Step by Step die Karriereleiter hoch

Vom Programmierer zum Manager – ein einfacher Weg?

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/Halfpoint

Teams bestehen aus zwei Bausteinen: Jenen, die ein Projekt leiten und jenen, die maßgeblich das Projekt umsetzen. Man kann dabei entweder Steve Jobs sein oder „Woz“, so Paul Heltzel in einem kürzlich veröffentlichten Blogpost. Egal, zu welcher Sorte Sie gehören, der Weg vom Entwickler zum Manager ist für jeden realisierbar. Lohnt er auch?

Natürlich muss man sich zunächst fragen, ob man den Schritt Richtung mehr Verantwortung gehen möchte: Würde Ihnen die Arbeit im Management überhaupt liegen? Paul Heltzel rät zur Selbstreflexion. Dazu gehört auch, den aktuellen Job zu hinterfragen. Welche Teile Ihres Jobs mögen Sie besonders gern und auf welche könnten Sie verzichten? Haben Sie ein Talent dafür, Gruppen zu leiten und an ein Ziel zu führen? Dann können Sie diese Talente im Management in einem größeren Maße ausleben als Sie es momentan möglicherweise tun.

Der Weg ist das Ziel (?)

Während die Selbstreflexion eher im Stillen stattfindet, so erfordert der nächste Schritt etwas mehr: Stechen Sie aus der Masse heraus, machen Sie auf sich aufmerksam, indem Sie neue Aufgaben und mehr Herausforderungen annehmen, so Paul Heltzel. Er beruft sich auf die Aussage von Rick Hutley, Professor an der University of the Pacific, der rät, auch die eigenen Softskills zu hinterfragen: Sind Sie kritikfähig? Sind Sie bereit Risiken einzugehen? Wenn man nicht über ein dickes Fell verfügt, so rät der Professor zu ehrlicher Selbsteinschätzung:

Be honest. Better to be a happy grassroots worker than a miserable leader.

Es ist wichtig, seine aktuellen Aufgaben gut zu machen und damit zu signalisieren: Ich kann auch noch mehr. Diesen Willen muss auch das Umfeld mitkriegen, denn oft ist es so, dass viele Entwickler  auch Entwickler bleiben möchten und  gar nicht nach mehr Verantwortung streben. Dass Sie dabei eine Ausnahme bilden möchten, muss der Gegenüber erst mal bemerken. Silicon Valley Executive Coach Jennifer Long dazu:

Nearly all software engineers want to remain software engineers, so your boss won’t know that you want to get into management unless you say so directly.

Die richtige Kommunikation ist also der Schlüssel, was auch folgender Aspekt eines Karriereaufstiegs reflektiert: Ein Team zu leiten kann auch unangenehm sein! Man muss plötzlich jenen widersprechen, die vorher Kollegen waren. Die Kritik, die man ausübt, ist zwar eigentlich rein beruflicher Natur, trotzdem gewinnt man dadurch nicht unbedingt neue Freunde.

Neben charakterlichen Eigenschaften können auch optische entscheidend sein: Wenn Sie aussehen, wie ein Teamleader, dann nimmt man Sie auch wahr wie einen Teamleader. Sprich: Auch wenn Mark Zuckerberg den Erfolg in T-Shirt und Turnschuhen geschafft hat, so zählt bei den meisten auch die äußerliche Erscheinung. Und diese sollte eben Selbstbewusstsein und Führungsqualität ausstrahlen, am besten auch schon bevor Sie den Schritt ins Management gehen, so Rick Hutley.

Wenn die Grundvoraussetzungen geschaffen sind, geht es ans Eingemachte: Sie könnten natürlich neben dem Job eine zusätzliche Ausbildung zum Manager beginnen. Ein effektiver, wenn auch steiniger Weg kann aber auch sein: Learning by doing! Adam Wolf, Head of Engineering bei Bloomberg L.P. berichtet, dass man natürlich im Vorfeld viel über die Rolle eines Managers lernen kann, das meiste lerne man jedoch, wenn man tatsächlich einer ist. Das Verbessern der eigenen Fähigkeiten kann dabei schon im Entwicklerteam beginnen: Helfen Sie anderen Kollegen, wenn diese beispielsweise eine Review ihres Codes benötigen, um weiter zu kommen.

Setzen Sie sich außerdem mit internen Vorgängen in Ihrem Unternehmen auseinander: Welche Unternehmenszweige wachsen besonders schnell und bieten so zahlreiche neue Möglichkeiten, Karriereziele zu verwirklichen? Worauf wird bei Neuanstellungen geachtet? Diese Anforderungen können Sie auch in Ihrem Profil ergänzen, um nicht nur die Anforderungen des Jobs sondern auch des Unternehmens zu bedienen.

Geschafft!

Ist der Weg ins Management geglückt, ist auch hier die Arbeit noch nicht vorbei. In seinem Blogpost warnt Paul Heltzel vor übermäßigem Kontrollzwang: Schenken Sie dem Team vertrauen und seien Sie bereit, Aufgaben abzugeben. Er empfiehlt außerdem das altbewährte Gleichgewicht von Lob und Tadel: Nicht nur wenns schlecht läuft, sondern auch bei der erfolgreichen Umsetzung eines Projekts, ist Feedback von Seiten des Managements viel wert.

Aber was ist, wenn man all diese Hürden genommen hat, das Ziel erreicht ist und man dann merkt, dass die Realität doch nicht so aussieht, wie erwartet? In einem Beitrag auf GULP wird genau dieses Problem thematisiert: Auch wenn das Projektmanagement als eines der Karriereziele für Entwickler gilt, so kann ein Aufstieg auf der Karriereleiter eben einen Abstieg in der Zufriedenheit eines Entwicklers bedeuten. Der zugegebenermaßen subjektive Beitrag beleuchtet die Schattenseiten des (vermeintlichen?) Erfolgs. Jedem Manager müsse seine Austauschbarkeit bewusst sein: Zwar wird ein hoher Grad an Loyalität verlangt, tatsächlich sei diese aber rein rhetorischer Natur, so Andreas Reif, freiberuflicher IT-Spezialist, in dem Beitrag. Er berichtet von Problemen ganz unterschiedlicher Natur: Von der schwierigen Zusammenarbeit und Kommunikation mit „untergeordneten“ Mitarbeitern, die aber tatsächlich fachlich mehr vorzuweisen haben, über die geforderte Belastbarkeit und Loyalität in diesem Posten.

Fazit

Ob Manager oder „nur“ Entwickler: Am Ende zählt doch, dass man das, was man macht, gut und gerne macht. Die Tipps von Paul Heltzel zeigen aber, dass der Entschluss, die Karriereleiter aufzusteigen, mit einer gewissen Konsequenz und Selbstreflexion verbunden ist. Auf dem Weg zur Projektleitung müssen eben nicht nur inhaltliche Hürden genommen, sondern auch Charakter bewiesen werden: gepflegte Kommunikation scheint ein entscheidender Faktor zu sein. Wie so oft ist aber weder alles planbar, noch wird alles wie geplant gelingen. Daher gilt: Learning by doing.

Wie sehen Sie das? Berichten Sie von Ihren Erfahrungen mittels unserer Kommentarfunktion.

Aufmacherbild: Manager with coat of superman von Shutterstock / Urheberrecht: Halfpoint

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Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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