Vom Spaß am Programmieren und von "coolem Code"

Hartmut Schlosser

Kevlin Henney zeigte in seiner W-JAX-Abendkeynote „coolen Code“ – und begeisterte die Zuhörer nicht durch High-Level-Konzepte oder neue Architekturentwürfe, sondern schlicht mit Programmiercode, und zwar solchem Code, der von einer gewissen Programmierkunst zeugt.

Ein komplettes Schachspiel in Assembler, das auf einem Speicherraum von 4,8 Tweets geschrieben wurde. Der Steuerungscode des Raketen-Moduls der ersten Mondlandung, der einen Bug enthielt, welcher aber glücklicherweise von einem anderen Bug aufgehalten wurde. Code der in seiner schlichten Klarheit die Dinge verändert hat, wie etwa das JUnit-Programm. Der Perl-Code der ersten Wiki Software, das sich selbst beschreibende Lisp, ein kompletter Webserver, der mit einer einzigen Zeile auskommt – in anekdotenhaften Episoden packte Henney die Zuhörer an ihrer Entwicklerehre und machte klar, dass Programmieren nicht allein in der Bereitstellung von Business Value liegt, sondern mit Kunst, Kreativität und letztendlich auch mit viel Spaß zu tun hat.

Die Freude am Kodieren vermittelte Henney meisterhaft, und wusste seine Geek-Show gleichzeitig mit Tiefgang zu versehen, denn seine eigentliche Botschaft lautete: Viel zu wenig wird heute unter Entwicklern die historische Dimension der Software-Entwicklung betrachtet, viel zu wenig Zeit mit dem Lesen fremden Codes verwendet. Wir sollten den historischen Programmierweisen mit mehr Respekt begegnen, denn das Lesen von fremdem Code kann den eigenen Code verbessern.

Und so zitierte Henney zum Schluss den Gruselliteraten Stephen King:

Wenn du keine Zeit hast, zu lesen, hast du auch keine Zeit und keine Werkzeuge, um zu schreiben.

Und weil Worte die unterhaltsame Präsentation nur unzureichend wiedergeben können, haben wir einige Episoden live mitgeschnitten – zum Spicken sozusagen. Die vollständige Keynote wird es dann in wenigen Wochen hier auf JAXenter zu sehen geben. Viel Spaß!

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Hartmut Schlosser
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