Studie: 44% der Deutschen würden für Gegenleistungen persönliche Daten weitergeben

Hartmut Schlosser

Wie schnell sind Sie dabei, persönliche Daten wie Wohnort oder Social-Media-Profile an Dritte weiterzugeben? Als Datenschutz-bewusster Mensch werden Sie gleich die Rückfrage stellen: Weshalb sollte ich das tun? Ohne Grund würden das wohl die wenigsten tun. Wie standhaft ist Ihre Ablehnung allerdings, wenn Sie durch die Datenweitergabe einen besseren Handy-Vertrag erhalten würden?

Eine Studie von Amdocs (Anbieter von Customer-Experience- Systemen und –Services) will nun herausgefunden haben, dass in Deutschland satte 44 Prozent ihrem Provider aus finanziellem Anreiz erlauben, ihre persönlichen Daten an Dritte weiterzugeben. So wird deutschen Kunden ein sehr hohes Vertrauen in ihre Mobilfunk-Betreiber bescheinigt.

In der Studie, die im April von Coleman Parkes durchgeführt wurde, wurden weltweit 3.900 Mobilfunkkunden befragt. Gezeigt werden sollte, wie sowohl Kunden als auch Service Provider von einer Verbesserung des Kundenservices profitieren können. Insgesamt seien die Bedenken, Kunden könnten ihre persönlichen Daten unter keinen Umständen herausgeben, übertrieben, heißt es in einem offiziellen Kommentar.

Deutsche Kunden gehören im internationalen Vergleich allerdings trotz der 44% an Daten-Freigabe-Willigen zu den zurückhaltenden Gruppen. Der Durchschnitt liegt bei 57 Prozent, die zusätzliche persönliche Daten wie z. B. den Wohnort, ihre wichtigsten Facebook-Kontakte und auch persönliche Angaben über Familienmitglieder freigeben würden, wenn sie dafür einen finanziellen Vorteil und besseren Kundenservice erhalten würden. Am unbekümmertsten sind die Nutzer auf den Philippinen, von denen ca. 80 Prozent der Datenweitergabe zustimmen würden.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Deutsche Mobilfunkkunden vertrauen ihrem Provider: Aufgrund strenger Gesetzesvorgaben sind die meisten Kunden in Deutschland von der Sicherheit ihrer Daten überzeugt und vertrauen größtenteils ihren Providern. Dies gilt jedoch nicht für den Kontakt über die Online-Channel, insbesondere wenn es um finanzielle Transaktionen geht.
  • Kunden können zur Datenfreigabe angeregt werden: Die befragten Kunden weltweit gaben an, dass sie zusätzliche persönliche Daten freigeben würden, wenn sie dafür mit besseren Preisplänen (65 Prozent), einer schnelleren Netzwerkgeschwindigkeit (61), einem bevorzugten Kundenservice (54) und geräteübergreifenden Datenplänen (50) rechnen können.
  • Geld ist ein Argument: Kunden zeigten sich durch finanzielle Anreize aufgeschlossen gegenüber der Datenfreigabe, wobei Vergütungen mit 44 Prozent zusammen mit Kundenbindungsprämien (38) sowie Gutscheine oder spezielle Angebote (39 Prozent) am meisten geschätzt wurden. Rund ein Drittel der Befragten sagte zudem, dass sie die Informationen auch ohne Gegenleistung herausgeben würden.
  • Service Provider können das Vertrauen der Kunden einsetzen: Über die Hälfte der Kunden vertrauen ihrem Provider, so dass diese gute Voraussetzungen dafür haben, basierend auf den Kundendaten neue Services anzubieten.
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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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