Das Entwickler-Nähkästchen: Teil 2

Ein Blick in die Glaskugel: Welcher Tech-Trend wird 2021 wichtig?

Redaktion JAXenter

© Shutterstock / winyuu

Im zweiten Teil unseres Entwickler-Nähkästchens geht es um den Blick voraus: Welche Trends werden 2021 die Tech-Welt dominieren? Unsere Autor*innen haben auch zu dieser Frage ganz verschiedene Meinungen. Wir haben die Antworten hier für euch zusammengestellt.

Ob Java oder JavaScript, oder doch lieber .NET: Die Tech-Welt entwickelt sich immer weiter. Neue Versionen werden veröffentlicht und Tools entwickelt. Aber was davon ist wirklich wichtig? Diese Frage haben wir unseren Autor*innen gestellt. Hier sind die Antworten auf die zweite Frage des großen Entwickler-Nähkästchens 2020 für euch.

Welcher Trend wird 2021 besonders wichtig werden?

Sebastian Springer: Das Wetten auf JavaScript-Trends fühlt sich für mich etwas nach Glücksspiel an: Gewinnchance 1:100.000. Ihr wisst ja: Es gibt Milchprodukte, die länger halten als so manche JavaScript-Bibliothek. Dieser Satz, den ich zum ersten Mal in einem Vortrag von Manfred Steyer gehört habe, fasst die JavaScript-Welt recht gut für mich zusammen :). Aber zurück zu den Trends: Ich sehe für mich zwei relevante Baustellen: Wie schaffen wir es, möglichst wenig Code, und dabei möglichst nur relevanten Code, zum Client zu übertragen und dabei gleichzeitig eine maximale Performance und Usability rauszuholen? Hier hat sich mit Serverside Rendering, Lazy Loading und sehr viel Tool-Unterstützung in letzter Zeit viel getan. Die zweite Baustelle: Unabhängige Komponenten, also im weitesten Sinne Web Components und mit ihnen die Möglichkeit Micro Frontends aufzubauen. Dafür müssen wir jedoch noch einige Probleme wie beispielsweise den Footprint der Frameworks und Bibliotheken lösen. Und auch hier kommt wieder Baustelle Nummer 1 zum Tragen: Ich möchte nur relevanten Code ausliefern müssen. In einer kleinen perfekten Welt können in einer solchen Micro Frontend-Architektur Komponenten aus Angular, Vue und React friedlich mit nativen Web Components parallel zueinander existieren.

Daniel Mies: Momentan passiert viel auf der Ebene der Build-Tools. Tools wie Snowpack und Rollup könnten hier nochmal maßgeblich verändern, wie wir Frontend-Anwendungen entwickeln. Ich vermute das diese Tools die Entwicklung beschleunigen und komfortabler gestalten. Es wird dann auch keine Rolle mehr spielen ob wir TypeScript oder JavaScript einsetzen: die modernen Tools unterstützen einfach ohne zusätzliche Konfiguration beides und Entwickler können sich aussuchen, was gerade am besten passt.

Dr. Holger Schwichtenberg: Ich freue mich auf „One .NET“, die Zusammenführung von Mono/Xamarin mit .NET, die „wegen der Pandemie“ verschoben wurde und nun im November 2021 erscheinen soll.

Sandra Parsick: Ich bin gespannt wie die Container-Party weitergeht. Ich denke da wird es weiterhin viel Bewegung geben. Außerdem sollte man aus meiner Sicht die Entwicklung von Quarkus, Micronaut und GraalVM weiterhin beobachten. Ich freue mich auf Java 17, die nächste LTS-Version, die nächstes Jahr released wird.

Wolfgang Weigend: Die Modernisierung bestehender Anwendungen wird einen höheren Stellenwert bekommen, um die erforderliche Online-Fähigkeit der Anwendungen mit besserer Performance, Latency und akzeptablen Start-up-Zeiten umzusetzen. Durch eine komplette Code-Review existierender Anwendungen können neue Java-Features eingesetzt werden. Mit der Umstellung von monolithischen Architekturelementen zur Microservice-Architektur können insbesondere Cloud-Native-Eigenschaften implementiert werden. Die Microservice-Frameworks Quarkus, Helidon und Micronaut sind im Cloud-Zeitalter angekommen und partizipieren durch die GraalVM-Eigenschaften, wie beispielsweise durch geringere Cloud-Consumptions.

Stephan Rauh: Serverless Computing. In diesem Bereich ist auch TypeScript bemerkenswert populär geworden und wird in meinen Projekten 2021 eine große Rolle spielen. Auf der Hardware-Seite bin ich gespannt auf den Erfolg von Apples M1-Prozessor. Kündigt sich da ein Ende der Dominanz der x86-Architektur an?

Michael Vitz: In meiner alltäglichen Arbeit wird vermutlich der Herbst besonders spannend werden. Dort wird dann mit dem JDK 17 das nächste Release mit Long-Term-Support erscheinen und in vielen Projekten steht dann ein Wechsel an. Neben einem reinen Austausch des JDK bieten sich dadurch natürlich auch an vielen Stellen Möglichkeiten, den Code durch die neuen Features und APIs lesbarer zu gestalten.

Falk Sippach: Durch die Corona-Krise scheint die Zeit irgendwie still zu stehen. Aber natürlich dreht sich auch die Technologie-Welt trotzdem weiter. Aus meiner Sicht werden die GraalVM und die Cloud-Themen noch relevanter werden. Spannend finde ich persönlich zudem die organisatorischen Änderungen wie dauerhaftes Homeoffice, Remote-Meetings und den ganzen Konferenz- und Schulungsbereich mit Online- und Hybrid-Formaten. Da hat sich zwar auch schon in diesem Jahr viel getan. Da die Krise aber noch lange nicht vorbei ist, werden wir da 2021 weitere spannende Entwicklungen sehen.

Falk Sippach: Ich erwarte, dass sich im kommenden Jahr die Entwicklungen aus 2020 weiter fortsetzen. Auf technologischer Ebene gewinnen leichtgewichtige Stacks immer mehr an Bedeutung und ich erwarte, dass dies auch für reaktive Ansätze gelten wird. Mit Hibernate Reactive und Spring Data R2DBC gibt es nun 2 vielversprechende Frameworks für reaktive Zugriffe auf relationale Datenbanken, die eine breitere Verwendung in Enterprise Anwendungen erleichtern werden. Auf architektureller Ebene erwarte ich, dass uns vor allem Microservice-basierte Architekturen und Konzepte zur asynchronen und konsistenten Kommunikation zwischen unabhängigen Services weiterhin beschäftigen werden.

Michael Hofmann: Ich glaube weiterhin daran, dass sich die Service-Mesh-Technologie stärker in der Cloud etablieren wird. Fast alle Cloud-Provider bieten ein Service Mesh Tool als Managed Service an oder ermöglichen die eigenhändige Installation eines eigenen Mesh-Werkzeugs. Darüber hinaus sehe ich die Integration von Cloud Native API-Gateways mit der Service Mesh Technologie weiter fortschreiten.

Tim Zöller: Ich hoffe tatsächlich, dass Buildpacks, etwa Paketo, im Jahr 2021 den Trend anführen, „die Cloud” wieder zu vereinfachen. Ich war schon immer Fan der simplen Konzepte um Heroku oder DigitalOcean-Apps, davon hätte ich gerne mehr.

Die Fragen stellten Dominik Mohilo, Hartmut Schlosser, Maika Möbus und Ann-Cathrin Klose.

Die Expert*innen
Sandra Parsick ist als freiberufliche Softwareentwicklerin und Consultant im Java-Umfeld tätig. Seit 2008 beschäftigt sie sich mit agiler Softwareentwicklung in verschiedenen Rollen. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Java-Enterprise-Anwendungen, agile Methoden, Software Craftsmanship und der Automatisierung von Softwareentwicklungsprozessen. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in der Softwerkskammer Ruhrgebiet.


