Überlegungen zur Gründung einer NetBeans Foundation

Hartmut Schlosser

NetBeans ist mehr als eine Open-Source-Entwicklungsumgebung. NetBeans ist auch eine Plattform für Swing-Anwendungen, also ein generisches Framework, das ähnlich wie die Eclipse-Plattform immer wiederkehrende Aufgaben wie Fenstermanagement, Menüeinrichtung, Toolbar-Verwaltung übernehmen kann.

Etliche Unternehmensanwendungen basieren bereits auf der NetBeans-Plattform (siehe NetBeans Platform Showcase). Doch wie es mit NetBeans (insbesondere als Applikations-Plattform) weitergehen wird, scheint ungewiss. NetBeans fiel Oracle bei der Sun-Übernahme ja sozusagen als Nebenprodukt in den Schoß, ohne dass bisher klar geworden wäre, wie Oracle die NetBeans-Plattform weiter voran bringen will.

Und so fragt NetBeans-Entwickler Geertjan Wielenga in seinem jüngsten Blogeintrag, wie man zur Zukunftssicherung von NetBeans Geld mit der Plattform verdienen könnte, welches dann zurück in die Plattform-Entwicklung fließen würde.

Vier Methoden stellt Wielenka in den Raum:

  • Methode 1: Den Download der NetBeans-Plattform kostenpflichtig machen.
  • Methode 2: Die NetBeans-Plattform kann weiter frei genutzt werden, wer allerdings darauf aufsetzende Anwendungen vermarkten möchte, muss Gebühren bezahlen.
  • Methode 3: Die Nutzung der Mailing-Liste und des Wikis der NetBeans-Plattform kostenpflichtig machen.
  • Methode 4: Die Etablierung einer NetBeans-Foundation, in der Mitgliedsunternehmen gegen Zahlung Einfluss auf die Weiterentwicklung der NetBeans-Plattform hätten.

Besonders für den vierten Ansatz plädiert Wielenga. Erstens richte sich die NetBeans-Plattform so stärker an den Business-Interessen bzgl. eines produktiven Industrie-Einsatzes aus. Zweitens erhielte die Entwicklung einer generischen Business-Plattform auf NetBeans-Basis einen Schub. Drittens würden die Mitgliedsunternehmen einer NetBeans-Foundation verpflichtet (oder dazu ermuntert), Entwickler zum Ausbau der NetBeans-Plattform abzustellen.

In den Kommentaren zu Wielengas Blog werden die Ansätze 1-3 ziemlich deutlich abgelehnt. Die Einführung von Kosten jeder Art für die Nutzung der NetBeans-Plattform halten die meisten für kontraproduktiv:

What I would completely dislike is the variant where I would have to pay for a number of seats, deployments or users of a platform application. I think a open source application shouldn’t raise its funding through „plain old license fees“. t3_chris

I have already invested a great deal of time for a personal open source project built on top of Netbeans with the idea that it was a free and open system; if it became mandatory to pay for using Netbeans RCP then I would likely abandon it, as well as be more than a little upset. It may make Oracle some money, but I imagine Oracle would also lose face in the community as well. Steven Yi

Das Anbieten kostenpflichtiger Schulungen, Konferenzen, Dokumentationsmaterial, Premium-Support seien bessere Möglichkeiten, mit NetBeans Geld zu verdienen.

But, if it would be an option to pay some amount and get some kind of premium support/premium documentation/premium features/you-name-it this would be indeed great! Steven Yi

Die Idee der Etablierung einer NetBeans-Foundation erhält dagegen allgemein gute Kritiken. Emilian Bold, Mitglied des NetBeans Dream Teams, antwortet auf Wielengas Vorschlag z.B. mit einem eigenen Blogposting, in dem er feststellt: Schon Sun habe die NetBeans-Plattform eher stiefmütterlich behandelt – und die Gefahr sei durchaus gegeben, dass Oracle in der Sache ebenfalls keinen Handlungsbedarf sehe. Warum dann nicht die Handlungsmacht einer (mehr oder minder unabhängigen) Foundation übertragen?

The first thing I would like to see is the NetBeans Foundation which would be a central authority that cares about the future of the NetBeans Platform (and IDE, actually — it makes no sense to have the Foundation just for the Platform).

Because when NetBeans was under Sun, the Platform wasn’t seen as something worth monetizing. Under Oracle, we worried weather they will pull the plug or not (given Oracle has their own IDE and supports Eclipse too).

So, the first thing would be to have an actual entity in charge of this — something legal, not some website or imaginary construct. This entity would want to get our money and will support itself in various forms: donations, support, stakeholder fees or various subscriptions. Emilian Bold

Die Frage sei allerdings: Weshalb sollte Oracle die Kontrolle über NetBeans aufgeben wollen?

If only Oracle pays, they will be reluctant to allow the Foundation happen (actually they still might, for tax purposes). If NetBeans is a loss leader, can Oracle really afford losing total control ? Emilian Bold

Was halten Sie von der Idee? Lässt sich das Modell einer Open-Source-Foundation à la Eclipse auf NetBeans übertragen?

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Hartmut Schlosser
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