn er sagt, man stoße bald an die Kapazitätsgrenzen der Räumlichkeiten. Kein Wunder, die JAX ist nun mal die wichtige Java-Konferenz im deutschsprachigen Raum.

Für meinen ersten Tag hatte ich mich für einen Themen-Mix aus dem Bereich Software-Architektur und natürlich den schon genannten Hype-Themen entschieden. Sehr gut gefallen hat mir Eberhard Wolffs Beitrag zum Thema Analyse bestehender Software-Projekte. Neben grundlegenden und sinnvollen Tipps wie: „Benenne Deine Package-Struktur besser nach Fachlichkeit anstatt technischer Aspekte“ hat Eberhard auch sehr anschaulich erklärt, dass man durch Einsatz von Software-Analyse-Tools wie Sonar oder JDepend nicht nur die Software-Qualität an sich steigert, sondern damit auch implizit die Software-Architektur optimiert. Probleme gerade in Bezug auf Komplexität einer Software fallen so viel schneller auf und können behoben werden. Werkzeuge wie Structure 101 helfen außerdem, den Aufbau (fremder) Software-Projekte zu verstehen, indem Komplexität und prinzipieller Aufbau grafisch aufbereitet und angezeigt wird.

Am Ende steht und fällt die eine gute Software-Architektur jedoch mit der Fähigkeit des Architekten, die Dinge richtig abzuschätzen und vor allem mit dem Dialog zum Auftraggeber der Software (Fachabteilung, Kunde). Matthias Wittum hat in seiner Session „Architektur im Kleinen“ viele wichtige Hinweise gegeben, die aber offensichtlich immer wieder vergessen werden: Miteinander sprechen! Dem Kunden mitteilen, was man verstanden hat, sich gegenseitig synchronisieren, um Missverständnissen vorzubeugen. Und sicher hat Matthias auch Recht, wenn er rät: Leute, rennt nicht den aktuellsten Hypes hinterher, sondern nehmt die Bibliotheken und Frameworks, die zu Eurer Anforderung passen, aber bewertet diese bitte auch an ihrer Vitalität, nicht am Hype-Faktor.

Und dann waren da noch die Sessions rund um JavaFX und HTML5. Was für eine Schau! Claudia Fröhling hat in ihrem Beitrag bereits auf die Session von Karsten Lentzsch mit dem Titel „Geschäftsanwendungen mit JavaFX“ hingewiesen. Sehr mutig von Karsten, sich da vorne hinzustellen und JavaFX auch mal kritisch zu hinterfragen. So bemängelte Karsten, dass das Widget Set von JavaFX zur Zeit alles noch andere als „Rich“ sei, und überhaupt wären noch so viele Fehler darin enthalten, dass aus seiner Sicht die Aufnahme von JavaFX ins JDK 8 keine so allzu gute Idee sei. Seine Argumentation an dieser Stelle ist, dass einmal ins JDK aufgenommen, eine nachträgliche Änderung und Verbesserung der APIs nur eingeschränkt möglich ist. Alles in allem eine spannende und weitgehend gelungene Session – allerdings mit fadem Beigeschmack: Das Zeigen von Zitaten von Björn Müller während der Session wäre aus meiner Sicht viel spannender gewesen, wenn das vorher mit Björn abgesprochen worden wäre, oder er zumindest die Gelegenheit gehabt hätte, sich zu äußern. Die Diskussion wäre bestimmt spannend geworden.

Vermutlich eine der am besten besuchten Session am ersten Tag der JAX war „Wait… that is possible on the web?“ von Daniel Kurka. Diese Session war nicht nur ein optischer Hingucker, sondern auch ein Ohrenschmaus. War der Raum zunächst nur „normal“ befüllt, sprich alle Sitzplätze wurden belegt, strömten immer mehr Interessierte in den Raum und brachten Stühle von außen mit. Irgendwann war dann auch der Platz für Stühle erschöpft, aber der Strom an Interessierten riss einfach nicht ab. Am Ende war der komplette Raum dermaßen gut gefüllt, dass bis nach vorne zur Leinwand hin die Teilnehmer am Boden saßen.

Daniel spielte anschließend ein Quiz mit der Frage, was denn alles möglich ist mit HTML5 und JavaScript im Browser – wohlgemerkt ohne zusätzliche Plug-ins. Und es ist schon erstaunlich: Nebenläufigkeit ist mit WebWorkers kein Problem, ein (eingeschränkter) Zugriff auf das File-System des Clients ist möglich, Offline-Webanwendungen, Zugriff auf die Webcam und Audio. Bei letzterem hat Daniel dann eine Gitarre hervorgezaubert, diese an sein Notebook angeschlossen und zusammen mit den Teilnehmern ganz locker eine Jam-Session durchgezogen, gemixt wurde die Live-Musik von DJ Gerrit Grunwald direkt im Browser mit einer HTML5-Anwendung! Auf verblüffende Art und Weise hat Daniel auch gezeigt, wie schnell JavaScript im Browser tatsächlich sein kann: Bei Google hat man sich tatsächlich die Zeit genommen (für was die Google-Entwickler alles Zeit bekommen?), den Quake-2-Quelltext in HTML5 und JavaScript (mit Hilfe von GWT) zu konvertieren. Herausgekommen ist ein flüssig spielbares Quake 2. Das Ganze im Browser nur auf Basis von HTML 5 und JavaScript. Sicher war diese Session eine reine Fun-Session zum Ausklang des ersten JAX-Tages, trotzdem wurde hier auf wirklich beeindruckende Weise gezeigt, welche Stärken in HTML5 tatsächlich stecken.

Marc Teufel arbeitet als Software-Architekt bei der hama GmbH & Co und ist dort für die Entwicklung großer Java-Anwendungen im Logistikzentrum zuständig. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel zu Java und .NET, hat drei Bücher zu Web Services publiziert und spricht regelmäßig auf Fachkonferenzen.
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Marc Teufel
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