Studie offenbart Sehnsucht nach flexibleren Arbeitszeiten

Michael Thomas
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Das Mitarbeiterengagement befindet sich offenbar auf einem Tiefpunkt: Der Studie „HR: getting smart about agile working“ des Chartererd Institute for Personnel and Development (CIPD) zufolge wünschen sich 33% der Arbeitnehmer nichts sehnlicher als wesentliche Veränderungen bei ihrer derzeitigen Arbeit. Nur 28% der Arbeitnehmer betrachten ihre Arbeit als wichtigen Teil ihres Lebens. Ein deutlicher Abwärtstrend: Bei der ersten derartigen Untersuchung des CIPD im Jahr 2005 waren es noch 52%.

Die Perspektive des Arbeitnehmers

Doch was würden die Arbeitnehmer gerne ändern, damit sich dieser Trend wieder umkehrt? Klar angeführt wird die Liste der Änderungswünsche von flexibleren Arbeitszeiten, was als Ausdruck des Wunsches nach einer ausgewogeneren Work-Life-Balance interpretiert werden kann. Knapp die Hälfte der Untersuchungsteilnehmer nahm Arbeit mit nach Hause; dies betraf vor allem die Beantwortung arbeitsbezogener Anrufe und E-Mails. Etwa 20% der Befragten arbeiteten mindestens einmal die Woche komplett von zu Hause aus, weitere 20% gaben an, sich größere Flexibilität bei der Frage zu wünschen, wann und wo sie arbeiten.

„Unsere Forschung zeigt klare Hinweise darauf, dass viele Unternehmen sich nicht im Einklang mit den Erwartungen ihrer Mitarbeiter befinden„, so Ksenia Zheltoukhova, wissenschaftliche Beraterin beim CIPD. Würden sie diese erfüllen, so Zheltoukhova weiter, wäre die Folge ein deutlich höheres Mitarbeiterengagement und somit eine deutlich produktivere Belegschaft. Um dies zu erreichen, müssten Unternehmen jedoch ihre bisherigen Managementpraktiken überdenken und Lösungen finden, die Unternehmen und Mitarbeitern gleichermaßen gerecht werden.

Die Perspektive des Arbeitgebers

Für die meisten Unternehmen waren dem CIPD-Report zufolge vor allem die Personalplanung, -weiterbildung und -entwicklung wichtig. Größere Firmen legten zudem großen Augenmerk auf Responsivität und Adaptabilität als Antwort auf das sich ständig wandelnde Geschäftsumfeld.

Die Studie empfiehlt Unternehmen drei Ansätze, um diese Adaptabilität zu erreichen:

  1. Die Zusammensetzung der Belegschaft beobachten und für eine ausgewogene Mischung aus Arbeitnehmern mit befristeten Verträgen und mit Festanstellung sorgen
  2. Den Arbeitnehmern flexible Arbeitszeitmodelle anbieten und diese mit klaren Richtlinien untermauern
  3. Die Verteilung von Fähigkeiten und Talenten innerhalb des Unternehmens im Griff haben

Fazit

Die Studie zeigt, dass vor allem jüngere Arbeitnehmer zweierlei wünschen: Erstens eine sinnstiftende Aufgabe, zweitens ein hohes Maß an Freiheit, was Arbeitszeit und -ort betrifft. Dieser Trend wird sich in Zukunft vermutlich noch verschärfen, weshalb sich Arbeitgeber Gedanken über neue Arbeitsmodelle machen sollten, die über die althergebrachten hinausreichen.

Zur Methodologie

Um repräsentative Ergebnisse zu erreichen, wurden folgende Methoden angewendet:

  1. Eine Umfrage unter 633 Personalverantwortlichen aus der Privatwirtschaft, Institutionen der öffentlichen Hand sowie dem ehrenamtlichen Bereich (Großbritannien).
  2. Eine repräsentative Umfrage unter 1132 Arbeitnehmern; dazu ein zusätzliches Sample, dass sich aus 508 Arbeitnehmern in „irregulären“ Beschäftigungsverhältnissen wie befristeter Arbeit und Teilzeitarbeit zusammensetzt (Großbritannien).
  3. Fallstudien von Unternehmen, die agile Belegschaften und Arbeitsmethoden entwickeln.

Zusätzlich wurde die Forschungsgruppe des CIPD bei der Auswertung und Interpretation der Ergebnisse von Profis und Beratern aus dem Personalbereich unterstützt.

Aufmacherbild: Happy Indian businessman with leg behind his head typing on his laptop and smiling in the office at brown background von Shutterstock / Urheberrecht: Pikoso.kz

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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