Was Unterbrechungen kosten – Teil 2

Sind Unterbrechungen ein notwendiges Übel? Das denken Entwickler darüber

Gabriela Motroc

© Shutterstock / Sinisa Botas

Wir haben die Kiste der Pandora geöffnet und wollten von Entwicklern wissen, was sie über Unterbrechungen denken. Es stellte sich heraus, dass Unterbrechungen – vor allem geplante – wirklich Kryptonit für Entwickler sind und die Produktivität senken. Entwickler äußerten sich dazu auf Reddit. Dann schauen wir mal, wie sie mit Unterbrechungen zurechtkommen.

Unterbrechungen sind in der Softwareentwicklung kein Thema, dass Entwickle auf die leichte Schulter nehmen. Laut einem Artikel von Chris Parnim im Game Developer Magazine verlieren Entwickler mehr Zeit bis sie nach einer Unterbrechung zurück zu ihrer Aufgabe finden als Arbeiter in anderen Branchen. Die Zeit, die sie abseits ihrer Aufgaben verbringen, sei direkt proportional zu der Zeit, die sie brauchen, um den Faden wieder aufzunehmen. Ungeplante Unterbrechungen zwingen Menschen dazu, mindestens 30 Minuten zu verschwenden. Denn seien wir ehrlich, eine Aufgabe in zwei Minuten wieder ans Laufen zu bekommen ist schlicht unmöglich. Geplante Unterbrechungen sind aber noch schlimmer.

Der Computerwissenschaftler Paul Graham beschreibt den Unterschied zwischen den Zeitplänen der Macher und denen der Manager. Er erläutert wie Meetings – also geplante Unterbrechungen – einen ganzen Nachmittag sprengen können.

I find one meeting can sometimes affect a whole day. A meeting commonly blows at least half a day, by breaking up a morning or afternoon. But in addition there’s sometimes a cascading effect.

Wir haben einen Blick auf die Reddit-Diskussion geworfen, die das Revival des Unterbrechungsthemas gestartet hat und haben die populärsten Meinungen zusammengestellt.

Brauchen wir wirklich mehr Kommunikation?

Eine der populärsten Meinungen vertrat der Redditor dimnakro: „Das typische Software-Unternehmen braucht nicht mehr Kommunikation, sondern bessere Kommunikation.“ Andere brachten die Frage auf, ob das Problem in der steigenden Anzahl von Kommunikationskanälen liege. Dies sei nicht das Problem, erklärte MotherofTheShizznit, der der Meinung ist, dass es am wichtigsten sei, eine Umgebung zu schaffen, in der sich jeder traut seine Meinung zu sagen. Er gab außerdem zu bedenken, dass Kommunikation zu stärken oft falsch interpretiert wird als „Unterbrechungen einfacher machen“. Viele stimmten zu, dass der beste Weg die wahren Kosten von Unterbrechungen zu beschreiben ein Comic von Jason Heeris sei.

Radixdiaboli verlor einen kompletten Tag, an dem er auf E-Mails antwortete, die ein Feature in Frage stellten, das jeder, der die App genutzt hat, gewollt hatte. Entwickler teilten ihre frustrierendsten Geschichten über die Entscheidung von Unternehmen immer mehr auf Open Space – also Großraumbüros – zu setzen, die voller Krach und Ablenkungen sind. Ein Himmel für Unterbrechungen, aber ein Albtraum für all jene, die versuchen ihre Aufgaben zeitnah zu erledigen.

Ein anderer Redditor verglich Unterbrechungen mit dem Aufblasen eines Ballons: Wenn man damit aufhört den Ballon aufzupusten, weil man mit jemandem spricht, entweicht die Luft und jeglicher Fortschritt ist verloren. Tolley verglich Entwickeln mit Träumen, weil man nicht einfach direkt ein einen Traum hineinspringen kann. Man hat seine Zubettgeh-Rituale, dann legt man sich hin und schläft ein. Wenn man schläft träumt man vielleicht. Erst wenn man träumt, kann man Landschaften und Situationen kreieren. Wenn man von jemandem aufgeweckt wird, kann man zwar wieder einschlafen, aber man landet nicht unbedingt wieder in der gleichen Traumsituation. Währenddessen nannte ein Redditor namens Atario Scrum eine verrückte Krankheit.

Unterbrechungen verhindern

Dixond teilte einen Trick mit der Community, der Entwicklern dabei helfen kann, das Problem mit Unterbrechungen Nicht-Entwicklern zu erklären.

Man schreibe eine Liste von Zahlen untereinander, zum Beispiel:

2341

6545

3457

2384

2524

+ 9867

Gerne auch etwas länger als das Beispiel. Dann soll der anderen die Zahlen im Kopf addieren und man soll die Person mit Fragen und Sätzen unterbrechen, die Zahlen enthalten: „Hast du schon fünf von den Zahlen zusammengerechnet?“, „Wie viele Teller hast du heute morgen abgewaschen?“. Die meisten Menschen werden diese Aufgabe unglaublich schwierig finden. An diesem Punkt kann man erklären, dass es sich genauso anfühlt als Entwickler dauernd bei einem schwierigen Problem unterbrochen zu werden. Jedes Mal muss man wieder von vorne anfangen.

Leachmanh vertritt die Auffassung, dass man Zeit reservieren sollte, in der man nicht unterbrochen werden darf, um Unterbrechungen zu vermeiden. Außerdem sollte das Management Unterbrechungen in dieser Zeit abstrafen. Falls doch jemand unterbricht, solle man ihnen mindestens 15 Sekunden lang erklären, an welcher Aufgabe man gerade saß.

Andere machten die Vorschläge Aufgaben zu priorisieren, eine Person zu bestimmen, die darüber entscheidet, ob das Problem wichtig genug ist die Entwickler zu unterbrechen, oder Tools wie Slack oder Skype inklusive der „Do not disturb“-Funktion zu nutzen, um auf Anfragen zu reagieren, wenn es in den Zeitplan passt. Einige ziehen es vor, vor einem Meeting nur E-Mails zu checken, leichtere Aufgaben zu erledigen oder gleich ganz von Daheim aus zu arbeiten. Andere wiederum arbeiten nachts, aber geben zu, dass das kein gesunder Ansatz ist, da er zu Burnout führen kann.

Obwohl die Mehrheit darin übereinstimmt, dass Unterbrechungen einen Preis haben, gab es auch vereinzelte Stimmen, die produktiv sein können auch wenn sie öfter unterbrochen werden. Viele empfinden Meetings wie Stand-ups als notwendiges Übel. Was denken Sie?

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Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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