VMware versus RedHat: Hitzige Debatte um Vert.x-Fork

Hartmut Schlosser

Die gestrige Nachricht, dass Tim Fox nach seinem Wechsel von VMware zu RedHat die Administratoren-Rolle und Trademarks des Vert.x-Projektes aufgeben musste, hat zu einer hitzigen Debatte in der Community geführt. Die Frontlinie scheint dabei klar gezogen zu sein: Meinen die einen, VMwares Festhalten an den Vert.x-IP-Rechten sei eine normale Reaktion („man kann nicht einfach zu einem Wettbewerber wechseln und erwarten, die Rechte an einem dort entwickelten Projekt mitzunehmen“), zeigen die anderen mit dem Finger auf den Bösewicht VMware und raten zu einem Fork – ganz wie damals im Streitfall mit Oracle um die Rechte an Hudson.

Zwar haben die beiden Parteien VMware und RedHat noch keine öffentlichen Statements abgegeben. Doch hat sich SpringSource-Architekt und Groovy-Erfinder Guillaume Laforge in die Diskussion eingemischt – „in privater Mission“ sozusagen.

Laforge stellt zunächst einmal fest, dass es auffällig ist, wie schnell einige Personen VMware beschuldigen, ohne dem Unternehmen die Chance zu geben, die Situation aus seiner Sicht zu beschreiben. Niemand wisse schließlich, was VMware tatsächlich wolle. Laforge spricht von einer gemeinsamen Stellungnahme von RedHat und VMware, die bald die Positionen klarstellen soll.

VMware wartet anscheinend auf die Freigabe der Stellungnahme durch RedHat. Interessanterweise scheint Laforge Tim Fox auch dazu geraten zu haben, die Veröffentlichung dieser Stellungnahme abzuwarten, bevor er eine öffentliche E-Mail an die Community absenden würde. Tim Fox hingegen schreibt, seine E-Mail sei voll von RedHat abgesegnet worden.

Jedenfalls versucht Laforge, die erhitzen Gemüter zu beruhigen – es bestehe kein Grund zu der Annahme, dass das Vert.x-Projekt in irgendeiner Art und Weise gefährdet sei:

Everyone now thinks VMW is evil and says bad things about VMW, although it funded the creation and development of Vert.x and *does* want to continue helping the project and letting it prosper and evolve to the benefit of the whole community.

[.]

Rest assured that both RHT and VMW want the project to be successful and the community to be happy.

[.]

So it makes me sad to see people so vehemently say bad things about VMW because of this worrisome biased email to the community 🙁

Laforge bittet deshalb um Geduld: Große Unternehmen benötigten Zeit, um einen Konsens zu finden. Bis dahin gelte es, abzuwarten und kein weiteres Öl in das Feuer zu gießen:

Big companies take time to agree on things, so let’s all be patient, please!
The joint RHT / VMW message will come, once RHT is happy with the message.

Gehalten haben sich an diese Bitte freilich wenige. Und das „böse F-Wort“ (gemeint ist dieses Mal: „Fork“), fiel nicht selten. Unterdessen stellte Fox klar, dass er unter den Vorzeichen zu RedHat gewechselt sei, in Vollzeit weiter an Vert.x zu arbeiten. Seine E-Mail habe er in Hinblick auf seine Verantwortung der Vert.x-Community gegenüber geschrieben:

I have users who have staked their projects on Vert.x and they need to know when important changes in the control/administration of the project occur so they can make informed assessments of any perceived risk.

If I was to hide such important changes from the community I would be in dereliction of my duties as project lead.

Wie dem auch sei – letztlich scheint sich hier wieder einmal ein Kommunikationsproblem eingestellt zu haben: VMware war nicht in der Lage, die Community im Vorfeld auf die Situation vorzubereiten. Tim Fox schien nicht gewillt zu sein, die Ablehnung seiner Bitte, „geduldig hinzunehmen“, sondern bevorzugte es, seinem Ärger in öffentlichen Bahnen freien Lauf zu lassen.

Wir sind gespannt auf die offiziellen Stellungnahmen von VMware und RedHat. Bleibt zu hoffen, dass dort versöhnlichere Töne angeschlagen werden. Von einem VMware Vert.x in Konkurrenz zu einem RedHat Vert.x hätte die Java Community nämlich nicht wirklich viel gewonnen.

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Hartmut Schlosser
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