Für große Hände schwierig

Testbericht: Happy Hacking Keyboard Pro 2

Michael Simons

© Shutterstock / eelnosiva

Wer an das Programmieren und Entwickeln von Software denkt, der denkt vor allem an IDEs, Plattformen und Code-Editoren. Doch auch die Hardware kann das Entwicklungserlebnis nachhaltig beeinflussen. Unser Experte Michael Simons hat sich deswegen das Happy Hacking Keyboard Pro 2 von PFU Limited einmal genauer angeschaut und es einem Praxistest unterzogen.

Nun sitze ich hier mit einer unangenehmen Aufgabe. Bereits vor einiger Zeit hat mich der gute Dominik Mohilo (Red. bei JAXenter) gefragt, ob ich einen kurzen Bericht beziehungsweise Test zum Happy Hacking Keyboard Pro 2 schreiben könnte. Nach kurzem Hin und Her habe ich zugesagt.

Der Herstelle der Tastatur schreibt, dass das Happy Hacking Keyboard Professional 2 (im folgenden HHKB) eine völlig neue Definition einer professionellen Tastatur darstellt: Mit einer nahezu symmetrischen Tastaturbelegung und dem zylindrisch geformten Gehäuse soll Ermüdungserscheinungen vorbeugt werden. Es ist die Reden von „Topre-Schaltern“, die aus „mechanischen, konischen Federn, Gummikuppeln und einem elektrostatischen kapazitiven Sensor“ bestehen und die natürlich ein „charakteristisches ‚Tock‘-Geräusch“ erzeugen. On top: Es hat das Sun Type 3 Keyboard-Layout.

Erster Eindruck: „Ist das winzig!“

Mein erster Eindruck: „Um Himmels Willen, ist das winzig…! Und warum sind die Tasten schwarz-in-schwarz?“ Ich höre schon die Stimmen: „Michael, ein Java-Champion, der bedruckte Tasten benötigt?“ – Ja, tut er. Ich schreibe zwar fast blind, aber halt nicht immer und ich finde es praktisch.

Natürlich kann die Kompaktheit des ganzen mit dem Argument „die Tastatur ist portable und sie kann mitgenommen werden“ verkauft werden. Aber ganz im Ernst: Das letzte Mal, als ich schaute, war in meinem Laptop bereits eine Tastatur verbaut und zu Hause bin ich eher der Typ „Microsoft Natural Keyboard“- beziehungsweise (nachdem ich das vor 10 Jahren über hatte) „Apple Keyboard“-Benutzer.

Es gab mal eine Zeit, da fand ich diese lauten, mechanischen Cherry-MX-Schalter auch total super und wichtig für meine Arbeit, aber das hat sich mit der Zeit deutlich geändert. Ich finde es zum einen sehr nervig, wenn ich mit Menschen in einem Büro sitze, die ihren Compiler mit Lautstärke versuchen zu überzeugen, zum anderen ermüdend, selber so zu tippen.

Die Größe der Tasten der Tastaturen mochte ich immer sehr. Bis ich das erste Apple Keyboard mit transparentem Gehäuse des 2011er iMac in die Hand bekam: Klasse Kompromiss. Und irgendwann, als Apple noch tolle Hardware machte, kam jemand auf die Idee, die großartige Tastatur der Retina MacBook Pros aus dem Jahr 2013 bis 2015 als eigenständige Tastatur zu verkaufen: Für mich die angenehmste Tastatur überhaupt. Die Tasten haben genau den richtigen Abstand, Hub, Größe und Lautstärke. Das Apple es bei seinen aktuellen Notebooks wieder versaut und ich vielleicht doch irgendwann eine portable, externe Tastatur brauche: Geschenkt!

Qualität hoch, aber zu klein, zu eng und kein Num-Block

So oder so, es wird nicht das HHKB werden: Ich habe wirklich versucht, es zu benutzen. Nachdem mein Frust über die drei winzigen DIP-Schalter verflogen war, mit denen wohl zwischen Betriebssystemen gewechselt werden kann und ich fertig war, mich über die Notwendigkeit, einen Tastaturtreiber zu installieren, zu ärgern, gab ich dem ganzen eine Stunde: Die Tasten sind mir zu eng beinander, für gefühlt fast alles eine Tastenkombination benutzen zu müssen (inklusive Cursor-Tasten und Funktionstasten) nervt und am Schreibtisch hätte ich gerne einen Num-Block.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich bin seit vielen Jahren überwiegend Apple-Benutzer und die Tastaturen der MacBooks bis zur fünfzehnten Generation (ca. 2015) gehören für mich mit zu den besten Tastaturen. Gleiches gilt für die stationären Keyboards mit Alu-Rahmen, wobei gerade das aktuelle Magic-Keyboard sehr positiv hervorsticht.

Seitdem ich das Vergnügen habe, mit <a href=“https://twitter.com/meistermeier“>Gerrit Meier</a> im Spring-Data-Team bei <a href=“https://neo4j.com“>Neo4j</a> zu arbeiten, habe ich festgestellt, dass ich eine sehr eigenwillige Nutzung von Keyboard und Maus habe. Das HHKB passt nicht zu mir und die geistige Kapazität, die notwendig wäre, um viele Gewohnheiten, die meine Arbeitsweise für mich effizient machen, auf das HHKB umzustellen, investiere ich lieber in meine Arbeit.

Abgesehen davon: Die Hardware des Happy Hacking Keyboard Pro 2 fühlt sich wertig und gut verarbeitet an. Wer Spaß daran hat, mit älteren Unix-Keyboard-Layouts zu arbeiten und weniger wurstige Finger hat als ich sowie mit den engen Tasten klar kommt, der sollte vielleicht einen Blick auf das Gerät werfen.

Übersicht

 

  • Die Happy Hacking Keyboards (HHKB) sind das Ergebnis systematischer Forschung und einer Kooperation mit Professor Eiiti Wada, einem renommierten japanischen Computerwissenschaftler
  • Kompakter Aufbau mit 60 Tasten (kein Ziffernblock). Anwender kann seine Hände immer in der Grundstellung belassen, d.h. schnellers und komfortableres Tippen möglich
  • Ausgestattet mit Topre-Schaltern. Diese reduzieren den Rückstoß der Taste und vermitteln ein haptisch und akustisch angenehmes Gefühl beim Tippen.
  • Kompatibel zu PCs und Mac-Rechnern
  • Anwender können mit Hilfe von DIP-Schaltern auf der Rückseite des Keyboards die Tastenbelegung individualisieren
  • Persönliche Einstellung bei der Neigung des Keyboards möglich.
  • Ausgestattet mit 2 USB-Schnittstellen.
  • Preis: 210 €

Hier geht es zur Webseite des Herstellers

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Michael Simons
Michael Simons
Michael ist Vater, Ehemann, Radfahrer und Java Champion. Er ist Autor des ersten deutschen Buchs über Spring Boot 2 und Spring 5. Michael ist Software Engineer bei Neo4j. Als Mitgründer und Leiter der EuregJUG in Aachen ist Michael seit langem in der Community-Arbeit engagiert.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: