Kryptonit für jeden Entwickler

Und da war der Gedanke weg – was Unterbrechungen kosten

Gabriela Motroc

© Shutterstock.com / Johnny Habell

Im Schnitt brauchen Menschen 23 Minuten, um nach einer größeren Unterbrechung wieder in eine Aufgabe zurückzufinden. Aber für Entwickler ist es noch schlimmer. Die brauchen mindestens zehn Minuten mehr bis sie wieder damit anfangen Code zu schreiben. Das ist eine verlorene halbe Stunde. Noch schlimmer ist es, wenn die Unterbrechung geplant ist.

Wenn Sie zwei Stunden durcharbeiten können, ohne unterbrochen zu werden, schätzen Sie sich glücklich. Laut einem Artikel von Chris Parnin im Game Developers Magazine verlieren Entwickler mehr Zeit, wenn sie unterbrochen werden, als Menschen in anderen Branchen. Die Zeit, die Entwickler abseits ihrer Aufgabe verbringen sei direkt proportional zu der Zeit, die sie brauchen, um sich wieder in ihre Aufgabe einzufinden.

Das Game Developer Magazine hat 10.000 Programmier-Sessions von 86 Entwicklern analysiert, die Eclipse oder Visual Studio nutzen. Außerdem interviewte das Magazin 414 Entwickler. Mit dem Ergebnis, dass ein Entwickler bis zu 15 Minuten braucht bis er nach einer Unterbrechung wieder damit beginnt Code zu schreiben. Wenn Entwickler beim Editieren einer Methode unterbrochen werden, schaffen es nur 10 Prozent in weniger als einer Minute wieder mit dem Coden zu beginnen. Außerdem verfügen Entwickler über maximal eine zweistündige ununterbrochene Programmier-Session pro Tag.

Lesen Sie auch: Nachtaktiv: Warum Entwickler den Tag meiden

Außerdem fand das Magazin heraus, dass es am schlimmsten ist unterbrochen zu werden, wenn der „Memory Load“ am höchsten ist; wenn also besonders konzentriert gearbeitet wird. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist, dass sich die negativen Folgen von Unterbrechungen verringern lassen, wenn es Entwicklern möglich ist, bis zu einem guten Punkt für die Unterbrechung weiterzuarbeiten – also einen Gedanken zu Ende zu denken. Der Übergang von einer hochkonzentrierten Phase zu einer wenigen konzentrierten ist jedoch niemals folgenlos.

Geplante Unterbrechungen vs. ungeplante Unterbrechungen

Das ungeplante Unterbrechungen schlecht sind, kann jeder bestätigen. Aber was ist mit geplanten? Wenn man weiß, dass man später ein Meeting hat, ist der ganze Tag im Eimer, weil man unbewusst daraufhin arbeitet die Aufgabe bis dahin abzuschließen. Der Computerwissenschaftler Paul Graham hat sich mit den Unterschieden zwischen den Zeitplänen der Macher und denen der Manager beschäftigt. Er zeigt auf, wie Meetings einen ganzen Nachmittag verpuffen lassen können.

When you’re operating on the maker’s schedule, meetings are a disaster. A single meeting can blow a whole afternoon, by breaking it into two pieces each too small to do anything hard in. Plus you have to remember to go to the meeting. That’s no problem for someone on the manager’s schedule. There’s always something coming on the next hour; the only question is what. But when someone on the maker’s schedule has a meeting, they have to think about it.

Graham hebt außerdem hervor, welchen negativen Einfluss Meetings auf die Motivation haben können.

I find one meeting can sometimes affect a whole day. A meeting commonly blows at least half a day, by breaking up a morning or afternoon. But in addition there’s sometimes a cascading effect. If I know the afternoon is going to be broken up, I’m slightly less likely to start something ambitious in the morning. I know this may sound oversensitive, but if you’re a maker, think of your own case. Don’t your spirits rise at the thought of having an entire day free to work, with no appointments at all? Well, that means your spirits are correspondingly depressed when you don’t. And ambitious projects are by definition close to the limits of your capacity. A small decrease in morale is enough to kill them off.

Manche Entwickler gehen dazu über lieber nachts zu arbeiten, um Unterbrechungen zu entgehen. Aber das ist natürlich ein Work-around und keine Lösung. Außerdem brauchen auch Entwickler ihren Schlaf, um nicht einem Burnout zum Opfer zu fallen. Also, was nun?

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Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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2 Kommentare auf "Und da war der Gedanke weg – was Unterbrechungen kosten"

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Daniel
Gast

Wer bei uns einen Termin plant, sieht die Verfügbarkeit der gewünschten Teilnehmer und ist gezwungen möglichst darauf Rücksicht nehmen.

Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, meinen Kalender mit Zeitblöcken zu füllen, an denen ich ungestört arbeiten will. Für Außenstehende sieht es so aus als hätte ich einen anderen Termin. Wenn es wirklich wichtig ist, dann wird eh keine Rücksicht auf mich genommen und ich kann immernoch entscheiden dann doch teil zu nehmen.

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[…] Stark betroffen sind zum Beispiel Software-Entwickler, sie brauchen noch länger um wieder zum Ausgangspunkt vor der Unterbrechung zurückzukommen. Arbeiten Sie vielleicht deshalb gerne lieber nachts, wenn die Störungen am wenigsten sind? Ein interessanter Artikel dazu hier. […]