Das beschäftigt die Entwicklerwelt in diesem Jahr

Flutter, Machine Learning in der Cloud & die ARM-Revolution: 5 Experten über die Tech-Trends 2021

Dominik Mohilo

© Shutterstock / FrankHH

Der Blick in die Glaskugel ist immer schwierig, insbesondere in der Tech-Branche. Dennoch gab es im vergangenen Jahr deutliche Entwicklungen, die eine Prognose möglich machen. Wir haben mit fünf Experten der Tech-Branche gesprochen, die uns ihre Trends für das aktuelle Jahr verraten. Wie immer gelten auch diese Zukunftsvorraussagen ohne Gewähr.

Was bringt das Jahr 2021? Unsere fünf Tech-Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen der Branche haben uns ein paar Hinweise gegeben, womit Entwickler in den kommenden zwölf Monaten zu rechnen haben. Mit dabei sind beliebte Themen wie Machine Learning und die Webentwicklung, aber auch was die Hardware angeht, auf der unsere Anwendungen laufen, stellt das Jahr 2021 neue Herausforderungen.

Tech-Trends 2021: Das prognostizieren die Insider

Unsere Tech-Experten

Thomas Scherschel – Co-Founder von thinking apps

Leon Ehrenberg – Head of Technology bei Young Digitals

Jürgen Wier – CTO der Tyme Group


Thomas Maas – CEO bei freelancermap

Andreas Gerauer – CTO bei Tickaroo und made.by Tickaroo

Frontend- und Backend wachsen zusammen: Cross-Plattform-Entwicklung mit Flutter

Thomas Scherschel: Das im Dezember 2018 von Google veröffentlichte Framework Flutter ist dabei, sich zu einem der beliebtesten Cross-Plattform-Frameworks bei App Developern zu entwickeln. Die moderne Programmiersprache Dart, die gute Dokumentation und umfassende Beispiele erleichtern den Einstieg und die hohe Performance der mit Flutter erstellten Apps schaffen die notwendige Akzeptanz. Flutter bietet eine umfassende Widget-Bibliothek, auf deren Basis komplexe User Interfaces erstellt werden können. Flutter-Apps können sich in vielerlei Hinsicht mit nativen Apps durchaus messen und eignen sich unserer Erfahrung nach für Consumer-Produkte mit höchsten Ansprüchen. Der hinzukommende Support zur Umsetzung von Web-Apps lässt Backend- und Frontend-Entwicklung weiter zusammenwachsen – insbesondere 2021.

Machine Learning und künstliche Intelligenz als Cloud Service

Leon Ehrenberg: Ein Trend in 2021 wird weiter die zunehmende Verbreitung von Machine Learning in Web- und Mobile-Apps sein. Diese müssen mittlerweile nicht mehr nur visuell ansprechend und mit einer guten UX bestückt sein, sondern sich auch adaptiv auf der Basis neuer Informationen anpassen können, um Nutzer langfristig zu binden oder auch um Geschäftsmodelle skalierbar zu machen. Für Entwickler ohne Machine-Learning-Expertise wird die Einstiegsbarriere zu dieser Technologie deshalb weiter gesenkt und durch Cloud-Dienste von z.B. AWS, Microsoft und Google zugänglicher gemacht. Es wird künftig also noch einfacher werden, seine Apps um komplexe und anspruchsvolle Funktion zu erweitern, ohne dabei ML-Modelle selbst entwickeln und auf rechenintensiven Instanzen hosten zu müssen.

Digitale Services optimieren: Echtzeitkommunikation via WebRTC

Jürgen Wier: Mit WebRTC können digitalen Anwendungen Echtzeit-Kommunikationsfunktionen hinzugefügt werden. Vor allem während COVID-19 ist das ein unabdingbarer Zusatz, der lückenlosen Service möglich macht und auch in 2021 wichtig bleibt. Das gilt vor allem, weil sich Anforderungen immer mehr dahin verlagern, dass Anwendungen via App oder Browser nutzbar sind und nicht installiert werden müssen. Genau das macht der Webstandard WebRTC möglich: Die Integration von Kommunikationslösungen ohne Softwareinstallation in Unternehmenswebseiten. Mit Hilfe von Analysetools lassen sich dann wiederum Rückschlüsse auf die Performance ziehen und so technische Fehler im Browser oder dem Betriebssystem analysieren. Das Protokoll unterstützt darüber hinaus Video-, Sprach- und allgemeine Daten, die von Peer zu Peer gesendet werden und es EntwicklerInnen ermöglichen, belastbare Video-Kommunikation zu erstellen. So ist die Technologie als offener Webstandard implementiert und als JavaScript APIs in allen bekannten Browsern abrufbar.

83 Euro pro Stunde – Cybersicherheit 2021 noch mehr im Fokus

Thomas Maas: Freie Entwickler verdienen trotz Krise immer besser. Ihr Stundensatz stieg in den letzten vier Jahren um insgesamt 9 Euro an, wie uns der Freelancer-Kompass zeigt. Mittlerweile liegt er bei 83 Euro pro 60 Minuten. Die Pandemie deckte bei vielen Firmen Nachlässigkeiten hinsichtlich des Datenschutzes und der sicheren Tools im Home Office auf. IT-Sicherheit und Cyber-Security rückten dadurch mehr in den Fokus von Unternehmen, die sich im Umkehrschluss Unterstützung durch Freelancer holen. Wir gehen deshalb davon aus, dass sich der Aufwärtstrend weiter verstärkt. Bei den Programmiersprachen bleiben Dauerbrenner wie JavaScript, Java und Python die Top-Skills der freien Spezialisten. Auch Kotlin ist auf dem aufsteigenden Ast, während TypeScript immer mehr in der Versenkung verschwindet.

ARM erobert Desktops, Laptops und Server

Andreas Gerauer: Schon lange dominieren Chips mit ARM-Architektur in Smartphones, Smart-TVs usw. Das lag vor allem am geringen Stromverbrauch. In Sachen Performance konnten sie lange nicht mit der x86-Konkurrenz aus dem Hause Intel oder AMD mithalten. Das hat sich aber nun geändert: Apples M1- und Amazons Graviton-2-Prozessor zeigen beeindruckende Performance-Werte und liefern heute mehr Performance/Watt – und damit Performance/Euro – als Chips die auf der traditionellen x86-Architektur basieren. Apple hat angekündigt, dass das gesamte Mac-Lineup auf hauseigene ARM Prozessoren umgestellt wird, auf AWS sind die neuesten Servertypen mit ARM-Prozessoren ausgestattet und Microsoft hat schon länger eine Windows-Variante für ARM im Angebot. Der Trend ist offensichtlich und wohl kaum noch aufzuhalten. Entwickler müssen sich darauf einstellen, ihre Software in den nächsten Jahren für beide Architekturen entwickeln und testen zu müssen.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: