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Die Business Technology Days der W-JAX 2013

Team schlägt Technik – Über die Tragweite der Next Generation of IT

Mirko Schrempp

Angetreten sind die BT Days im Rahmen der W-JAX 2013 mit nicht weniger als dem Anspruch, die Tragweite der Next Generation of IT zu verdeutlichen und Impulse zu geben, wie man das eigene Unternehmen, das eigene Denkmodell und die eigenen Produkte dahin transformieren kann. Dazu stellten die Sprecher von der Eröffnungs-Keynote „21st-Century IT Strategies“ mit Jeff Sussna, über die zahlreichen Sessions bis zur gemeinsamen Fishbowl-Diskussion ihre Erfahrung beim Einsatz neuer Methoden und Technologien zur Diskussion.

Hier zeigte sich schnell, dass viele Methoden und auch Technologien für sich genommen gar nicht so neu sind. Neu ist indes bei vielen, dass sie mit relativ geringem Aufwand und teilweise sogar kostenfrei zur Verfügung stehen. Was sich nach übereinstimmender Ansicht der Sprecher aber vor allem ändert und ändern muss, ist die Art und Weise, wie damit gearbeitet wird – und hier zeichnet sich ein neues Denkmodell und Selbstverständnis für die IT ab. Wie das aussehen kann, zeigen internetbasierte Unternehmen und Start-ups, die in den letzten Jahren mit völlig neuen Geschäftsmodellen oder mit der Transformation klassischer Dienstleistungen in den digitalen Raum den Markt umgekrempelt haben. Dass große Unternehmen wie die Post oder die Telekom das auch können, stellten André Neubauer (E-Post) und Bernd Rederlechner (T-Systems de-Mail) in ihren Sessions vor.

Warum gerade Supertanker wie die Post dazu übergehen, Projekte zu starten, die im Vergleich dazu wie Schnellboote wirken (so das Bild, das Neubauer zur Verdeutlichung nutzt), ging aus der ersten Session von Uwe Friedrichsen zum Realität des Wirtschaftsdarwinismus hervor. Kurz formuliert bedeutet es, wer sich mit den gegebenen Mitteln nicht schnell genug an die neuen Marktbedingungen anpasst und seine Nische findet bzw. weiter erfolgreich besetzt, stirbt aus. So wie es Kodak im Wettkampf mit den Digitalkameras und Smartphones ergangen ist. Denn, auch ein Cooles Produkt braucht einen Markt, wie Bernd Rederlechner aus der Erfahrung mit der de-Mail zu berichten wusste. Selbst ein Unternehmen mit langer Tradition und scheinbar sicherem Geschäftsmodell muss handeln – und Agilität ist da nur ein Anfang.

Innovation vor Tradition

Doch wie es mit guten Ideen oft ist, sie brauchen Zeit, Geduld und viel Unterstützung, um erfolgreich zu werden. Viele Ideen, die gut klingen, die auf den ersten Blick nachvollziehbar und in der ersten Begeisterung auch auf Umsetzung drängen, werden in der Regel durch die eigenen Bedenken und die der Kollegen oder Manager gebremst. „Ja, aber, wenn wir das so machen, dann….“ – und schon ist der erste Elan raus, und die Chance auf Veränderung scheint in weite Ferne zu rücken. Hier raten die Sprecher übereinstimmend, dass Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg ist. Im Idealfall kann man auch nicht nur erzählen, was man machen will, sondern auch einen Prototypen zeigen. Dieser muss noch keine funktionierende Software sein. Oft reicht eine Bleistiftskizze aus, wie Johannes Mainusch in seinem Vortrag „Be nerd – Management der Zukunft“ zeigte. Skizzen seien zwar einfach, aber konkret, jedoch nicht so, dass man schon vor einem imposanten Objekt steht, sondern etwas in der Hand hat, das man leicht ändern kann. Diese Änderung ist dann oft der Einstieg in die gemeinsame Gestaltung eines neuen Projekts oder auch einer neuen Arbeitsweise und Organisationsform. Idealerweise passiert das in cross-funktionalen Teams, so Mainusch. Eine Position, der Stephan Raimer (oose) nur zustimmen kann, denn er zeigte in seiner Session zum Thema „Design Thinking“, wie sich unter Einbeziehung der Kollegen aus den Fachabteilungen, der Entwicklung, dem Betrieb, aber auch schon der Kunden in einer offen geführten, aber moderierten Form Produkte entwerfen und vor der eigentlichen Umsetzung auf ihre Erfolgschancen testen lassen.

Klar ist, dass hier der Mut zum Ausprobieren und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit verlangt ist – und beständiges Lernen bei allen Beteiligten, sowohl was die Technologien, als auch was die Methoden betrifft. Gerade heute, wo viele Technologien einfach zur Verfügung stehen, ist es die Fähigkeit, ihre Stärken zu kennen und dann mit viel Hirnschmalz dafür zu sorgen, den richtigen Einsatz derselbe zu finden, der eigentliche Wettbewerbsvorteil. Ein Aspekt den Eberhard Wolff (freiberuflicher Trainer und Berater / Adesso) in den Mittelpunkt stellt, wenn er Architekturen für Enterprise-Systeme der Zukunft mit kostengünstigen, leichtgewichtigen, aber skalierbaren Mitteln vorschlägt.

Team schlägt Technik

Hier geht es erst einmal nicht nur um Technik, sondern um Individuen – und dabei nicht nur um die einzelnen wenigen Besten, sondern um jeden einzelnen im Team. Denn, ja es klingt wie eine Binsenweisheit, in der Summe kann jedes Team mehr leisten als die Einzelnen. Und hier gilt auch: Jedes Team kann besser werden, wenn es gefördert wird und Raum bekommt, sich weiterzuentwickeln.

Ein „einfaches“ Beispiel für cross-funktionale Teams ist sicherlich das DevOps-Konzept, das in der Industrie inzwischen recht bekannt ist. Aber wer denkt denn schon an die Tester? Dabei ist Qualitätssicherung durch permanentes Testen nicht nur des Codes und der Performance, sondern des ganzen Produkts, ein Schlüssel zum Erfolg. Wie das bedeuten kann, machte Jeff Sussna in seiner Session „Continuous Quality“ deutlich: Zwischen allen Fronten steht der Tester. Auf der einen Seite die DevOps-Fraktion, auf der anderen Seite der Kunde. Findet er nun eine Schwachstelle im Produkt, sind die DevOps-Kollegen sauer, weil sie Fehler korrigieren müssen, statt weiter zu entwickeln. Findet er die Schwachstelle nicht, ist der Kunde sauer, weil er ein schlechtes Produkt hat. Und spätestens dann meldet sich das Management: Man kennt das – es ist immer der Bote, der bestraft wird.

In der Rolle des Testers und seinem Dilemma wird eines offensichtlich: Auch ein Produkt ist mehr als die Summe seiner Teile, und das Ziel des gesamten Teams muss es sein, ein gutes Produkt herzustellen. Wer nur die einzelnen Arbeitsschritte sieht, verpasst die Vision und wird nicht verstehen, wohin der Weg geht. Hier muss sich das Denkmodell für die Next Generation of IT wahrscheinlich grundlegend ändern. Nicht mehr komplizierte Einzelleistungen sind gefragt, sondern komplexe Team-Erfolge, die nur durch eine geteilte Vision, offene Kommunikation, Selbstverantwortung aller Beteiligten und den Mut zu Neuem erreicht werden können.

Und wenn die „Ja, aber…“-Fraktion im Unternehmen stark ist, kann es auch helfen, Berater ins Haus zu holen, die ins gleich Horn stoßen, denn allzu oft wird der Prophet im einen Hause ja nicht gehört. Doch unter den Vorzeichen des Wirtschaftsdarwinismus gilt es rasch zu überlegen, für was sich der Einsatz lohnt, und herauszufinden, wie man aus einem Supertanker ein Schnellboot macht – mit (fast) allen Mitteln.

Geschrieben von
Mirko Schrempp
Mirko Schrempp
Mirko Schrempp ist Redakteur für den Windows Developer, das Business Technology Magazin und das SharePoint Kompendium.
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