Am Puls der Zeit bleiben

The prepared Mind – Keynote von Adrian Colyer

Michael Thomas

„Das Glück begünstigt den vorbereiteten Geist“. Dieses Louis Pasteur zugeschriebene Zitat bildete den Rahmen der Keynote von Adrian Colyer. Folgerichtig drehten sich seine Ausführungen auch darum, wie man diesen Zustand erreichen kann.

Colyer fühlt schon seit langem den Puls der Zeit. 10 Jahre lang war er CTO bei Spring Source, mittlerweile ist er als Technology Scout für die in London ansässige Risikokapitalgesellschaft Accel Partners tätig – sein Geist muss also schon von Berufs wegen für möglichst alles bereit zu sein, was da kommen möge.

Information Overload

Doch einfach ist dies nicht, wie Colyer mithilfe eines Bildes des Hubble Teleskops veranschaulicht: Meist sieht man nur den kleinen Ausschnitt eines unüberblickbaren Sternenhimmels vor sich. Verschärft wird das Problem durch den Umstand, dass ein Mensch, der viel lernt sich umso bewusster wird, was er nicht weiß. Und der Graben zwischen Wissen und Nichtwissen kann niemals vollständig überbrückt werden. Alleine schon halbwegs up to date zu bleiben kann eine gewaltige Herausforderung darstellen, wird man doch von Online-Kursen und Blogs förmlich erschlagen.

Wie also am besten dieser Informationsflut begegnen? Wie sich dergestalt vorbereiten, dass man eine Gelegenheit erkennt, wenn sie sich bietet, sie richtig einordnen kann? Und nicht auf den erstbesten hereinfällt, der einem ein perpetuum mobile andrehen will, sich also auch Grenzen des machbaren bewusst ist?

JAX 2015 Colyer 2

Morning Paper

Colyers Methode besteht darin, sich auf das zu konzentrieren, was die modernen Industriegesellschaften erst möglich gemacht hat: die Wissenschaft. Jeden morgen durchforstet er Studien und Thesenpapiere – kompakte Informationspakete, wie er sie nennt – nach interessanten Ansätzen und Ideen und stellt seine Funde in komprimierter Form auf seinem Blog „The Morning Paper“ bereit.

Die IT wird feinkörniger

Eine der Haupterkenntnisse der letzten Jahre ist für Colyer, dass die IT immer „feinkörniger“ wird, wie er wiederum mit einem passenden Bild untermalt, das die Stonehenge-Monolithen, eine Backsteinmauer und einen Sandsturm zeigt. Der Lifecyle, Deployment Units, Data Partitions, ja die gesamte Organisation verkleinert sich immer weiter, wird schneller und agiler. Die Monolithischen Releases der Vergangenheit haben ausgedient, stattdessen wirbeln Microservices wie die Körner im Sandsturm umher.

Brutal, hard and painful
– Asim Aslam

Dieser Übergang ist, wie viele andere technologische Umbrüche auch , mitunter schmerzhaft.

News you can use

Gleichermaßen bieten sich durch den stetigen Wandel jedoch auch teils grandiose Chancen, wie Colyer anhand einiger beeindruckender Zahlen demonstriert, die er im Rahmen seiner Recherchen auffinden konnte. So fanden beispielsweise Studien von Facebook (und anderen) heraus, wie sich die Speicherkosten um 30% reduzieren lassen. Eine Studie von Alkaff et al fand heraus, wie mittels einer simplen Methode der Durchsatz um 30% erhöht werden kann. Alles Erkenntnisse also, die teils dramatische Folgen zeitigen. Ein eindeutiger Pluspunkt also für Colyers Methode der morgendlichen Lektüre. Dabei sollte man sich jedoch immer der eingangs beschriebenen Beschränkung bewusst sein, dass man nie alles wissen kann. Oder, wie Colyer es ausdrückt:

You can’t master all the details!

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Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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