Ich freue mich schon auf die W-JAX, Sie auch?

W-JAX Blog: „Läuft und läuft und läuft: Java“

Sebastian Meyen

Wer mich fragt, welchen Schwerpunkt wir für die W-JAX in Planung haben, dem antworte ich für gewöhnlich, dass unsere JAX- und W-JAX-Konferenzen äußerst vielschichtige Gebilde sind, deren Programmvielfalt sich kaum auf einen einzigen Nenner bringen lässt. Im Gegenteil – unsere Konferenzen werden geschätzt für ihre Vielfalt, der aber letztendlich stets eine gesunde Kohärenz innewohnt. Doch lassen sich mich berichten, was uns – d.h. das Programmteam mit dem Advisory Board – derzeit bei der Vorbereitung so umtreibt.

Läuft und läuft und läuft: Java

Da wäre zum einen das klassische Java, die Technologie, in der gewissermaßen unsere Wurzeln liegen. Unter dem Stichwort „Java Core“ fassen wir alles Wissenswerte zu Java 8, der Java Virtual Machine, Ausblicke auf die nächste Generation von Java und jede Menge Praxistipps für die Arbeit mit und auf der Plattform zusammen.

Wer sich an die JAX-Keynote von Brian Goetz – verantwortlicher Architekt der Java-Programmiersprache – aus dem letzten Jahr erinnert, hat vielleicht noch einen seiner Schlüsselsätze im Ohr: „Es ist nicht unsere Aufgabe, cool zu sein; das überlassen wir gerne den anderen“.

Brian erklärte, wie die Weiterentwicklung Javas stets mit dem Blick auf die weltweit 9 Millionen Java-Entwickler geplant werde, die von der Plattform in erster Linie Stabilität und Robustheit erwarten. Was Brian und sein Team sehr erfolgreich betreiben, ist das Beobachten der einflussreichen Trends und das Aufgreifen der besten Ideen und deren Implementierung im nächsten Java.

Damit gehen sie bewusst das Risiko ein, nicht unbedingt als Innovationstreiber wahrgenommen zu werden, stellen aber sicher, dass nicht unausgegorene Konzepte in die für so viele Unternehmen essenzielle Plattform übernommen werden. So betrachtet ist Java dann doch wieder cool .

API Summit 2018
Christian Schwendtner

GraphQL – A query language for your API

mit Christian Schwendtner (PROGRAMMIERFABRIK)

Wie geht’s weiter mit Java EE?

Mit dem Java EE Day beleuchten wir einen weiteren Aspekt der Java-Technologie. Obwohl auch hier in den vergangenen Jahren viel wertvolle Weiterentwicklung zu verzeichnen war, haftet der Java Enterprise Edition noch immer der Ruf an, schwerfällig und unproduktiv zu sein. Wer sich aber mit den aktuellen Versionen ernsthaft beschäftigt, erkennt, dass man damit recht zielgerichtet und produktiv schlanke Systeme bauen kann. Nicht wenige Experten zeigen auf der W-JAX, wie es sich mit der aktuellen Java-EE-Plattform in realen Projekten verhält, und welche Chancen und Möglichkeiten sie bereit stellt.

Dennoch sind in letzter Zeit einige dunkle Wolken über Java EE aufgezogen und die Java-Enterprise-Gemeinde fragt sich, ob Oracle sein Interesse an der Edition verloren hat. Seit etlichen Monaten wird aufmerksam registriert, dass einige JSRs, die wichtig für die Weiterentwicklung der Java EE sind, faktisch zum Stillstand gekommen sind.

So hat sich eine Gruppe von Java-Enterprise-Enthusiasten unter dem Namen „Java EE Guardians“ zusammen getan und will auf das Problem aufmerksam machen. Die Frage, die für die Guardians im Raum steht und bislang unbeantwortet geblieben ist, lautet: Hat Oracle sein Interesse an der Java Enterprise Edition verloren?

Die Guardians sind jedenfalls entschlossen, sich aktiv in die Weiterentwicklung der Java EE relevanten JSRs einzubringen, sofern seitens Oracle Lücken entstehen sollten. Und obgleich Oracles Bemühungen der letzten Jahre, mit der Java-Community in einen aufrichtigen Dialog zu treten, gewiss anerkannt werden sollten, zeigt sich im Falle der aktuellen Java-EE-Debatte, dass Dialog und Kommunikation nicht gerade zu Oracles DNA gehören. Die Reaktion des Konzerns auf die Sorgen der Java-EE-Gemeinde besteht in erster Linie aus – Schweigen.

Wie es also weiter geht mit der Java EE, wird noch während der W-JAX diskutiert werden. Ob ein Fork zu erwarten ist, wie Markus Karg von den Java EE Guardians in unserem JAXenter-Interview vermutet, oder ob es eine gütliche Einigung geben wird, bleibt abzuwarten.

10 Jahre Spring Day

Ein weiterer Klassiker unserer JAX-Konferenzen ist der Spring Day – der im November übrigens sein 10-Jähriges feiert! Über die Jahre hat sich der Tag zu einem veritablen Mekka entwickelt für alle, die sich über aktuelle Entwicklungen im gesamten Spring-Ökosystem auf dem Laufenden halten wollen.

