T.A.C.O. oder: Was Open Source mit mexikanischem Fast Food zu tun hat

Diana Kupfer

Open-Source-Entwickler lieben das Chaos. Behauptet zumindest Douglas Campos. Vergangene Woche hat der dynjs-Schöpfer auf der AgileVale-Konferenz in Sao Paolo ein leidenschaftliches Plädoyer für Open-Source-Entwicklung und gegen oktroyierte Agile Methoden gehalten. Einige Impulse daraus hat er nun in seinem Blog geteilt.

Die zentrale These: Open Source und Agile Methoden passen nicht zusammen. Der Grund: Open-Source-Arbeit ist freiwillige Arbeit. Und die Lebenszeit, die man dafür aufwendet, kostbar. Wer möchte sich da schon an von oben verordnete Arbeitsschemata  halten, nur weil diese gerade en vogue sind? Open-Source-Communities stehen – zumindest gefühlt – nicht unter der Aufsicht von Managern, die ihren Mitarbeitern ein wenig Scrum einflößen wollen. Entwickler, die sich auf Open-Source-Spielwiesen begeben, suchen kreative Freiheit abseits vom streng getakteten, routinierten Firmenalltag. Dazu gehören auch mal längere Denkpausen, versäumte Deadlines, die Ablenkung durch ein Computerspiel – und die Frechheit, auf Anzug und Krawatte zu verzichten.

Künstler, nicht Handwerker

Der einzige Gegenwert, den man für sein Engagement in einer Open-Source-Community erwarten darf, ist die Möglichkeit, etwas über Gruppendynamik, ja, über seine Mitmenschen zu lernen. Mit anderen Worten: um ein Stück Lebenserfahrung reicher zu werden. Das ist allerdings eine ganze Menge, wie Campos am Verlauf eines Open-Source-Projekts demonstriert. Die einzelnen Stationen, unter dem Akronym „TACO“ vorgestellt, sind demnach: Vertrauen („Trust“), Verantwortlichkeit („Accountability),  Kommunikation („Communication“) und Eigentum („Ownership“).

Zunächst ist man das Greenhorn, das neu in ein Projekt einsteigt. Man muss sich das Vertrauen („Trust“) der anderen Committer erst verdienen.

Ist man dann am Projekt aktiv beteiligt, so muss man für die Arbeit, die man leistet, geradestehen – auch für Fehler. Genau das ist mit „Accountability“ gemeint.

Als Mitglied einer über mehrere Zeitzonen verteilten Open-Source-Community wird man zwangsläufig seine Kommunikations-Skills schärfen. Denn die vorwiegend schriftliche Korrespondenz erhöht das Konfliktpotential. Da helfen nur präzise und bedachte Formulierungen ohne doppelten Boden. Und asynchrones Kommunizieren habe durchaus Vorteile, so Campos. Wer würde das bestreiten, sind direkte Reaktionen doch oft allzu impulsiv und unüberlegt.

Und Eigentum? Klare Sache: „The one who owns the code has the say“, zitiert Campos seinen Freund Bob McWhirter. Bewusste Verletzungen dieses Rechts seien selten, würden aber durchaus auftreten. Als Beispiele nennt er den Hudson-/Jenkins-Disput und spielt auf den Exodus inzwischen mehrerer Firmen von MySQL auf die Alternative MariaDB an – gleich zwei Seitenhiebe auf Oracle.

Open-Source-Entwickler sind nicht Handwerker, sondern Künstler – so der Tenor in Campos‘ notierter Rede. Es sind kreative Köpfe, die die spontane, keine oktroyierte Ordnung suchen. Dahinter steht ein Wunsch nach Entfaltung, der meist so stark ist, dass selbst scheinbar progressive Methoden wie Scrum dagegen alt aussehen.

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Diana Kupfer
Diana Kupfer
Diana Kupfer war Redakteurin bei S&S Media für die Zeitschriften Java Magazin, Eclipse Magazin und das Portal JAXenter. 
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