Eclipse-Themen zogen sich auf der JAX quer durchs Programm

Total Eclipse of the JAX

Auf der diesjährigen JAX gab es zwar wieder speziell für Eclipse-Themen reservierte Slots und Tage, doch war Eclipse – ähnlich wie JavaFX – noch in zahlreichen weiteren Panels und Sessions vertreten. Auf der Eclipse-Agenda der JAX standen neben traditionellen Themen wie Modeling und Plug-in-Entwicklung auch neuere Bereiche wie der Brückenschlag zwischen Eclipse und JavaFX, M2M oder Entwicklung im Browser.

Ist es überhaupt noch möglich, die JAX-Sessions mit Eclipse-Bezug in einem Eintrag zusammenzufassen? Schließlich wurde wieder einmal deutlich, dass Projekte aus der Mitte der Eclipse-Community sich „all over the place“ ansiedeln. Man muss Lars Vogel also respektieren für das Wunderwerk, in seiner Traditions-Session „What‘s hot in Eclipse?“ einen Abriss über das zurückliegende Eclipse-Jahr zu präsentieren,  Kurzporträts neuer Projekte inklusive.

Dass die Eclipse Community dennoch nach wie vor eine „Union“ ist, worauf der Titel einer Panel-Diskussion (mit Kai Tödter, Lars Vogel, Martin Lippert, Tom Schindl und JAX Conference Chair Sebastian Meyen) verwies, liegt auch an den Simultaneous Releases, die immer Ende Juni stattfinden – in diesem Jahr „Kepler“. Hier ziehen die Committer der meisten Projekte nach wie vor an einem Strang.

Lars Vogel bei seiner traditionellen Überblicks-Session „What’s hot in Eclipse?“

JAXtendFXclipse

Vom JavaFX-Fieber, das auf der JAX spürbar war, hat sich die Eclipse-Welt anstecken lassen. Und so gab es auf den Eclipse Days der JAX einige Talks an der Schnittstelle zwischen Eclipse und JavaFX. Besonders stark gefunkt hat es zwischen der UI-Technologie und der statisch getypten JVM-Sprache Xtend. Vor kurzem wurde Xtend um sogenannte „Active Annotations“ erweitert. Diese ermöglichen es dem Entwickler, bei der Übersetzung von Xtend-Code in Java-Code mitzuwirken. In der Session „Xtended JavaFX“ zeigten Sven Efftinge, einer der Erfinder von Xtend, und Tom Schindl, wie sich JavaFX-Applikationen mit Xtend entwickeln lassen. Schließlich ist der große Vorteil von Xtend gegenüber Java, dass sich damit schneller und einfacher programmieren lässt, die Sprache aber in lesbaren Java-Code übersetzt. Was liegt also näher, als mit Xtend auch an die JavaFX-Entwicklung anzudocken?

Tom Schindl hielt eine weitere Session zu e(fx)clipse, das JavaFX-Tooling für Eclipse, das im vergangenen Jahr begeistert von der Community aufgenommen wurde. Im Interview erklärte er, was dieses Tooling alles kann.

Auch Kai Tödter gab eine Session zur „perfekten Ehe“ zwischen JavaFX 2 und der Eclipse 4 Application Platform. Er zeigte, wie sich mithilfe der JavaFX-2.x/Eclipse-4.x-Integration zeitgemäße und sehr individuelle Desktop-UIs entwickeln lassen. Schließlich sind die Anforderungen von Kunden nicht nur sehr spezifisch, sondern folgen auch dem UI-Zeitgeist. Und da Swing nicht mehr weiterentwickelt wird, sondern nur noch im Instandhaltungsmodus erhalten bleibt, ist die JavaFX-Technologie, an der der Speaker das konsistente Programmiermodell besonders schätzt, die erste Wahl. Für alle, die mehr dazu lesen wollen: Im Eclipse Magazin 2.13 war die Eclipse-JavaFX-Symbiose Titelthema.

