Von JavaFX, TIOBE-Index und Javas zweitem Frühling

Hartmut Schlosser

JavaFX 2.0 wird derzeit als eine der spannendsten Baustellen in Oracles Java-Werkstatt betrachtet. Wird Java es schaffen, den verlorenen Boden im Client-Bereich gut zu machen? Wird JavaFX 3.0 dann tatsächlich den alten Write-Once/Run-Anywhere-Traum Wirklichkeit werden lassen, wie beispielsweise Kevin Farnham in seinem „State of Java“ Blog meint?

Javas Popularitätswerte

Farnham zeichnet ein überaus positives Bild von der Zukunft Javas und sieht in der auf der zurückliegenden JavaOne ausgegebenen Marschrichtung Oracles endlich das Ende der Stagnation gekommen.

Java 8 will be released in 2 years, with libraries fully upgraded to support Lambda expressions and facilitate development of Java/JVM applications that efficiently utilize 4/8/16+ core processors. JavaFX 3.0 will be write-once/run-anywhere including Mac and Linux, not just Windows. The Java ME / embedded mishmash will be refined/reengineered into something that makes sense. Java EE 7 will be ready for operation in/as a cloud, once „the cloud“ congeals into something definable.

Die Popularität von Java sei ungebrochen, sagt Farnham, und zieht als Beleg den Tiobe-Index heran. Dort steht Java in der Tat seit Jahren auf Platz eins, allerdings wird immer wieder Kritik an der Aussagekraft des Index geübt, der seine Rangliste aus der Häufigkeit von Such-Anfragen bei Google, Blogger, Wikipedia, YouTube, Yahoo!, Bing, u.a. herleitet.

Aktuell rangiert Java vor C, C++, PHP, C#, Objective-C, (Visual)Basic, Python, Perl und JavaScript auf Platz 1. Was in einer solch kruden Vergleichsliste der Sprachen allerdings nicht gemessen wird, ist der Anwendungsbereich, in dem eine Sprache populär ist. Während Java in zahlreichen Enterprise-Backends zum Einsatz kommt, hat es in der Client-seitigen Webentwicklung nie so recht Fuß gefasst. Ein aktueller Index von W3Techs zeigt beispielsweise JavaScript für 90% der Client-seitigen Programmierung verantwortlich.

Javas zweiter Frühling

Und da kommen wir wieder zurück zu JavaFX. Angesichts der fast täglichen Blogmeldungen, die von erfolgreichen Experimenten mit JavaFX berichten, sowie den zahlreichen Projekten, die aktuell aus dem Boden sprießen, um das JavaFX-Framework standesgemäß in das Java-Ökosystem einzubetten, rückt der zweite Frühling von Java auf dem Client aus dem Bereich des Wunschdenkens in den Raum der Möglichkeiten.

Beispielsweise portiert Gerrit Grunwald zurzeit die SteelSeries-Swing-Komponentenbibliothek auf JavaFX. Tom Schindl arbeitet an einer Eclipse-Integration in JavaFX.

Und jüngst ist ein Projekt bekannt geworden, das Swing-Support innerhalb eines JavaFX-Containers anbietet. Das Entwickler-Team um Mario Torre hat bereits eine erste Version vorgestellt, die nach etwas Aufräumarbeit als Patch zur Verfügung gestellt werden soll – vorausgesetzt, Oracle lässt demnächst wie angekündigt die Open-Source-Werdung von JavaFX zu.

Alles Indizien dafür, dass Javas zweiter Frühling auf dem Client bevorsteht?

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Hartmut Schlosser
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