Übersetzen und Lokalisieren ist nicht das Gleiche

Fachwissen ergänzt Sprachkenntnisse

Für eine qualitativ hochwertige, technische Lokalisierung ist neben den kulturellen Gesichtspunkten aber auch ein besonderes Fachwissen über technische Hintergründe erforderlich. Eine Fremdsprache fließend zu sprechen, befähigt beispielsweise nicht automatisch dazu, die Bedienungsanleitung für einen Bohrturm erstellen zu können. Höchste Qualität bei der Lokalisierung kann nur mit Muttersprachlern erreicht werden. Zudem sollte der Übersetzer auch in dem Land leben, für das er lokalisiert, denn nur so bekommt er aktuelle Sprachentwicklungen hautnah mit.

Auch die Qualität des Ausgangstextes hat Einfluss auf das Lokalisierungsprojekt. Oft dokumentieren jene Personen Bedienungsanleitungen oder Softwareanwendungen, die mit der Entwicklung beschäftigt waren. Ihnen fällt es jedoch nicht immer leicht zu beschreiben, wie das, was sie entwickelt haben, bedient wird. Sie setzen oft Wissen voraus, das nicht bei allen Endbenutzern vorhanden ist. Ist also der Ausgangstext nicht aus der richtigen Perspektive geschrieben und dadurch für den Bediener unverständlich oder generell unlogisch aufgebaut, gestaltet sich die Arbeit der Übersetzer entsprechend kompliziert. Daher trägt die Person, die den Ausgangstext erstellt, eine besondere Verantwortung für den weiteren Verlauf der Lokalisierung.

Bei allen Projekten ist darüber hinaus ein besonderer Weitblick gefragt. Änderungen in letzter Minute, beispielsweise bei neuen technologischen Entwicklungen, lösen gegebenenfalls eine Änderungsflut an den bereits lokalisierten Texten aus. Selbst wenn sich nur ein einziger Begriff in der Ursprungsversion ändert, muss diese Änderung in allen Projektbereichen, etwa der parallel erstellten Onlinehilfe oder einer Dokumentation, übernommen werden. Damit verbundene Erklärungen oder Abhängigkeiten müssen ebenfalls angepasst werden. Bei Lokalisierungsprojekten, die in mehrere Sprachen gleichzeitig zu übersetzen sind, müssen Änderungen am Basistext für jede Sprache separat überprüft und berücksichtigt werden.

Sorgsame Vorbereitung

Wenn Projekte über eine reine Übersetzung hinausgehen, gestalten sie sich sehr speziell. So wird gelegentlich gewünscht, dass ein bestimmtes „Corporate Wording“ mit der Übersetzung in Einklang gebracht werden muss. Formulierungen, die von Marketingabteilungen geprägt wurden, sollen sich unbedingt auch im lokalisierten Text wieder finden. Dies kann der Fall sein, wenn beispielsweise ein Onlineportal auf eine weltweit einheitliche Plattform umgestellt werden soll und dadurch allen Nutzern einheitliche Funktionen und Werkzeuge zur Verfügung stehen sollen. Hier gilt es, unterschiedlichste Wünsche und Vorgaben aufeinander abzustimmen. Ein gemeinsamer Workshop vor Beginn der Übersetzung und das daraus erarbeitete gegenseitige Verständnis der Firmen, Aufgaben und Abhängigkeiten können ein wichtiger Bestandteil für die erfolgreiche Zusammenarbeit sein.

Der Projektmanager bildet den Mittelpunkt eines jeden Projekts. Er kommuniziert mit dem Kunden, entwickelt den Projektplan, bildet das Projektteam, überwacht die Qualität, die Termine und das Budget. Grundsätzlich werden die übergeordneten Aufgaben wie Kommunikation, Verwaltung, Analyse, Vorbereitung, Nachbereitung und so weiter kundennah abgewickelt, also in dem Land, in dem der Kunde sich befindet. Alle sprachlichen Arbeiten werden später hingegen in den jeweiligen Ländern von Muttersprachlern durchgeführt.

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