Test- und Qualitätsmanagement als Erfolgsfaktor

Qualität planen und Aufgaben richtig verteilen

Der Aufwand und die Planung für das Qualitätsmanagement müssen beim Aufsetzen eines Projekts berücksichtigt werden. Dabei variieren die Aufgaben der Beteiligten: Der Anforderungsmanager stellt für die Aufnahme der Anforderungen den Mitarbeitern so genannte Anforderungsschablonen zur Verfügung [3]. Wenn es keinen zentralen Anforderungsmanager im Unternehmen gibt, sollte die IT-Abteilung diese Anforderungsschablonen zentral bereitstellen. Um bei allen Projektbeteiligten ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, erleichtern definierte Schemata die Erstellung der Softwareanforderungen. Entwickler und Tester erhalten so klare und eindeutige Beschreibungen. Die Entwickler erhalten möglichst von zentraler Stelle der IT-Organisation des Unternehmens die Programmierrichtlinien (Coding Guidelines). Die Coding Guidelines sind dazu jeweils pro Programmiersprache bereitzustellen, weil zum Beispiel die Standards für Cobol nicht in Java anwendbar sind. Die Einführung der Coding Guidelines soll insbesondere der Wartung helfen, den vorliegenden Softwarecode leichter pflegen und anpassen zu können. Das Prüfen der Coding Guidelines erfolgt manuell oder durch so genannte statische Code Analyzer. Die Werkzeuge überprüfen den Programmcode automatisch und melden Verstöße gegen eine oder mehrere Coding Guidelines. Viele integrierte Entwicklungsumgebungen (Integrated Development Environments, IDE) können Code heute bereits automatisch analysieren.

Qualität mit Dashboards messen

Der Bereich Test lässt sich neben Standardkennzahlen (beispielsweise Anzahl der durchgeführten Testfälle, Anzahl von Defekten) durch weitere Kennzahlen und Teststandards besser unterstützen. Die Erweiterung der Standardkennzahlen hat das Ziel, die sechs Qualitätsmerkmale mit einem Status und einer Tendenz pro Applikation zu versehen und sie als Dashboard darzustellen. Die Basis für den Status bilden aktuelle Werte (z. B. Anzahl der Defekte oder Anforderungen). Die Tendenzen berechnen sich aus den Coding Guidelines. Jede verwendete Regel muss zwingend einem bestimmten Qualitätsmerkmal zugewiesen werden. Der Code Analyzer kann etwa nach @ToDo-Kommentaren suchen. Diese Regel ist dem Bereich Wartbarkeit zugeordnet. Ein anderes Beispiel ist der Einsatz von Leerzeilen, der als Regel dem Merkmal Benutzbarkeit zugeordnet ist. Jede Tendenz für ein Qualitätsmerkmal geht von einem Höchstwert von 100 Prozent (grüner Pfeil, Abb. 2) aus. Jede Missachtung der jeweiligen Regel des Qualitätsmerkmals lässt diesen Wert sinken. Als Beispiel für die Errechnung eines Qualitätsmerkmals wird hier die Wartbarkeit von Software dargestellt. Entwickelt wurde die Formel von Hewlett-Packard [4]:

Abb. 2: Beispiel-Dashboard für Qualitätsmerkmale

Maintainability Index (MI) = 171 – 3,42 ln (durchschnittliches Halstead-Volumen pro Modul) – 0,23(durchschnittliche McCabe Cyclomatic Complexity pro Modul) – 16,2 ln (durchschnittliche Codezeilen pro Modul) + 50 * sin (√ (2,46 * durchschnittliche Anzahl der Kommentare pro Modul)

Halstead Volumen: HV = ((Gesamtanzahl Operatoren) + (Gesamtanzahl Operanden)) * log2 (Anzahl der verschiedenen Operatoren + Anzahl der verschiedenen Operanden). Operanden sind Variablen und Konstanten, Operatoren sind Schlüsselwörter (reservierte Namen wie integer), logische und vergleichende Operatoren.

McCabe Cyclomatic Complexity: CC = (Anzahl der Kanten in einem Graph) – (Anzahl der Knoten in einem Graph) + 2 * (Anzahl der verbundenen Konnektoren).

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