Eclipse & Academia: Ein Gespräch mit Robert Vogelsang

Über die Kluft zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Aufgrund ihrer offenen Natur kommen Open-Source-Projekte stark in Lehre und Forschung zum Einsatz, finden aber immer häufiger auch ihren Weg in Unternehmen der freien Wirtschaft. Dabei haben solche Projekte, die professionellen Anforderungen gerecht werden, das Potenzial, eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu schlagen. Etwa bietet das in Eclipse-basierten Universitätsprojekten angeeignete Wissen gute Vorraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg in Unternehmen, die ebenfalls auf Eclipse-Technologie setzen. Robert Vogelsang von der Universität Duisburg-Essen spricht über Wege von der Wissenschaft in die Wirtschaft.

JAXenter: Hallo Herr Vogelsang. In welchen Bereichen ist Eclipse an der Informatik-Fakultät der Universität Duisburg-Essen im Einsatz?

Robert Vogelsang: Dank der Eclipse-Foundation steht Studenten mit Eclipse eine mächtige und quelloffene Entwicklungsumgebung unter EPL-Lizenz zur Verfügung. Auf Grund des Verbreitungsgrads von Eclipse existieren zahlreiche Tutorials, sodass Studenten bei akuten Problemen im Rahmen ihrer Projekte oder Übungen oft auf bereits vorhandene Lösungen zurückgreifen können oder schnelle Hilfe in Foren bzw. Communities erhalten. An unserer Universität werden sowohl Master- als auch Bachelorstudiengänge für Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik – Systems Engineering angeboten, für die der Einsatz von Eclipse gewissermaßen prädestiniert ist. Die Verwendung von Eclipse in anderen Fachbereichen ist mir darüber hinaus nicht bekannt.

In Grundlagenvorlesungen werden oft zunächst einfachere IDEs verwendet, um die Studenten nicht mit den zahlreichen Funktionalitäten der Eclipse IDE zu überfordern -aber auch, damit grundlegende Programmierkonzepte verstanden sowie „per Hand“ und nicht über die Verwendung der sonst so praktischen Templates erlernt werden.

Im Übrigen kommt Eclipse in weiterführenden Vorlesungen und Übungen zum Einsatz, die entweder im weiteren Sinne etwas mit imperativer Programmierung oder Softwareentwicklungsprozessen im Allgemeinen zu tun haben, bei denen eine praktische Anwendung sinnvoll ist.

So kommt Eclipse für die aspektorientierte Programmierung mit AspectJ zum Einsatz, wobei AspectJ die einzige aspektorientierte Implementierung ist, die auch außerhalb akademischer Einrichtungen verwendet wird.

In Vorlesungen zu betrieblichen Informationssystemen werden mit Eclipse Webservices realisiert, wofür zum einen ein visueller Editor für die Interface-Definition und zum anderen ein BPEL-Plug-in verwendetet wird, mit dem ebenfalls über einen visuellen Editor Webservices orchestriert werden können (Visual Flow Composition). Hinzu kommt die Verwendung von Wizards für die Bottom-Up- bzw. Top-Down-Realisierung, die komfortabel das Deployment auf einen Webserver übernehmen, aus vorliegendem Code Webservice-Interfaces generieren oder aus exisitierenden Webservice-Interfaces Code-Skeletons erstellen.

Zudem werden auch noch Java-RMI-Anwendungen sowie J2EE-Architekturen mit Eclipse realisiert.

Das Eclipse Plug-in TeXlipse wird von einigen studentischen als auch wissenschaftlichen Mitarbeitern als LaTeX-Editor verwendet.

Ergo unterstützt Eclipse die Lehre an unserer Universität in großem Umfang, da es frei zur Verfügung steht, eine Vielzahl von Plug-ins vorliegen und die Plattform für unterschiedliche Gebiete und Zwecke einsetzbar ist. Somit müssen Studenten sich nicht mit zu vielen unterschiedlichen IDEs auseinandersetzen. Eclipse motiviert zum Einsatz, da die IDE nicht bloß zur Unterstützung der Lehre, sondern insbesondere auch in professionellen Projekten genutzt wird und sich so für die spätere Verwendung in der Praxis qualifiziert.

JAXenter: Sie selbst arbeiten im Rahmen Ihres Studiums an einem Eclipse-basierten Projekt. Können Sie das Projekt kurz vorstellen?

Robert Vogelsang: Mit dem MEMOCenterNG wird ein Werkzeug für die Unternehmensmodellierung entwickelt, das die Anwendung der Multi-Perspective Enterprise Modeling (MEMO) Method nach Ulrich Frank [1] in einem Eclipse-basierten Werkzeug ermöglicht.

Grundgedanke von MEMO ist, dass verschiedene Sichten auf ein Unternehmen mit Hilfe domänenspezifischer Modellierungssprachen (DSML) abgebildet werden. Innerhalb der MEMO-Spracharchitektur dient die Meta Modeling Language (MML) als Metasprache dazu, andere domänenspezifische Modellierungssprachen zu spezifizieren. Die Integration zwischen den unterschiedlichen Sprachen geschieht innerhalb von MEMO mittels der MML über die Verwendung gemeinsamer Konzepte.

Als Basis für die Entwicklung dienen das Graphical Modeling Framework (GMF), das Eclipse Modeling Framework (EMF) und das Graphical Editing Framework (GEF).

Die im MEMOCenterNG implementierte Metamodellierungssprache MML ist im Kern durch die vom EMF bereitgestellte Sprache Ecore abgebildet. Über die Spezifikation in Ecore wird mittels des GMF ein grafischer Editor für die MML realisiert.

Mit diesem Editor erstellt der Benutzer ein MML-Modell einer Sprache und weist den Sprachkonzepten Notationselemente zu. Daraus wird mittels Code-Transformationen ein neuer Editor für die modellierte Sprache erzeugt.

Neben der Unterstützung der Sprachspezifikation zur Entwicklung von Modellierungssprachen im Kontext von MEMO werden mit dem Werkzeug im Rahmen der Lehre die Grundlagen konzeptueller Modellierung vermittelt. Dazu stehen erzeugte Editoren beispielsweise für Datenflussdiagramme, ERM, UML-Klassendiagramme und die OrgML zur Verfügung. Die OrgML ist Bestandteil der MEMO-Methode und ermöglicht die Modellierung von Geschäftsprozessen.

Die Tasks zur Weiterentwicklung bzw. Fehlerbehebung des MML-Editors und der MEMO-Methode werden über Bugzilla und die Versionierung über Subversion verwaltet. Für beides existieren Eclipse-Plug-ins, welche die Verwendung direkt innerhalb der IDE ermöglichen und mit zusätzlichen integrativen Funktionen vereinfachen.

Die MEMO-Methode und das Werkzeug werden im Rahmen der laufenden Forschung und dem wissenschaftlichen Diskurs stetig weiterentwickelt.

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