Open Source profitiert vom Home Office

GitHub Octoverse 2020: von zu Hause aus produktiver

Jean Kiltz

© Shutterstock / Panchenko Vladimir

Mit dem State of the Octoverse zeigt GitHub jährlich auf, wie sich die Welt seiner Nutzerinnen und Nutzer innerhalb eines Jahres entwickelt hat. Der vorliegende Report zum Jahr 2020 dreht sich unter anderem darum, wie Entwickler und Entwicklerinnen mit der Corona-Pandemie zurechtkommen: Home Office und Open Source gehen Hand-in-Hand.

GitHub hat seinen State of the Octoverse 2020 veröffentlicht. Um den Umständen des Pandemiejahres 2020 gerecht zu werden, ist der Bericht in 3 Teile aufgeteilt worden: Produktivität, Sicherheit und Community. Im Bereich der Produktivität betrachtet der Bericht, inwiefern sich das nun häufig genutzte Home Office auf die Arbeitsweise der Entwicklerinnen und Entwickler auswirkt. Dabei stellte sich heraus, dass die IT-Experten und -Expertinnen von zu Hause aus mehr und produktiver arbeiteten. Vorteile können daraus vor allem auch Open-Source-Projekte ziehen.

Es wurden mehr als 35.000 GitHub-Accounts von Organisationen verglichen. Diese Accounts mussten vor dem 1. Oktober 2018 erstellt und bis September 2020 monatliche Aktivitäten aufweisen. Sie wurden dann in 4 Zeitzonen aufgeteilt: US West Coast, US East Coast, UK und Japan. Im Folgenden werden vor allem die Zahlen für UK betrachtet.

Sieht man sich zunächst die Ergebnisse zur Produktivität über ein Jahr hinweg für den UK-Bereich an, lässt sich deutlich erkennen, dass die Zahl der Pushes auf GitHub enorm anstieg. Ende September 2020 sticht dabei besonders hervor, da es hier ein Wachstum von zum Teil mehr als 100% im Gegensatz zum gleichen Zeitraum im Vorjahr gab. Wagt man nun einen Blick auf die nächste Deatilstufe, die durchschnittliche Wochenbilanz der Push-Frequenz, sieht man, dass diese gerade am Wochenende ungewöhnlich anstieg. Samstags kam sie durchschnittlich auf 20, sonntags auf 18 Pushes. Werktags lag die Frequenz bei 16. Die Arbeitzeit hingegen sank am Wochenende erwartungsgemäß. Diese Verteilung der Push-Frequenz und der Arbeitszeit sah weltweit nahezu gleich aus. Nur in Japan sanken Frequenz und Arbeitszeit am Wochenende.

Am Wochenende gibt es Open Source

Um sich diesen Umstand zu erklären, wieso es am Wochenende mehr Push Requests als unter der Woche gab, blickt Github in seinem Report auf die durschnittliche Anzahl Push Requests pro Wochentag, die weltweit bei Open-Source-Projekten gemacht wurden. Auch hier stiegen regelmäßig ab Samstag die Contributions zu diesen Projekten um mehr als 10%.

Die Macher des Reports dürften also durchaus richtig liegen, wenn sie vermuten, dass sich Entwickler am Wochenende um ihre Lieblingsprojekte kümmern oder Neues lernen möchten, sozusagen als Ausgleich zu ihrer normalen Arbeitstätigkeit. Man kann sich diesen Umstand auch noch durch einen direkten Vergleich der Jahre 2019 und 2020 verdeutlichen: Seit April, dem Zeitpunkt, an dem viele Staaten einen ersten Lockdown verhängten, stiegen in Relation zum Jahr 2019 die Aktivitäten bei Open Source um durchschnittlich 25%. Gerade im April kann man sogar eine Spitze von bis zu 45% Steigerung ausmachen.

Durch den State of the Octoverse kann man gut die Unterschiede zwischen Home Office und bisher regulärem Arbeiten nachverfolgen. Japan kann hier als so etwas wie eine Kontrollgruppe dienen, da in dem Land nicht so stark auf Home Office gesetzt werden musste. Der Report von GitHub steckt aber auch anderweitig voller interessanter Details, mit denen man die veränderten Arbeitswesen gut nachzeichnen kann. Wer sich beispielsweise beim Thema Sicherheit und remote Arbeiten noch nicht wohl fühlt, kann sich neben Einblicken wie andere GitHub-Nutzer vorgingen auch einige Verbesserungsvorschläge aus dem dazugehörigen Reportteil holen. Ein differenziertes Bild zu den Problemen, die das Home Office begleiten können, findet sich allerdings nur in einigen Nebensätzen wieder.

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Jean Kiltz
Jean Kiltz
Jean Kiltz ist seit März 2020 Redakteur bei Software & Support Media. Er hat Geschichte und Kulturanthropologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Danach war er beim ZDF als First-Level-IT-Support angestellt.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: