Verzahnung der Welten – durch Wertschöpfungsarchitektur - JAXenter

Verzahnung der Welten – durch Wertschöpfungsarchitektur

Jürgen Gebauer, Capgemini sd&m AG und Thomas Siedenbiedel, SCHUFA Holding AG

Die Migration von komplexen Anwendungen von einem Host-System auf eine moderne Plattform stellt eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Für die SCHUFA Holding AG bestanden die Gründe für eine Migration in den zeitlich engen Batch-Wartungsfenstern, der eingeschränkten Möglichkeiten der Produktweiterentwicklung und der in weiten Teilen vorliegenden Realisierung in Assembler. Die SCHUFA entschloss sich frühzeitig, das Projekt zur Migration durch ein aktives Architekturmanagement zu unterstützen. Dabei wurde die Chance genutzt, die Geschäftsarchitektur, die Anwendungslandschaft und die IT-Infrastruktur nach einheitlichen Prinzipien zu strukturieren. Dies ermöglicht jetzt, in dem definierten Architekturrahmen, Fragen aus architekturrelevanter Perspektive zu beantworten und eine übergreifende Steuerung der Beschreibungswelten zu leisten. Für diese Art des Architekturmanagements wurde bewusst der Name Wertschöpfungsarchitektur gewählt, um die Verbindung zwischen dem treibenden Geschäftsmodell mit der IT (Architektur) herauszustellen.

Anwendungskomponenten als zentrale Schnittstelle

Die Verzahnung der verschiedenen Beschreibungswelten ist bereits im methodischen Ansatz verankert. Denn die Verknüpfung findet über den Begriff der Anwendungskomponente statt, die in allen Beschreibungswelten eine zentrale Rolle spielt.

Die Geschäftsarchitektur wird durch Geschäftsfunktionen beschrieben, die ihrerseits in Funktionsblöcke unterteilt sind. Die Definition der Geschäftsfunktionen ist meist unternehmensspezifisch, denn diese leiten sich direkt aus der Strategie und den Geschäftsprozessen ab. Alle Geschäftsfunktionen zusammen ergeben eine Übersicht, die dem fachlichen Domänenmodell entspricht.

Die Verknüpfung zwischen Geschäftsarchitektur und IT wird über die Zuordnung von Anwendungskomponenten zu den Funktionsblöcken hergestellt. So stehen auf einen Blick Informationen darüber zur Verfügung, welche Komponenten für die Produkterstellung verantwortlich sind, welche Subsysteme bei der Produktauslieferung aufgerufen und wie die einzelnen Kundenkanäle durch die IT unterstützt werden. Somit ist der direkte Nutzen von IT-Investitionen für das Geschäft bereits auf dieser Ebene sichtbar. Fragen wie „Welche Komponenten muss ich prüfen, wenn für ein laufendes Produkt eine Absatzsteigerung von 30 Prozent prognostiziert wird?“, kann ein CIO entspannt beantworten.

Verknüpfung von Geschäft und IT

Neben statischen Informationen über die Unterstützung des Geschäfts durch die IT lassen sich in der Wertschöpfungsarchitektur auch geplante Vorhaben in einem konkreten Kontext bewerten. „Die Verzahnung der Geschäftsarchitektur mit der Anwendungslandschaft auf Basis von Anwendungskomponenten bildet eine unverzichtbare Grundlage für architekturrelevante Fragestellungen im Vorfeld von Projekten“, betont Thomas Siedenbiedel, Projektleiter der Wertschöpfungsarchitektur bei der SCHUFA. „Die Verzahnung – das Alignment – von Geschäft und IT ist unter diesen Voraussetzungen ein leichtes Spiel. Denn beide Bereiche wissen wovon der andere spricht.“

Verzahnung der Schlüsselbegriffe

Die Anwendungslandschaft stellt in vielen Unternehmen das Herzstück des IT-Architekturmanagements dar. In der Wertschöpfungsarchitektur steht es gleichberechtigt zwischen Geschäftsarchitektur und IT-Infrastruktur. Die Anwendungslandschaft wird beschrieben durch Systemkomponenten, darin enthaltene Anwendungskomponenten und die verknüpfenden Kommunikationsbeziehungen. Ohne großen Aufwand lässt sich damit erkennen, ob eine Anwendungskomponente in einem Applikationsserver, auf einem Host oder in einem Webserver läuft. Bleibt nur noch offen, welche physischen Rechner für die Ausführung verantwortlich sind.

Diese Fragen beantwortet die IT-Infrastruktur. Hier werden die Anwendungskomponenten der zugrunde liegenden Hardware zugeordnet. Häufig wird die Hardware von externen Providern auf Basis von Service Level Agreements (SLA) bereitgestellt. Da die Anwendungskomponente zu einer Hardware und die Hardware einem Provider zugeordnet werden kann, lässt sich die Verbindung vom Provider zu den geschäftlichen Funktionsblöcken herstellen. Damit ist die geschäftsorientierte Gestaltung von SLAs möglich. Der Kreis zwischen IT und Geschäft schließt sich.

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Jürgen Gebauer, Capgemini sd&m AG und Thomas Siedenbiedel, SCHUFA Holding AG
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