Verizon bald direkter Konkurrent von Google und Co. ?

Verizon schluckt Yahoo: Welche Pläne der Konzern aus New York verfolgt

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / JFunk

Es ist wieder soweit: Ein Unternehmen wechselt den Besitzer. Wie zahlreiche Newsportale berichten, wechselt der einstige Internetgigant Yahoo für gerade einmal 4,8 Milliarden US-Dollar den Besitzer. Den Zuschlag erhält Verizon, der Telekommunikationskonzern mit Hauptsitz in New York. Nach dem Kauf von AOL scheint das Unternehmen mit dieser Neuanschaffung sehr konkrete Zukunftspläne zu verfolgen.

Die Übernahme

Einst war Yahoo ein Pionier des Internets und die Suchmaschine der Wahl. Nun verhärten sich die Anzeichen, dass das Unternehmen von Verizon übernommen werden wird. Mehrere Berichte sprechen dabei von einer Kaufsumme von 4,8 Milliarden Dollar. Angesichts des einstigen Börsenbewertung Yahoos von rund 125 Milliarden Dollar ist der Preis relativ günstig. Er spiegelt allerdings auch den Wertverfall einiger großer Unternehmen wider, die nach dem Platzen der Dotcom-Blase nicht wieder auf die Beine gekommen sind.

Verizon hatte vor einem Jahr einen ähnlichen Deal mit dem einstigen Internetgiganten AOL gemacht. Damals zahlte das Telekommunikationsunternehmen etwa 4.4 Milliarden für AOL bzw. dessen programmatische Werbetechnologie. Auch dies war lediglich ein Bruchteil dessen, was das Unternehmen in Spitzenzeiten wert war.

Die von Yahoo gehaltenen Anteile an Alibaba (Marktwert etwa 41 Milliarden Dollar) sollen bei ihren derzeitigen Besitzern bleiben. Auch Yahoo Japan und einige Patente seien nicht Teil des Deals zwischen Verizon und Yahoo. Die Abfindung der derzeitigen CEO von Yahoo, Marissa Mayer, wird auf etwa 57 Millionen Dollar geschätzt.

Verizons Zukunftspläne

Im Paket mit Yahoo hat Verizon sich auch das soziale Netzwerk Tumblr gesichert. Damit hat es auch eine Userbasis der sogenannten „Millenials“ erworben. Yahoo hat zudem, trotz des Voranschreitens von Google, monatlich etwa 200 Millionen User. Somit hat Verizon nun nicht nur programmatische Fachkenntnis in Form von AOL, sondern auch ein soziales Netzwerk sowie ein breites Nutzerfeld unter seinem Dach vereint.

Diese beiden strategischen Käufe in Verbindung mit dem Kerngeschäft von Verizon lässt viel Spielraum für Spekulationen. Es scheint, als wolle Verizon mit dem Erwerb von Yahoo weiter in den digitalen Markt vordringen und eventuell ein Konkurrenz-Konglomerat zu Google, Facebook oder Twitter erschaffen.

Ob dies, wenn man die marktbeherrschende Stellung von Google, Facebook und Twitter bedenkt, Erfolg haben kann sei dahingestellt. Die Idee hinter den Käufen von Yahoo und AOL scheint allerdings in diese Richtung zu gehen.

Hintergrund: Die Dotcom-Blase

Als das Internet und das Geschäft damit zu Beginn der 1990er Jahre begann zu boomen, war für viele der später von der sogenannten Dotcom-Blase betroffenen Unternehmen die Welt noch in Ordnung: Die Gewinne stiegen und ab 1995 schossen plötzlich etliche Unternehmen aus dem Boden, die ihren Marktwert allein durch das Anhängen eines Präfixes (e-) oder eines Suffixes (.com) steigern konnten. Als Beispiel sei hier etwa Tiscali genannt, deren Aktie im Wert von 46 Euro pro Stück innerhalb von vier Monaten auf etwa 1200 Euro anwuchs.

MSCI World Index / Quelle: Onvista

MSCI World Index / Quelle: Onvista

Mobiltelefone und natürlich das Internet waren die beiden Technologien, deren Etablierung die neuen Unternehmen für Investitionen und Spekulationen seitens der Anleger sowie Börsengängen seitens der Unternehmen selbst verlockten. Durch das gegenseitige Aufkaufen der Firmen wurden viele Gründer schnell reich und die Blase wuchs weiter an.

Schließlich wurde zu Beginn des Jahres 2000 klar, dass jene Unternehmen, die an der Börse sehr hoch bewertet waren, die Gewinnerwartungen nicht erfüllen würden. Zudem war der Börsenwert keinesfalls durch den materiellen Gegenwert gedeckt, sodass der Buchwert aus nicht mehr bestand als aus den Immobilien und der IT-Infrastruktur.

Die Blase platzte, als die ersten Unternehmen Insolvenz anmeldeten und sich herausstellte, dass zum Teil fingierte Umsätze ausgewiesen worden waren. Die ab März 2000 sinkenden Kurse waren nur der Beginn eines Börsencrashs, der die Unternehmen bis ins Jahr 2002 etwa fünf Billionen Dollar kostete.

Wert der Yahoo-Aktie / Quelle: Google

Wert der Yahoo-Aktie / Quelle: Google

Entwicklung seit 2002

Yahoo konnte sich, wie viele andere Unternehmen, nach dem Platzen der Blase nicht mehr erholen. Wie der Graph zeigt, schaffte das Unternehmen nach 2002 einen recht konstanten Wert ihrer Aktie zu halten. Dieser liegt bei etwa einem Drittel des einstigen Höchstwertes.

An den Daten des MSCI World Indexes kann man deutlich die Einschläge der Dotcom-Blase und der Finanzkrise ablesen. Seitdem hat sich der Markt offenkundig erholt und steht derzeit höher als je zuvor.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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