Tabris 1.0: Android- und iOS-Entwicklung mit Java

Hartmut Schlosser

Wer heute Anwendungen für mobile Endgeräte entwickelt, steht unweigerlich vor der Situation der fragmentierten Plattform-Landschaft. Will man möglichst viele mobile Plattformen erreichen, müssen native Anwendungen mehrfach geschrieben werden – etwa für Android, iOS, Windows Phone, Blackberry. Oder man greift auf HTML5-Webapps zurück, die sich in den Browsern der verschiedenen Geräte aufrufen lassen – mit den bekannten Nachteilen, etwa möglichen Performanz-Einbußen oder dem Verlust eines nativen „Look & Feel.“ Um diesem Dilemma zu entgehen, hat der Eclipse-Spezialist EclipseSource das Projekt Tabris ins Leben gerufen, das heute in Version 1.0 erschienen ist.

Tabris ist eine Lösung für die „Plattform-übergreifende Entwicklung nativer mobiler Anwendungen“. Der Clou dabei ist, dass diese Anwendungen komplett in Java geschrieben werden können. Anhand einer einheitlichen Java-Codebasis (Prinzip des „Single Sourcing“) werden für die beiden Plattformen iOS und Android Anwendungen generiert, die die nativen Design-Elemente (Widgets) von iOS und Android nutzen.

Tabris-Entwicklerhaus EclipseSource ist in der Community als Schöpfer des Projektes RAP bekannt. Das Akronym stand ursprünglich für „Rich Ajax Platform“; aufgrund einer Funktionserweiterung wurde das Projekt 2012 aber in „Remote Application Platform“ umbenannt – womit auch die technologischen Voraussetzungen für Tabris geschaffen wurden. Die Kommunikation in RAP wurde nämlich auf ein JSON-basiertes Protokoll umgestellt, was es ermöglichte, nicht nur das von RAP bekannte UI Toolkit anzudocken, mit dem sich Java-basierte Webanwendungen bauen lassen, sondern auch beliebige alternative Clients. „Daraus ergab sich dann die Idee, mobile Clients für Eclipse RAP zu bauen, und daraus entstand dann Tabris.“, berichtet Tabris-Entwickler Holger Staudacher im Gespräch mit JAXenter.

Zunächst beschränkt sich Tabris auf die beiden Plattformen Android und iOS, was laut Staudacher der Situation um 2010 geschuldet war:

Als wir mit der Entwicklung starteten, waren iOS und Android die Big Player, daher zielt Tabris darauf ab. Wir arbeiten aber an einem Windows-8-Prototypen, genauer gesagt für WindowsRT. Weitere Clients sind für die Zukunft geplant. Das ist kein Problem, denn wir haben RAP so weit umgebaut, dass praktisch jeder Client andocken kann. Holger Staudacher

Eine erste Developer Preview von Tabris wurde im Januar 2012 vorgestellt. Seither wurde der Funktionsumfang in insgesamt 14 Meilenstein-Releases Stück für Stück ausgebaut, etwa um ein spezielles Tabris UI – ein Higher Level API, mit dem sich der Rahmen der mobilen Anwendungen erstellen lässt. Mit Tabris 1.0 ist es nun auch möglich, Plattform-spezifische Navigationskonzepte umzusetzen: etwa die von Android bekannten ActionBars oder die ViewController aus iOS. Laut Staudacher existieren bereits Prototypen für andere Clients. Geplant ist auch, das Tabris UI Framework um spezielle Tablet-Layouting-Mechanismen zu erweitern.

Zu beachten ist, dass Tabris im Gegensatz zu RAP kein offizielles Eclipse-Projekt ist. Verschiedene Lizenzen („Developer“ und „Enterprise“) können bei EclipseSource erworben werden. Auf der Projektseite steht eine kostenlose Trial-Version zum Download bereit.

Noch in diesem Jahr soll übrigens die Version 1.1 von Tabris erscheinen – wie Staudacher versichert, auf Basis der neuesten Version von Eclipse RAP.

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Hartmut Schlosser
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