Wie Unternehmen vom Knowledge Sharing wirtschaftlich profitieren können

Unternehmenskultur: Teilen Sie Ihr Wissen – mit allen!

Jan Weddehage

© Shutterstock / Maksim Kabakou

Viele Unternehmen versuchen ein Betriebsklima zu etablieren, das auf Innovationsreichtum, Transparenz und kollaborative Prozesse setzt. Allerdings wird hierbei oftmals zu Unrecht eine Methode außer Acht gelassen, die sich insbesondere in der Freien-Software-Entwicklung reger Beliebtheit erfreut: das Knowledge Sharing.

In der Freien-Software-Bewegung ist das Prinzip des Knowledge Sharings seit Langem bekannt. In Kollaboration mit beliebig vielen anderen Nutzern und Developern wird gemeinsam Software entwickelt. Im Gegensatz zum Open-Source-Ansatz ist der Quellcode Freier Software nicht nur für jeden einzusehen. Außerdem ist es erlaubt, diesen frei und nach eigenem Belieben zu verändern, zu bearbeiten und weiterzuverbreiten.

Knowledge Sharing als wirtschaftlicher Faktor

Das so aggregierte Wissen hat erfolgreiche Projekte wie beispielsweise das unix-ähnliche Mehrbenutzer-Betriebssystem Linux hervorgebracht. Angestoßen vom finnischen Programmierer Linus Torvals hat sich Linux mittlerweile auch in Hollywood einen Namen gemacht. Eine Vielzahl der visuellen Effekte von „Titanic“ wurden mithilfe des freien Betriebssystems umgesetzt – mit einem Umsatz von über drei Milliarden Dollar der zweiterfolgreichste Film in der Geschichte des Kinos.

Nicht wenige Firmen versuchen, ihr Wachstum durch Innovationsreichtum, Transparenz und kollaborative Arbeitsprozesse zu steigern. Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs der Freien-Software-Bewegung wird das Prinzip des Knowledge Sharings hierbei gerne übersehen – ein Fehler. Generell versteht man unter dem Begriff das aktive Teilen von Wissen und Informationen, das sich über alle hierarchischen Stufen innerhalb eines Unternehmens erstreckt. Welche Vorteile diese Methode für einen Betrieb besitzt, hat Caitlin Zucal in ihrem Artikel „Five Ways Knowledge Sharing is Good for Your Company’s Culture“ zusammengestellt.

Eine produktive Unternehmenskultur etablieren

Die Einrichtung einer vertikalen Kommunikationsstruktur innerhalb eines hierarchisch strukturierten Konzerns ist eine schwierige Aufgabe. Fraglich ist, ob die Angestellten ihre Ideen einbringen oder doch eher Angst davor haben, einen falschen Eindruck zu hinterlassen. Mitunter fürchten sie sogar, auf diese Weise ihren Arbeitsplatz aufs Spiel zu setzen. Gleichzeitig ist es ebenso ungewiss, ob die Führungsetagen den Vorschlägen überhaupt Gehör schenken, geschweige denn sie in die Tat umsetzen.

Allerdings sollte man sich bei der Entscheidung für oder gegen das Knowledge Sharing nicht von diesen Ängsten leiten lassen. In der Regel sind nämlich Firmen, die für eine offene Datenkultur sorgen, erfolgreicher als Betriebe, die das nicht tun. Der Grund hierfür liegt in der soziografischen Entwicklung. Die Arbeitswelt wandelt sich mehr und mehr zu einer Kreativ- und Wissensökonomie, in der die sogenannten „Millennials“ Wert auf Flexibilität, Eigenständigkeit und kreative Freiräume legen.

Unternehmen müssen für ein produktives und offenes Arbeitsklima sorgen, da kreative und talentierte Arbeitnehmer heutzutage Tätigkeiten suchen, in denen sie sich und ihre Ideen verwirklichen können. Sie wollen, dass ihre Arbeit etwas zählt und wertgeschätzt wird. Ein wichtiger Faktor spielt hierbei die Art und Weise, wie die Arbeitgeber auf die Vorschläge der Angestellten reagieren. Das Knowledge Sharing hilft dabei, eine horizontale Unternehmenskultur zu fördern, in der wechselseitig und über sämtliche Hierarchien hinweg Wissen geteilt und Feedback gegeben wird.

Projekte werden so nicht länger durch Informationsdefizite sabotiert, sondern durch das Wissen der gesamten Belegschaft kontinuierlich verbessert. Vor allem finden kreative Ansätze auf diese Weise besondere Beachtung. Das sorgt nicht nur für bessere und effizientere Lösungskonzepte, sondern auch für zufriedene und motivierte Mitarbeiter. Insbesondere junge Talente werden so von Anfang an gefördert und – da sie einen vollständigen Zugriff auf das unternehmerische Wissen haben – als mündige Mitglieder in den Arbeitsprozess integriert.

Für ein allgemeines Verantwortungsgefühl sorgen

Darüber hinaus hängt der Erfolg eines jedes Konzerns entscheidend davon ab, ob sich die Teammitglieder persönlich für die Realisierung der gesetzten Unternehmensziele verantwortlich fühlen. Hierbei wird aber gerne der Fehler gemacht, Verantwortung ausschließlich mit Bestrafung gleichzusetzen. Natürlich müssen die Betroffenen für begangene Fehler geradestehen. Allerdings umfasst der Begriff der Verantwortung weitaus mehr. Im Falle des Scheiterns ist es nämlich wichtig, aus den Fehlern zu lernen, statt bloß den Finger in die Wunde zu legen.

Verantwortung sorgt ebenfalls für ein positives Arbeitsumfeld mit klaren Zielvorgaben, die von einem engagierten Team in Zusammenarbeit und mithilfe der nötigen Ressourcen erfüllt werden. Das Knowledge Sharing hilft dabei, ein positives Verantwortungsgefühl aufzubauen. Durch das bereitwillige Teilen des Wissens wird proaktiv auf die Fragen der Angestellten reagiert. Gängige Best Practices finden Einzug in den Berufsalltag, was wiederum eine konstant hohe Lernkurve zur Folge hat. Kurzum: Wenn die offene Kommunikation auf der Ebene der Geschäftsführung beginnt, besitzt das einen Strahlungseffekt auf die unteren Abteilungen. Positiver Druck wird auf die Angestellten ausgeübt, der dafür sorgt, dass sie sich und anderen gegenüber bereitwillig Verantwortung übernehmen.

Fazit

Was müssen Angestellte wissen? Wer gibt Antworten auf wichtige Unternehmensfragen? Wie können Anweisungen effizient umgesetzt werden? All das sind Fragen, die im Rahmen der betrieblichen Skalierung, der Festlegung eindeutiger Dienstwege und bei der Betreuung von neuem Personal aufkommen. Knowledge Sharing hilft dabei, diese Probleme zu lösen. Anstatt das Informationen nicht weitergegeben und neuen Kollegen dadurch der Einstieg erschwert wird, fördert ein offener Umgang mit Wissen eine produktive und verantwortungsvolle Unternehmenskultur, die sich positiv auf das wirtschaftliche Wachstum auswirkt.

Aufmacherbild: Studying concept via Shutterstock / Urheberrecht: Maksim Kabakou

Geschrieben von
Jan Weddehage
Jan Weddehage
Jan Weddehage studiert an der Goethe Universität Frankfurt am Main und arbeitet seit März 2015 als Werkstudent bei Software & Support. Kontakt: jan[at]janweddehage.de
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