Neben den Updates zu Spring 5 vom Chefentwickler Jürgen Höller persönlich können sich Teilnehmer aktuelle Infos zu Spring Boot und Spring Cloud abholen — die Frameworks, die Java-Entwicklern einen komfortablen Einstieg in die Welt der Microservices- und Cloud-Programmierung anbieten.

Mit diesen Themenfeldern – die etwa 30 Vorträge sowie einige Workshops umfassen, ließe sich allein schon eine stattliche Java-Konferenz bespielen. Die W-JAX bietet aber mehr als 130 Sessions zur Auswahl, weswegen die Java-Technologiethemen zwar den unverzichtbaren Kern der Konferenz repräsentieren, beileibe aber nicht die gesamte Konferenz, wie JAX-Kenner wissen.

Technologie und mehr für den digitalen Wandel

Ich möchte den Blick noch auf einen weiteren Schwerpunkt wenden, der die JAX und W-JAX mittlerweile auszeichnet und den wir mit Schwung weiter entwickeln: die Digitale Transformation. Die Spatzen pfeifen’s von den Dächern, dass nach dem Aufkommen des Internets, dem Web 2.0 zehn Jahre später heute die nächste Welle der Veränderung heranbraust.

Die Welt und mithin unsere Wirtschaft befindet sich zurzeit in Aufruhr. Der Druck der globalisierten Märkte steigert sich beharrlich und das Internet und mit ihm sämtliche Technologien, von denen auf einer JAX oder W-JAX üblicherweise die Rede ist, verändern die Geschäftswelt im Kern.

Anstatt die Geschäftsprozesse der „analogen Welt“ mittels Software zu automatisieren, verlagert sich der Auftrag der IT zunehmend von der Rolle des Kostenfaktors hin zum „Enabler“ digitaler Geschäftsmodelle. Das ist etwas fundamental anderes als die Softwareentwicklung in der „alten Welt“, wenngleich die ausgereiften Technologien, mit denen wir arbeiten, weiterhin Bestand haben.

Von Startups lernen

Um zu verstehen, wovon die Rede ist, empfehle ich gerne den Blick auf die Startup-Szene. Hier wird uns – mal mehr, mal weniger erfolgreich – vorgelebt, was es bedeutet, Technologie in den Mittelpunkt einer Geschäftsidee zu stellen. Softwareentwickler und -architekten, aber auch Designer und Daten-Experten sind hier nicht Ausführende eines bereits definierten Auftrags, sondern häufig intrinsisch in die Geschäftsentwicklung involviert.

Ohne eine Abstimmung zwischen Fachseite und IT auf extrem kurzen Wegen ist ein Service, wie ihn Amazon, Netflix, Spotify oder Airbnb anbieten, kaum denkbar. Ja, es gibt sogar auch Beispiele, wo Fachseite und IT in crossfunktionalen Teams beinahe miteinander verschmelzen, um entschlossen an einem Strang ziehen zu können.

Dies erfordert neben einer perfekten Beherrschung der bekannten Basistechnologien auch ein Einlassen auf neue Technologie-Ansätze: höchste Automatisierung beim Deployment (aka Continuous Delivery), die Verwendung von Cloud-Plattformen und evtl. auch Container-Technologien (aka Docker) und Microservices, wo es die Bildung crossfunktionaler agiler Teams unterstützt.

Und spätestens bei den Microservices deutet sich auch an, dass ein neuer Technologie-Ansatz alleine noch keine nachhaltige Veränderung bewirkt. Dies ist der Grund, warum sich die W-JAX so ausführlich mit dem Wandel auf Organisationsebene beschäftigt: Nach der Agilität im Softwareentwicklungsprozess folgt die Agilität des gesamten Unternehmens!

Und außerdem …

So verstehen wir die W-JAX als Ort, wo Sie sich mit frischen Informationen zu den Kerntechnologien versorgen, sich mit faszinierenden Experten vernetzen können, aber auch als Ort, wo Sie sich plastisch mit vielen Facetten des digitalen Wandels beschäftigen können – sei es auf technischer Ebene, auf Prozess-Ebene oder auf der Ebene der Unternehmenskultur.

Nicht erwähnt habe ich die Fülle weiterer wichtiger Technologien, die auf der W-JAX ihren Stammplatz haben, wie z.B. JavaScript, Protokolle, Big Data, Software-Architektur sowie die vielen Gelegenheiten für Diskussion, Erfahrungsaustausch, das gute Essen, das frisch gezapfte Bier … Sie sehen, obwohl erst mal der Sommer naht: Ich freue mich schon auf die W-JAX 2016. Sie auch?

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Sebastian Meyen
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen ist Chefredakteur des Java Magazins sowie des Eclipse Magazins. Außerdem trägt er die Verantwortung für Programm und Konzept sämtlicher JAX-Konferenzen weltweit. Er begleitet so die Java-Community journalistisch schon fast seit ihren Anfängen. Bevor er zur Software & Support Media GmbH kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.
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