Verspätung für JDK 7: Schadenfreude bei OSGi? - JAXenter

Verspätung für JDK 7: Schadenfreude bei OSGi?

Hartmut Schlosser

Offene Kritik am Vorhaben „JDK 7“ wurde monatelang von Seiten der OSGi-Alliance geübt. Hauptgrund war der in JDK 7 verfolgte Ansatz der Modularisierung im sogenannten „Projekt Jigsaw“, welcher von OSGi-Evangelisten für vereinfachend gehalten wird.

„Jigsaw löst die anstehenden Probleme nicht“, so lautete das Credo der OSGi-Anhänger, die sich mehrfach angeboten hatten, gemeinsam mit Sun an der Modularisierung von Java zu arbeiten. Dass Sun damals niemals ernsthaft auf die Angebote eingegangen ist, war für viele Beobachter eher politischen als technologischen Hinderungsgründen geschuldet

JDK 7 muss nun also verschoben werden. Grund zur Schadenfreude für die OSGi-Fraktion?

Ein lautes Lachen habe Mark Reinholds Ankündigung nicht wirklich bei ihm ausgelöst, berichtet nun OSGi-Evangelist Peter Kriens in seinem jüngsten Blogeintrag. Eher traurig habe ihn die Hiobsbotschaft gestimmt, seien in Java 7 doch viele Verbesserungen angedacht, die auch ihm das Leben leichter machen würden. Doch vor allem bedeute die erneute Verzögerung eines: dass die Java-Plattform gegenüber anderen Plattformen an Boden verliere. Und der Hauptgrund dafür ist für Peter Kriens: das Fehlen von „echter“ Modularität.

Damit lässt Kriens die Katze aus dem Sack: OSGi könne es besser als Jigsaw! OSGi sei die Technologie, mit der man das Problem der zahlreichen internen und externen Abhängigkeiten in Java in den Griff bekommen könnte. Kriens nutzt die offenbare Stagnation des Projekts JDK 7, um nun bei Oracle, nicht mehr bei Sun, für eine Java-Modularisierung mittels OSGi zu werben.

Das Problem von Java, so führt Kriens aus, sei das Missverständnis, dass die Java-Plattform umso besser werde, je größer sie sei. Die so ständig steigende Anzahl interner Abhängigkeiten mache die Plattform immer komplexer und schwieriger zu handhaben. Wiederholt verschobene Release-Zeitpläne seien ein typisches Symptom für diesen Missstand.

The more rope you have, the more tangled it can get. Repeatedly slipping schedules are one of the symptoms. In the nineties I’ve seen Ericsson waste staggering amounts of money to create a telecom application platform only to finally succumb to defeat. Peter Kriens

Eine Modularisierung von Java sei die einzige Lösung – und natürlich hält Kriens nicht mit seiner Ansicht außen vor, dass der OSGi-Ansatz allen bisherigen Versuchen überlegen sei.

Neither JSR 277, JSR 294, Jigsaw, nor Qwylt was a proper solution for handling external dependencies. Jigsaw was too simplistic for large applications and Qwylt and JSR 294 would have given us the headache of handling multiple module systems on your compiler module path. Both would have caused a packaging nightmare due to the combinatorial explosion of module system x operating system variations. Peter Kriens

Auch bei anderen Sprachen wie Perl, Ruby, Python sei eine Modularisierung gelungen. Unverständlich deshalb für Kriens, weshalb sich Java so schwer damit tut.

Perl can do it, Ruby can do it, Python can do it, why does Java have such a hard time doing the same thing? [.] Oracle should focus their Java effort in shrinking the platform and modularizing anything that is not used by most applications. Peter Kriens

Am Schluss steht der Aufruf an Oracle, die Verzögerung als Chance zu begreifen, um Java wieder agil zu machen. Im Klartext ist dies wohl ein Angebot an Oracle, die alten Sun-Zwistigkeiten zu vergessen und gemeinsam mit der OSGi-Alliance an einer Modularisierung für Java zu arbeiten.

We do have the technology, all the parts are there. Please Oracle, this delay provides an opportunity, can we make Java agile again? Peter Kriens

Wen außer Peter Kriens würde dies noch freuen?

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Hartmut Schlosser
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