Steve Jobs äußert sich zu Apples Java-Abkehr

Hartmut Schlosser

Steve Jobs hat in einem Kunden-E-Mail Hinweise auf die Beweggründe für Apple gegeben, sich nicht mehr selbst um ein in Mac-Betriebssysteme integriertes Java zu kümmern. Jobs verweist in seinem kurzen Antwortschreiben auf eine Anfrage von Portico-CTO Scott Fraser auf Oracle/Sun und erklärt, dass Sun die Java-Implementierungen für alle anderen Plattformen bereit stellten. Ein Problem der Apple-Version von Java sei stets gewesen, dass die Releasezeitpläne von Sun und Apple nicht koordiniert waren, sodass das Apple-Java stets der Sun-Version hinterherhinkte.

Sun (now Oracle) supplies Java for all other platforms. They have their own release schedules, which are almost always different than ours, so the Java we ship is always a version behind. This may not be the best way to do it Steve Jobs

Den vollständigen Hintergrund der Apple-Java-Strategie erhellen diese kurzen Zeilen freilich nicht. Dennoch ist der explizite Hinweis auf Oracle/Sun interessant. Jobs, dem man nicht unbedingt beste Beziehungen zu Sun nachsagte (und der vielleicht deshalb auch keine koordinierten Release-Zeitpläne mit Sun aufstellen konnte/wollte – so schwierig ist dies schließlich nicht), verweist auf eine Verantwortlichkeit des neuen Java-Hüters Larry Ellison. Und mit diesem scheint Steve Jobs weitaus bessere persönliche Kontakte zu pflegen als seinerzeit mit Sun. Ist dies ein erster Hinweis darauf, dass Oracle bald auch eine Java-Implementierung für Apple ausliefern wird?

Drei Mann in einem Boot

Belastbare Fakten gibt es noch keine – und so bleibt reichlich Raum für Kaffeesatzleserei und Spekulation.

Einen spritzigen Beitrag liefert Michael Plöd in seinem Blogeintrag „My opinion on the Java deprecation in Mac OS X„. Für ihn wäre es tatsächlich die beste Lösung für alle, wenn Oracle in Abstimmung mit Apple – und durchaus auch mit deren finanzieller Unterstützung – eine OpenJDK-basierte Entwicklungslinie für Mac OS X beginnen würde.

Plöds Argumentationslinie:

  • Apple hat Technologie-Entscheidungen zugunsten von Cocoa/Objective-C getroffen. Java, das zuletzt nur noch halbherzig unterstützt wurde, gehört nicht mehr zu den relevanten Technologien, sodass Apples Schritt, Java nicht mehr selbst weiterzupflegen, nachvollziehbar ist.
  • Dennoch lieben Java-Entwickler Macs – diesen Kundenstamm einfach auszuschließen wäre strategisch kein kluger Zug.
  • Oracle hat auf den ersten Blick eigentlich wenige Gründe, für Apple in die Bresche zu springen. Allerdings verfügt Oracle über das OpenJDK und hat mit einem Image-Problem in der Java-Community zu kämpfen.

Für Oracle und Apple würde eine Zusammenarbeit an einem OpenJDK-basierten Apple-Java deshalb eine Win-Win-Situation bedeuten:

  • Oracle wins in popularity and states that they take Open JDK very serious
  • Apple wins by not loosing a growing amount of good customers buying their big machines
  • The Java Community wins by having a great new JDK that is at the pace of time with regards to new versions

Michael Plöd

Als weitere Option bringt Plöd Google ins Spiel, die selbst starke Mac-User sind und ein großes Interesse daran haben dürften, Apple-Systeme als Entwicklungsplattform für Android aufrecht zu halten.

Was also, wenn Oracle, Apple und Google sich plötzlich in einem Boot bei der OpenJDK-Entwicklung wiederfänden?

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Hartmut Schlosser
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