Schlüsseltechnologie Application Portfolio Management

Transparenz statt Eisberg

Martin Bordt, Executive Consultant bei Micro Focus in Ismaning

In vielen Unternehmen lässt die IT Transparenz vermissen – oft werden grundlegende Kennzahlen nicht erfasst. Wichtige Entscheidungen müssen daher auf Basis vager Vermutungen getroffen werden. Mit dem Application Portfolio Management (APM) stehen heute Verfahren zur Verfügung, mit denen sich auch komplexe IT-Landschaften umfassend analysieren und bewerten lassen.

Die IT weiß alles. In einem modernen Unternehmen passiert kaum etwas, das nicht von der IT erfasst wird: Welche Maschine produziert wann wie viel Ausschuss? Welches Fahrzeug ist wo im Einsatz? Welche Artikel sind in welcher Niederlassung seit wann vorrätig? Wie viele Tage lässt sich der Kunde mit der Zahlung Zeit? Welche Suppe findet in der Kantine den meisten Zuspruch? Für jede denkbare Fragestellung gibt es mindestens drei Reports oder Dashboards, die jede Einzelheit aufschlüsseln. Längst ist das Hauptproblem des Managements, wie sich die überbordende Fülle von Informationen strukturieren und kanalisieren lässt.

Mithilfe der IT sind heute sämtliche Vorgänge im Unternehmen in hohem Maße transparent geworden. Weitaus weniger scheint Transparenz jedoch gefragt zu sein, wenn es um die eigenen Belange geht. Über sich selbst weiß die IT nämlich sehr viel weniger als über den Rest des Unternehmens. Grundlegende Größen für die Beurteilung der Rolle der IT sind mehr oder weniger unbekannt. Während man die Hardware noch einigermaßen einfach inventarisieren kann, ist bei der Software schon die bloße Bestandaufnahme schwierig, zumal Eigenentwicklungen bilanz­rechtlich nicht aktiviert werden können. Und was bilanziell nicht fassbar ist, scheint für manchen gar nicht mehr zu existieren.

Dementsprechend haben viele Unternehmen nur sehr vage Vorstellungen über die von ihnen angeschafften oder selbst entwickelten Applikationen, Konfigurationen, Strukturen, Testumgebungen, die in der Summe die Software-Assets bilden, die doch im modernen Unternehmen das Rückgrat aller Geschäftsprozesse darstellen. Eine vom Marktforschungsinstitut Vanson Bourne durchgeführte Befragung von CIOs und CFOs in Europa und den USA bestätigte dies durch einige doch recht erstaunliche Resultate:

  • Fast zwei Drittel der Befragten kennen den Umfang ihrer Software-Assets überhaupt nicht.
  • Weniger als die Hälfte hat überhaupt schon einmal versucht, den finanziellen Wert der Software-Assets zu ermitteln.
  • Knapp ein Drittel weiß nicht, wie viel Geld pro Jahr dafür ausgegeben wird.
  • Nur 20 bis 30 Prozent sind der Ansicht, dass die Software-Assets im Vergleich zu anderen Asssets richtig bewertet sind.

Für deutsche Unternehmen ergaben sich im internationalen Vergleich zwar etwas bessere Werte, aber auch ein Viertel der deutschen Unternehmensleitungen kennt die jährlichen Ausgaben für Software-Assets nicht. So wissen beispielsweise 40 Prozent nicht, welchen Umfang diese Assets in ihrem Unternehmen einnehmen. Insgesamt musste mehr als die Hälfte der Befragten einräumen, dass die Bewertung des Softwarebe­stands im Vergleich zu anderen Unternehmensbereichen nur wenig Beachtung findet. Während also in anderen Unternehmensbereichen sämtliche Posten detailliert untersucht und bewertet werden, begnügt man sich bei der Software mit Vermutungen. Eine umfassende, methodisch fundierte Evaluierung der Assets von Aufwand und Ertrag, wie sie in anderen Unternehmensbereichen längst üblich ist, findet in der IT nur selten statt. Kaum jemand kann angeben, welchen konkreten Beitrag eine bestimmte Applikation zum Unternehmenserfolg leistet.

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Martin Bordt, Executive Consultant bei Micro Focus in Ismaning
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