The Apple of Enterprise computing? Kontroverse über Oracles neue In-Memory-Datenbank

Hartmut Schlosser

Die In-Memory-Technologie von Oracle soll ab Juli 2014 als Erweiterung der Oracle 12c-Datenbank erhältlich sein. Dies gab Oracle-CEO Larry Ellison gestern in der Oracle-Zentrale in Redwook Shores bekannt. Die In-Memory-Funktionen sollen schnellere Datenbank-Abfragen und –Analysen erlauben und die Anforderungen an Big-Data-Anwendungen erfüllen, indem Daten direkt auf Chips im Speicher gehalten werden, statt auf die langsamere Festplatten-Speicherung zurückzugreifen.

Oracle verkauft die In-Memory-Option als Game Changer und Beispiel für die gelungene Anpassung bewährter Technologie an neue Anforderungen. Integriert in das Oracle-Ökosystem, werden die In-Memory-Funktionen für alle Anwendungen verfügbar sein, die bereits mit der 12c laufen. Bis zu 100fache Performance-Gewinnen sollen erzielt werden können.

Oracle taucht spät in den In-Memory-Markt ein. Lösungen wie SAP HANA und Open-Source-Alternativen wie Hazelcast und Infinispan sind hier bereits seit Jahren aktiv. „Danke für’s Nachmachen“, kommentiert denn prompt auch SAPs Datenbank-Vicepresident Irfan Khan in der New York Times. Die von Oracle anvisierte Lösung, am traditionellen SQL-Ansatz (zeilenorientiert für Abfragen OLTP, spaltenorientiert für Analysen OLAP) festzuhalten und In-Memory-Funktionen als optionale Erweiterungen anzubieten, sei zudem komplex und stelle hohe Anforderungen an die Hardware.

In dasselbe Horn stößt Miko Matsumura von Hazelcast. Die grundsätzlichen Ziele der Oracle-In-Memory-Lösung seien zwar korrekt: Skalierbarkeit, Hochverfügbarkeit, Ausfallsicherheit, Cloud ready, Konvergenz der OLAP- und OLTP-Ansätze, Kompatibilität zu SQL. Doch seien eben diese Ziele auch mit der Open-Source-Lösung Hazelcast zu erreichen, die auf günstiger Hardware läuft. Oracle versuche hingegen, die ehemalige Sun-Hardware im Bundle mit ihrer Datenbank-Software zu verkaufen, was kostspielig sei und zu einer Anbieter-Abhängigkeit führe:

Like Apple, Larry Ellison wants to deliver both software and hardware vertically integrated. This produces extraordinary vendor lock in and closed systems.

Zugute halten kann man Oracle hingegen die nach wie vor dominante Marktposition. Laut Gartner besetzte Oracle 2013 satte 48% des traditionellen Datenbank-Marktes. Darauf bezieht sich Oracles Vice President of Product Management Tim Shetler in seinem Kommentar, in einem Jahr werde die Oracle-In-Memory-Datenbank vielleicht in mehr Unternehmen eingesetzt werden, als die aller Wettbewerber zusammengenommen. Für Oracle spreche die Reife der Technologie, während SAP noch damit kämpfe, „die anderen Teile eines Datenbank Management Systems fertig zu stellen“, wird Shetler auf Infoworld zitiert.

It’s just a matter of maturity.

Nun, wer die Rivalität zwischen Oracle und SAP kennt, wird diese verbale Hochrüstung nicht allzu ernst nehmen. Sowohl Oracles als auch SAPs In-Memory-Lösungen werden Absatz finden und die beiden Enterprise-Giganten interessant für Big-Data-Anwender machen. Spannend ist zu sehen, wie Open-Source-Herausforderer Hazelcast das Spiel um den Datenthron mitzuspielen beginnt. Die schlechtesten Argumente kann der JAX-Innovation-Awards-Gewinner nicht ins Feld führen.

This time Larry is playing for all of the marbles and wants to be the Apple of Enterprise computing.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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