Innovation = Web

Glaubt man Martin Lippert, so findet echte Innovation derzeit vorwiegend im Browser statt. Mit HTML5, CSS und UI Rendering Engines bieten Chrome, Firefox & Co. beste Voraussetzungen für gute Software: „Ein Großteil unserer Entwicklung ist schon im Web“, erläuterte er mit Verweis auf Technologien wie Bugzilla, Hudson, Jenkins, Gerrit und den Bereich der Dokumentation (siehe Eclipse Intent). Diese Ansicht teilen viele Eclipse-Committer, etwa die Projektleiter von Eclipse Lyo (siehe Interview im Eclipse Magazin 3.13: „Toolentwicklung verlagert sich ins Web und in die Cloud“). So waren serverseitige Webanwendungen mit OSGi und dem UI-Framework Vaadin – mit denen Kai Tödter den Slot des ausgefallenen Gunnar Wagenknecht füllte – auch dieses Mal wieder ein spannendes Thema und alles andere als ein Lückenbüßer – zumal Vaadin im Februar in der lang ersehnten Version 7 erschienen ist.  

 Lippert selbst nahm in seinem Talk die Browser-IDE Orion, die auf den letzten EclipseCons zu den meistbehandelten Themen zählte, unter die Lupe. Orion ist ein Paradebeispiel für die Ausdehnung des Wirkungs- und Einflussbereichs von Eclipse: Statt einfach die Desktop-IDE eins zu eins im Browser zu replizieren, setzten die Orion-Entwickler von Anfang an auf völlig neue Konzepte – zunächst einmal mit „null Komma null Unterstützung für Java“ (Lippert). Der Fokus liegt naturgemäß auf JavaScript, CSS und HTML. Aber, wie der Speaker betonte: Man muss sich keineswegs von vornherein auf eine Technologie oder ein Anwendungsfeld einschießen. So erinnerte er daran, dass das Eclipse-Java-Tooling ursprünglich nur ein Beispiel für einen Anwendungsbereich der Eclipse-IDE darstellte. Gleiches gelte für Orion. Welche Erweiterungen die Browser-IDE zukünftig erfahren wird und in welche Bereiche das Tooling vordringt (man denke an Mozillas Scratchpad Tool), steht also buchstäblich noch in den Sternen. Man darf gespannt sein.

M wie Modeling oder M wie Machine?

Wenn in diesen Tagen von „M2M“ die Rede ist, denkt dann eigentlich noch jemand an „Model-to-Model“ – oder beansprucht das Trendthema „Machine to Machine“ dieses Kürzel nun ganz für sich? In Mainz kam es wohl darauf an, an welchen Tagen man die JAX besuchte: Im Rahmen des Embedded Experience Day wurde am Mittwochabend für die Eclipse M2M (hier: Machine to Machine) Working Group, vertreten durch Benjamin Cabé, die Keynote-Bühne frei gemacht. Die technische Session dazu gab es am Donnerstag.

Keynote-Speaker Benjamin Cabé: technische Session über M2M

Mehr über die Zukunftspläne der Eclipse-M2M-Projekte erzählte uns Benjamin Cabé im JAX-Interview.

Am Freitag fand der bewährte „Eclipse Modeling Day“ statt, organisiert und moderiert von Eike Stepper und Ed Merks. 

Produktiver dank Plug-ins

Plug-ins, die in Jörg Bächtigers Talk am ersten Eclipse Day auf dem Programm standen, sind nicht nur ein nützliches Stückchen Software, sondern auch ein treffendes Bild, um die zahlreichen neuen Initiativen und Projekte der Eclipse Foundation zu beschreiben, die das Ökosystem nach und nach erweitern. Manch einer mag angesichts des breiten Terrains, das man damit absteckt, den Kopf schütteln (und tut es auch). Andererseits kann niemand bestreiten, dass alle Projekte hervorragend integriert und betreut werden. Außerdem lohnt es sich zu bedenken, was Bächtiger in seinem Abstract über Plug-ins schreibt: Sie „können die Produktivität und die Qualität der Arbeit jedes einzelnen Entwicklers erheblich steigern.“

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