Virtuelle Welten – Eintritt auf eigene Gefahr

Chancen und Risiken erkennen

Wie auch beim Internet in den Neunzigern ist eine der Hauptfragen, wie man aus geschäftlicher Perspektive das 3D-Internet und seine Möglichkeiten nutzen kann. Bei den Fragen, wie und wann ein Engagement in virtuellen Welten beginnt, geht es nicht darum early adopter oder fast follower zu sein, doch sollte man vermeiden in zwei, drei Jahren vor einem serienreifen Mittelklassewagen zu stehen und nach den Pferden zu fragen die ziehen. Vielmehr ist es ratsam, die Trendentwicklung zu beobachten und die Interessen des eigenen Unternehmens dazu ins Verhältnis zu setzen, um zum richtigen Zeitpunkt über das Wissen und die Erfahrung zu verfügen, das Lenkrad selbst in die Hand zu nehmen.

Für Unternehmen gilt es dabei vor allem einige Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen, die spezifisch für virtuelle Welten sind. Der Gartner-Analyst Steve Prentice mahnt Unternehmen, die planen, sich in virtuellen Welten zu engagieren, zur Vorsicht. Er empfiehlt eine realistische Vorab-Bewertung von Sicherheits- und Risiko-Managementaspekten, die mit einem solchen Engagement verbunden sind. Dies gilt vor allem für weitgehend unkontrollierte Welten, wie zum Beispiel Second Life von Linden Labs. Prentice rät, je nach Zielsetzung, zu besser moderierten und spezialisierten Welten wie There, Kaneva oder Active Worlds. Grundsätzlich muss ein Unternehmen die Entscheidung fällen, ob es sich in einer öffentlichen Welt wie Second Life engagiert oder in einer geschlossenen Welt, die zudem auf dem eigenen Server laufen kann.

Second Life ist wegen der hohen Medienaufmerksamkeit und Verbreitung die in Deutschland bekannteste und daher für bestimmte Aktivitäten wahrscheinlich interessanteste virtuelle Welt. Da man in ihr rund 500.000 aktive Nutzer hat, die zudem noch dadurch qualifiziert sind, dass sie über einen bestimmten Bildungsstand, ein relativ gutes Einkommen und das Engagement verfügen, eine virtuelle Welt zu nutzen.

Offene Welten haben also den Vorteil einer neugierigen Laufkundschaft und eignen sich daher gut zur Präsentation des Unternehmens und zum Aufbau von Kundenbeziehungen. Eine geschlossene Welt eignet sich eher, wenn man nur firmenintern, für Mitarbeiter oder Kunden, damit arbeiten will. Man muss sich jedoch immer im Klaren darüber sein, dass die virtuelle Welt grundsätzlich öffentlicher ist, als andere Kommunikationsformen. Im Falle der virtuellen Welten gehören zum Kreis nicht nur die anderen Bewohner, sondern auch die Systemadministratoren der Anbieterfirmen oder des eigenen Unternehmens. Gespräche werden bzw. können protokolliert werden. Diese und ähnliche Sicherheitsfragen fasst Gartner in fünf Gruppen zusammen.

Fünf Sicherheitsrisiken

1. IT-bezogene Sicherheitsrisiken
Bei IT-bezogenen Sicherheitsrisiken geht es hauptsächlich um ungeprüfte Anwendungen, die auf den zentralverwalteten Arbeitsplatzcomputer eines Unternehmens installiert werden müssen, um in einer virtuellen Welt aktiv werden zu können. Das bedeute nicht, dass diese Anwendungen ein höheres Risiko bergen als andere, allerdings könne die Update-Häufigkeit zum Problem werden. Darüber hinaus müsse man das Problem der Firewall-Durchlässigkeit beachten, das mit diesen Anwendungen einhergehen kann.

2. Identitäts-Authentifizierung und Zugangsmanagement
Da der Zugang und die Anmeldung in virtuellen Welten sehr einfach und meistens kostenlos ist, kann es vorkommen, dass ein und dieselbe Person über mehrere Avatare verfügt. Es sei daher schwierig, wenn nicht gar unmöglich, sicherzustellen, dass ein spezifischer Avatar tatsächlich die Person darstellt, die ihn erstellt hat. Dieser Mangel an überprüfbarer Identitätskontrolle und Zugangsmanagement sei eines der größten Probleme öffentlicher virtueller Welten. In diesen können jedoch auch geschlossene Bereiche eingerichtet werden, die besser kontrolliert werden können. Dennoch hat dieser Aspekt Auswirkungen auf die Frage des Einsatzes einer virtuellen Welt im Unternehmen. Gartner empfiehlt den Unternehmen daher genau zu prüfen, ob eine „private“ virtuelle Welt nicht besser geeignet ist. Diese könne intern gehostet und hinter der eigenen Firewall eingesetzt werden.

Wie erwähnt, hängt diese Entscheidung auch davon ab, was man im Unternehmen mit der virtuellen Welt erreichen will. Gegebenenfalls kann man verschiedene Welten für unterschiedliche Bedürfnisse nutzen.

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