Spannende Eröffnungskeynote auf der JAX

The Developer Strikes Back

Diana Kupfer

Mit einem wahren Paukenschlag startete das Programm der diesjährigen und bislang größten JAX: Zur Auftakt-Keynote betrat am Dienstagmorgen James Governor die Bühne, um den Wandel der IT-Landschaft aus Sicht der Entwickler zu beleuchten. Governor ist Mitbegründer der Open-Source-Analystenfirma RedMonk, die sich auf die Interessensgruppe der Entwickler spezialisiert. „Developers are the New Kingmakers“ lautete der Titel der angekündigten Keynote. Und genauso unmissverständlich war die Botschaft: In Zeiten von Open Source, Kollaboration, Diversifizierung und erhöhter Entwickler-Partizipation auf allen Ebenen hat die Emanzipation der Entwickler, in der Governor nichts Geringeres als eine „Soziale Revolution“ sieht, gerade erst begonnen.

Als Vordenker in Sachen Entwickler-gesteuerte Innovation, Community- und Technologie-Strategien und als Berater von Unternehmen, Start-ups und großen Konzernen wie IBM und Microsoft hat Governor sich in der IT-Industrie einen großen Namen gemacht. Seine weit über 15 000 Follower über Twitter belegen dies – und zeigen auch, wie stark RedMonk auf solche Social-Media-Tools, sprich: offene Kommunikation und Kollaboration, setzt.

James Governor auf der JAX 2013
Open Source als Game Changer

In wenigen Schritten vollzog Governor einen Streifzug durch 38 Jahre Softwareentwicklung, von traditionellen, proprietären Enterprise-IT-Lösungen („Software used to be something that was given away“) über Technologien und Organisationen der Neunziger Jahre, die aus seiner Sicht Game Changer darstellten (Linux, Netscape, PHP, Apache, Google), bis hin zu aktuellen Phänomenen wie Kollaboration, Social Media, Quantified Self und dem wachsenden Softwareanteil in allen erdenklichen Industriebereichen – was er mit Marc Andreessens Diktum „Software is eating the world“ auf den Punkt brachte.

Leitmotive der Ausführungen Governors waren 1. die unaufhaltsame Fragmentierung, also Diversifizierung, des Technologiemarktes und 2. die Vorzüge von Open-Source-Entwicklung: Kollaboration, Transparenz, Effizienz und Entscheidungen, die „bottom-up“, also von Entwicklern selbst, nicht in der Management-Etage getroffen werden. „Open Source was beginning to change the game even as the web just took off“, so der Speaker. GitHub, Eclipse, Apache, SourceForge & Co. seien letztendlich nur „the consumer version of what open source had been doing all along“, also Institutionalisierungen einer Entwickler- und Arbeitskultur, deren Ausprägung bereits viel früher, in den Neunziger Jahren, begonnen hatte.

Folgende Konsequenzen sollten Unternehmen aus diesen Transformationen ziehen:

  • embrace Open Source
  • get in early, encourage hacking and play
  • hire algorithmically
  • let devs choos their own hours, location
  • build a practicionare purchasing competence,
  • invest in developer relations and experience
  • gitub first
  • cloud first
  • social first
  • mobile first
  • practice pace layering/timeless software
Der Manager-Mäzen

Welche Art des Umdenkens erfordern diese Entwicklungen – die Dezentralisierung des Marktes, die Konjunktur von Open Source und die Emanzipation der Entwickler – nun von Unternehmen? Hier bediente Governor die Metapher „Farmers versus Foragers“, also Landwirte versus Wildbeuter. Statt bequem auf den Ertrag der eigenen Saat zu setzen und das ewig gleiche Land zu kultivieren, sollten Unternehmern auf Talentfang gehen. Den Terminus „Acqhire“ (ein Kofferwort aus „acquire und hire“) führte Governor zwar nicht aus, er war jedoch prominent auf einer Folie platziert und beschreibt genau diese Strategie: Ein Unternehmen übernimmt ein anderes, um Talente einzukaufen. „In the Silicon Valley they say, when acquiring a company: One excellent developer is worth a million dollars“, so Governor.

Und innerhalb der Unternehmen? Aufgabe des Managements , so Governor, sei es nicht länger, Entwicklern seine oft realitätsfernen Entscheidungen zu oktroyieren, sondern Letztere dazu zu befähigen, „Großartiges“ zu erreichen. Der Speaker verwies auf den Ökonomen Adam Smith, der sich in seinem großen Opus „The Wealth of Nations“ (1776) mit der Frage auseinandergesetzt hatte, wie sich wirtschaftshemmende Handelsschranken abbauen lassen. Analog dazu gelte es heute, nicht minder hemmende Partizipations-Schranken abzubauen.

Um es auf den Punkt zu bringen, empfahl der Analyst IT-Managern, nicht als autoritäre Vorgesetzte, sondern als „Mäzene“ (Patrons) zu wirken, ihnen den Spielraum zu gewähren und das Vertrauen zu schenken, die Innovation heutzutage unabdingbar voraussetzt.

Damit hätten Entwickler also nicht nur die Macht von Königsmachern und die Freiheit von Künstlern. Es dürfte wohl kaum einen JAX-Teilnehmer im Publikum gegeben haben, dem diese Vorstellung nicht gefällt ;).

Geschrieben von
Diana Kupfer
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