Von der Wissenschaft in die Wirtschaft

Die Kapitalbeschaffung

Laut BITKOM kommen zwei Drittel aller Gründungen im ITK-Umfeld zunächst mit 40 000 Euro Startkapital aus. Die meisten mir bekannten Gründer aus der Venture-Capital-Szene sind weniger bescheiden. Die Erwartungen an Kapitalgeber sind jedoch oftmals völlig überzogen. Es gibt viele Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung: Eigenmittel, Cashflow etwa aus ersten Aufträgen (sog. Innenfinanzierung) sowie die Finanzierung durch Fremd- oder Eigenkapital. Fördermittel der öffentlichen Hand können hingegen Maßnahmen zur Kapitalbeschaffung privater Unternehmen allenfalls ergänzen, aber nicht ersetzten. Die Fremdkapitalfinanzierung durch Bankdarlehen erfordert Sicherheiten, darunter regelmäßig die persönliche Haftung der Gründer. Die Eigenkapitalfinanzierung durch Dritte beteiligt Investoren am Unternehmen selbst und somit auch am unternehmerischen Risiko. Für diesen Artikel möchte ich nur auf die so genannte Seed- bzw. Frühphasenfinanzierung durch Business Angels oder institutionelle Investoren eingehen.

Zunächst einmal: Investoren sind keine Sponsoren. Sponsoren handeln entweder als Mäzene oder aus Marketing- und Kommunikationszwecken, sie erwarten meist keinen messbaren Mittelrückfluss. Investoren erwarten hingegen einen „Return on Invest“. Richtig, Investoren erwarten Geld. Eine Beteiligungsfinanzierung ist daher teuer und für beide Seiten nur dann interessant, wenn das Geschäftsmodell Rückflüsse in einer entsprechenden Höhe erwarten lässt.

Risikokapitalinvestoren erwarten durchschnittlich eine Rendite von 20 bis 30 % im Jahr. Das erscheint zunächst recht hoch. Die Erfahrung bei der Venture-Capital-Finanzierung zeigt aber, dass von zehn finanzierten Start-ups sich eines als Renner erweist, drei einigermaßen über die Runden kommen, drei dahinsiechen und drei Totalverlust erleiden. Die Finanzierung durch Eigenkapital ist daher für den Investor ein riskantes Geschäft, für die Gründer ist sie im Erfolgsfall relativ teuer. Hierfür beteiligen sich Investoren am unternehmerischen Risiko.

Erfolgsfaktoren für Start-ups

Spin-offs aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben beim Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit mehrere Vorteile. Der größte ist sicherlich die Unterstützung beteiligter Universitäten und Forschungseinrichtungen. Ohne diese Unterstützung wäre die Gründung der Yatta Solutions unmöglich, zumindest wesentlich erschwert worden. Dies betrifft die Unterstützung der beteiligten Lehrstühle für Software Engineering, insbesondere durch Prof. Dr. Albert Zündorf, aber auch der Transfer- und anderer Hochschulstellen.

Den größten Nachteil haben Ausgründungen aus der Wissenschaft durch die begrenzte wirtschaftliche Erfahrung. Für uns war das positive Feedback von Kunden gleichwohl ein wichtiger Erfolgsfaktor. Durch Drittmittelprojekte der Universitäten, den Unternehmerrat sowie durch verschiedene Netzwerke hatten wir bereits frühzeitig Kontakte in die Wirtschaft. Weitere Kontakte kamen auch durch regionale und überregionale Netzwerke zustande. Beispielhaft genannt seien nur die Eclipse Foundation und Community, das Business-Angel-Netzwerkforum Kiedrich, der Businessplanwettbewerb Promotion Nordhessen sowie der Münchener Unternehmerkreis IT. Unsere Beziehungen zu Kunden und Partnern haben wir als Toolhersteller durch die Entwicklung und den frühzeitigen Einsatz von UML Lab (Abb. 1) in Beratungsprojekten sowie durch Kooperationen kontinuierlich intensiviert und ausgebaut.

Abb. 1: Screenshot von UML Lab

Hierbei waren auch verschiedene Förderverbundvorhaben der öffentlichen Hand hilfreich. So waren wir Konsortialführer zweier erfolgreicher LOEWE-Projekte der Hessen Agentur und leiten seit April 2010 ein Projekt mit der Micromata GmbH aus Kassel und der Universität Kassel zum szenariobasierten Modellieren und Testen von Software, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

Schließlich möchte ich auf die zahlreichen Coaches, Berater und Dienstleister sowie – nicht zuletzt – auf unser Team verweisen. Ohne unseren Coach wäre trotz vorhandenem betriebswirtschaftlichen und juristischen Know-hows die Investorensuche nicht so erfolgreich verlaufen. Investoren sprechen eine eigene Sprache. Für die Verhandlungen sollte man einen Coach als externen Experten und ehrlichen Mittler einbeziehen. Ob bei der Ausarbeitung unserer Marketing- und Vertriebsstrategie, der Gestaltung unserer Website oder der Öffentlichkeitsarbeit – wir haben externe Experten hinzugezogen, um uns auf unser Kerngeschäft zu fokussieren. Schließlich sind wir Toolhersteller und Berater für komplexe Softwareentwicklungsprozesse.

Erfolgreiche Beispiele

Als erfolgreiches Start-up aus der Wissenschaft im Eclipse-Umfeld ist Mylyn zu nennen. Das Eclipse-Projekt wurde 2003 von Mik Kersten in seiner Doktorarbeit entwickelt, der heute als CTO bei Tasktop Technologies Inc. mitwirkt.

1984 gründete der damalige Leiter des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität des Saarlands die IDS Scheer AG. Der Gründer, Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, ist heute Präsident des Branchenverbandes BITKOM. Die IDS Scheer – mittlerweile von der Software AG übernommenen – beschäftigt heute ca. 6000 Mitarbeiter in über 70 Ländern. Ein erfolgreiches Beispiel für den Sprung von der Wissenschaft in die Wirtschaft.

Teamarbeit

Entscheidend für jedes junge Unternehmen ist auch das Team. Sie sind kein Softwareentwickler? Dann suchen Sie sich gute Entwickler, denen Sie vertrauen können und die wissen, wie Ihre Kunden ticken. Halten Sie ihnen den Rücken frei, denn das ist Ihr Job. Setzen Sie aber auch Prioritäten, denn ein privatwirtschaftliches Unternehmen muss Gewinn erwirtschaften. Denken Sie an Marketing und Vertrieb, an die Vermarktung. Hieran zu erinnern, ist ebenfalls Ihr Job. Sie sind Softwareentwickler? Dann suchen Sie sich jemanden, der sich um die „Administrivialitäten“ [11] kümmert. Auch wenn’s nur fürs Kaffeekochen ist.

Johannes Jacop ist Volljurist und Mitbegründer der Yatta Solutions GmbH. Gemeinsam mit Dr. Christian Schneider, promovierter Diplom-Informatiker, baute er das junge Unternehmen auf und begleitete es in seiner Entwicklung aus der Wissenschaft in die Wirtschaft. Innerhalb der Yatta Solutions ist Jacop vor allem für das Business Development und Investor Relations zuständig.
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