Wolfgang Weigend arbeitet als Master Principal Solution Engineer bei der Oracle Global Services Germany GmbH im weltweiten Java Team. Er beschäftigt sich mit Java-Technologie, GraalVM und Architektur für unternehmensweite Anwendungsentwicklung.


Stephan Rauh arbeitet als Solution Architect bei der OPITZ CONSULTING und führt dort – neben vielen anderen Aufgaben – Workshops und Trainings für Angular, Spring und Microservices durch. In seiner Freizeit kümmert er sich um die Open-Source-Frameworks ngx-extended-pdf-viewer, BootsFaces und natürlich seinen Blog, der – noblesse oblige! – eine Angular-Anwendung ist.


Michael Vitz ist Senior Consultant bei innoQ und verfügt über mehrjährige Erfahrung in der Entwicklung und im Betrieb von JVM-basierten Systemen. Zur Zeit beschäftigt er sich vor allem mit den Themen Microservices, Cloud-Architekturen, DevOps, Spring-Framework sowie Clojure.


Falk Sippach ist bei der embarc Software Consulting GmbH als Softwarearchitekt, Berater und Trainer stets auf der Suche nach dem Funken Leidenschaft, den er bei seinen Teilnehmern, Kunden und Kollegen entfachen kann. Bereits seit über 15 Jahren unterstützt er in meist agilen Softwareentwicklungsprojekten im Java-Umfeld. Als aktiver Bestandteil der Community (Mitorganisator der JUG Darmstadt) teilt er zudem sein Wissen gern in Artikeln, Blog-Beiträgen, sowie bei Vorträgen auf Konferenzen oder User Group Treffen und unterstützt bei der Organisation diverser Fachveranstaltungen.


Thorben Janssen ist als freiberuflicher Trainer und Autor tätig und entwickelt seit mehr als zehn Jahren Anwendungen auf Basis von Java EE. Er arbeitet zurzeit als Senior Developer und Architekt bei der Qualitype GmbH, ist Mitglied der JSR 365 (Contexts and Dependency Injection for JavaTM 2.0) Expert Group und schreibt auf seinem Blog über Java und Java EE.


Michael Hofmann ist freiberuflich als Berater, Coach, Referent und Autor tätig. Seine langjährigen Projekterfahrungen in den Bereichen Softwarearchitektur, Java Enterprise und DevOps hat er im deutschen und internationalen Umfeld gesammelt.


Tim Zöller arbeitet als IT Consultant bei ilum:e informatik ag in Mainz und entwickelt seit zehn Jahren Software. Er hilft Unternehmen dabei, ihre Prozesse mit Java zu digitalisieren und beschäftigt sich privat mit Blockchains und Clojure.


Dr. Holger Schwichtenberg (MVP) – alias „Der DOTNET-DOKTOR“ – gehört zu den bekanntesten .NET- und Webexperten in Deutschland. Er ist Chief Technology Expert bei der Softwaremanufaktur MAXIMAGO. Mit dem Expertenteam bei www.IT-Visions.de bietet er zudem Beratung und Schulungen für andere Unternehmen an. Seit 1998 ist er ununterbrochen Sprecher auf jeder BASTA!-Konferenz und Autor von mehr als 70 Fachbüchern.


Sebastian Springer ist JavaScript-Entwickler bei MaibornWolff in München und beschäftigt sich vor allem mit der Architektur von client- und serverseitigem JavaScript. Sebastian ist Berater und Dozent für JavaScript und vermittelt sein Wissen regelmäßig auf nationalen und internationalen Konferenzen.


Daniel Mies arbeitet als Senior IT Consultant bei der codecentric AG. Seine Leidenschaft gilt der modernen Frontend-Entwicklung und Webstandards. In seiner Freizeit podcastet er unter https://mies.me.

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